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Fußball

Große Unklarheit in der Oberliga

Bis Ende November gilt derzeit das Trainings- und Spielverbot in der Fußball-Oberliga Baden-Württemberg aufgrund der neuesten Corona-Verordnung. Wie es danach weitergeht, ist völlig offen. Diskutiert wird eine Vielzahl von Szenarien.

Ungewisse Zeiten: SGV-Sportdirektor Christian Werner. Foto: Baumann
Ungewisse Zeiten: SGV-Sportdirektor Christian Werner. Foto: Baumann

Freiberg/Bietigheim-Bissingen. Aktuell bemühen die Vereine der Fußball-Oberliga Baden-Württemberg gerne die Redewendung von der Glaskugel. Am Dienstag haben die Stuttgarter Kickers von der Stadt Stuttgart eine Ausnahmegenehmigung erhalten, den Trainingsbetrieb wieder aufnehmen zu dürfen. Ihnen wird ein Profistatus zugestanden, womit der Tabellenzweite eine Sonderstellung einnimmt.

„Aufgrund der Definition in der Corona-Verordnung würden auch wir in die Kategorie Profisport fallen“, sagt Sportdirektor Christian Werner vom Spitzenreiter SGV Freiberg, „Wir werden diesen Schritt prüfen und führen entsprechende Gespräche.“ Angesichts dieses Szenarios könnte in der fünften Liga eine große Schieflage entstehen zwischen Clubs, die unter Profibedingungen arbeiten und dem großen Rest, der derzeit nicht trainieren darf.

Am vergangenen Samstag gab es eine Videokonferenz mit den Clubvertretern und dem Württembergischen Fußballverband. „Der WFV wollte die Meinungen der Vereinsvertreter einholen“, erklärt Oliver Dense, der Sportliche Leiter des FSV 08 Bissingen. „Vorstellbar ist eigentlich alles, der Verband muss nun jedoch die Vorgabe der Bundesregierung am 16. November abwarten.“ Diskutiert wird die Wiederaufnahme des Spielbetriebs noch im Dezember, wenn die Erlaubnis der Politik erfolgt.

Das Nachholen der November-Partien in der eigentlichen Winterpause bis Februar könnte dann eine Variante sein. Auch ein sogenannter Boxing-Day wie in England wird erwogen. Demnach könnte sogar zwischen den Jahren und am zweiten Weihnachtsfeiertag gespielt werden.

Das Beste sei, sobald erlaubt, möglichst ohne Winterpause weiterzuspielen, äußerte sich jüngst der aktuelle Kickers- und ehemalige Freiberg-Coach Ramon Gehrmann in einem Zeitungsinterview. Sollte jedoch auch im Dezember und vielleicht auch im neuen Jahr kein Oberliga-Fußball gestattet sein, könnte es zu einem Novum kommen: Eine Auf- und Abstiegsrunde nach der Hinrunde.

„Aufstiegs- und Abstieg-Play-Offs kenne ich aus Österreich“, sagt der einst beim Austria Zweitligisten in Lustenau tätige Werner, „da könnten die ersten zehn Vereine den Aufstieg ausspielen und die anderen elf die Absteiger.“

Tatsächlich läuft den Verantwortlichen in der Oberliga bei einem längeren Lock-down die Zeit für eine Saison mit Hin- und Rückspielen davon, da die Liga durch den Abbruch in der Vorsaison ohnehin auf 21 Teams aufgebläht ist.

Erleichtert wird die Situation zudem nicht gerade dadurch, dass in der Oberliga-Baden-Württemberg mit den beiden badischen Verbänden und dem WFV gleich drei Entscheidungsträger beteiligt sind. Auch wenn Werner „dort intern eine gute Kommunikation“ wahrnimmt, hat der südbadische Verband bereits den gesamten Spielbetrieb ab der Verbandsliga für dieses Jahr abgesagt. „Ich persönlich glaube, dass im Dezember nicht mehr gespielt wird“, vermutet Werner, „wenn, dann wohl nur ohne Zuschauer.“

Drei Verbände entscheiden in der Baden-Württemberg-Oberliga

In Bissingen und Freiberg sind die Spieler von ihren Trainern Alfonso Garcia (FSV) und Evangelios Sbonias (SGV) angehalten, sich auf freiwilliger Basis fit zu halten. Sollte es im Dezember doch wieder losgehen, wäre ohne Mannschaftstraining auch eine mögliche Verletzungsgefahr ein großes Thema. „Da wäre ein Vorlauf nötig“, betont Werner.

Sicher ist derzeit in der Oberliga-Baden-Württemberg einzig die Unsicherheit. Alle schauen nun gebannt auf die Infektionszahlen und die Beschlüsse der Bundesregierung am 16. November. „Ohne Training im Dezember zu spielen, wäre sicher nicht optimal“, meint auch Dense, „in der aktuellen Situation hat die Gesundheit aber Priorität, dann gilt es flexibel zu sein.“

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