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Fußball

Gewalt im Fußball: Schiedsrichter gehen in die Offensive

Die Schiedsrichter in Baden-Württemberg greifen zu immer drastischeren Maßnahmen: Als Reaktion auf Gewalt gegen Unparteiische im Amateurfußball haben sich in Heilbronn die Schiedsrichter entschlossen, die Spiele von drei Mannschaften bis zur Winterpause nicht zu besetzen.

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Ludwigsburg. Nachdem vergangene Woche der Vorsitzende des Fußballbezirks Enz/Murr, Ingo Ernst, mit einem Brandbrief die Häufung der Spielabbrüche im Bezirk moniert hatte, haben nun auch die Schiedsrichter an die Vereine im Württembergischen Fußballverband (WFV) appelliert. „Es kann und darf nicht sein, dass Beteiligte an einem Fußballspiel Angst haben müssen, das Spielfeld nicht unversehrt verlassen zu können“, schrieb WFV-Schiedsrichterobmann Volker Stellmach in einem offenen Brief an die Vereinsverantwortlichen.

„Wie alle anderen Beteiligten eines Fußballspiels haben unsere Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter die sozialen Umgangsformen verdient, die den gegenseitigen Respekt ausdrücken“, schrieb Stellmach weiter.

Bislang kam es im Fußballbezirk trotz mehrerer Spielabbrüche nicht zu weitreichenden Konsequenzen wie in anderen Regionen. Im Fußballbezirk Unterland haben die Schiedsrichter jüngst ein Exempel statuiert: Spiele der Vereine TGV Beilstein, Blau-Weiß Heilbronn und 1. FC Lauffen werden bis zur Winterpause nicht mehr von Unparteiischen besetzt. Dazu entschied sich die Schiedsrichter-Gruppe Heilbronn, nachdem zuvor mehrfach Schiedsrichter von Spielern angegangen worden waren. Darüber berichtete die Heilbronner Stimme.

„Im Jahr 2021 werden keine Spiele mehr mit Beteiligung dieser drei Mannschaften durch Schiedsrichter besetzt“, verkündete demnach Marco Gegner, Schiedsrichter-Obmann der Gruppe Heilbronn. Wie und ob die Spiele nachgeholt werden, ist noch nicht klar. Man erhoffe sich eine Signalwirkung für alle Vereine, zudem kündigte Gegner an, „dass wir bei weiteren derartigen Vorfällen zu noch härteren Mitteln greifen werden“.

Verbandsaufsicht als effektives Mittel

Im Bezirk Enz/Murr sieht man das Vorgehen kritisch: „Es ist ein Zeichen, aber die Frage ist, ob es den Erfolg bringt, den man sich wünscht“, sagt der Bezirksvorsitzende Ernst. Er würde laut eigener Aussage „eher zum Mittel der Verbandsaufsicht greifen“. Dabei wird ein Bezirksmitarbeiter auf ein Spiel angesetzt, das er vom Spielfeldrand beobachtet und anschließend einen Bericht anfertigt. „Wenn jemand da ist, geht es zu wie auf dem Friedhof“, sagt Ernst über den kurzfristigen Effekt solcher Aufsichten.

Ernst hatte zuletzt nach drei Spielabbrüchen innerhalb von zwei Wochen noch an die Vernunft der Vereine appelliert. Über die Sperren der Spieler, Geldstrafen sowie der Spielwertungen am Grünen Tisch gingen die Strafen allerdings – anders als in Heilbronn – nicht hinaus. Die Strafen gegen die Spieler hatten es aber in sich: Nach der Partie des VfL Gemmrigheim gegen Sönmez Spor Bietigheim, die vom WFV mit 3:0 für Sönmez gewertet wurde, erhielten gleich drei Spieler Sperren bis April 2022: ein Akteur von Gemmrigheim und zwei Sönmez-Spieler. Alle drei müssen zudem an einer Weiterbildungsmaßnahme in Gewaltprävention teilnehmen. Erst dann erhalten sie wieder ihre Spielberechtigung, berichtet Ernst.

Schiedsrichter-Obmann Stellmach hofft indes, dass solche Sperren in Zukunft nicht mehr nötig sein werden: „Wir werden diese Vorkommnisse nicht tolerieren und appellieren an alle Aktiven und Vereinsverantwortliche, wieder zu mehr Fairness und Wertschätzung im Fußball zurückzukehren.“

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