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Fußball

Rassismusvorwurf in der Kreisliga

Spieler des TSC Kornwestheim standen in der Auswärtspartie bei der SpVgg Mönsheim kurz davor, das Spielfeld vorzeitig zu verlassen. Nach der Partie erhob der Türkische Sportclub schwere Vorwürfe.

TSC-Spieler Gennaro Vasile, hier noch im Trikot des TSV Höfingen, wehrt sich gegen rassistische Kommentare von Zuschauern. Foto: Baumann
TSC-Spieler Gennaro Vasile, hier noch im Trikot des TSV Höfingen, wehrt sich gegen rassistische Kommentare von Zuschauern. Foto: Baumann

Kornwestheim/Mönsheim. Der TSC Kornwestheim hat nach dem 2:2 in der Kreisliga-A-Partie bei der SpVgg Mönsheim schwere Vorwürfe gegen den Gastgeber erhoben. Es seien rassistische Zurufe sowie Beleidigungen gegen den TSC seitens Anhängern und Vereinsmitgliedern der Mönsheimer gefallen, hieß es gestern in einer Stellungnahme des Türk SC Kornwestheim. Demnach sollen Ausdrücke wie „scheiß Ausländer“, „scheiß Türken“, oder „geht in euer Land zurück“ gefallen sein. Die SpVgg Mönsheim wehrte sich gestern auf Nachfrage gegen die Vorwürfe des Gegners. „Ich kann sagen, dass von der Spielleitung und den Spielern so etwas nicht gekommen ist“, sagte Spielleiter Ronald Bauer. „Ich habe mir aber von einem Ordner sagen lassen, dass es ein Zuschauer war, der etwas reingerufen hat.“ Man werde dem nachgehen „und Maßnahmen ergreifen. Rassismus hat auf dem Fußballplatz nichts verloren“, so Bauer.

Spieler behandelt wie Freiwild

Nach Angaben der Kornwestheimer habe das Spiel sogar vor dem Abbruch gestanden. TSC-Spieler Gennaro Vasile soll in der 80. Minute dem Schiedsrichter angedroht haben, das Feld zu verlassen, wenn der Unparteiische nichts gegen die Zuschauerrufe unternehme. Der Schiedsrichter soll die Situation allerdings zunächst belächelt haben, was die TSC-Verantwortlichen auf die Palme brachte. „Die Leistung des Schiedsrichters steht überhaupt nicht zur Diskussion. Mir geht es aber darum, dass er das hätte vermeiden müssen, anstatt unseren Spieler zu belächeln“, monierte TSC-Trainer Erkan Kilic.

Auch er nahm die Spieler des Gastgebers in Schutz, übte aber Kritik an einigen Zuschauern, die den Fußballplatz offenbar als Ventil verwenden, um Dampf abzulassen. „Der Gegner kann nichts dafür, es waren die Zuschauer, die dafür verantwortlich waren. Es kann nicht sein, dass Zuschauer am Wochenende drei Euro Eintritt zahlen und dafür denken, die Spieler wären Freiwild.“ Zwar würden Provokationen dazugehören, „aber keine rassistischen Kommentare“, so Kilic weiter. Damit werde eine Grenze überschritten.

In Mönsheim bereite man eine Stellungnahme vor, um diese an den Württembergischen Fußball-Verband (WFV) zu leiten. „Der Vorgang ist beim Sportgericht anhängig. Dort wird der gegnerische Verein gehört und Kontakt mit dem Schiedsrichter aufgenommen“, erklärte der WFV-Bezirksvorsitzende Hansjörg Arnold das Vorgehen des Verbands. Grundsätzlich stellt sich aber die Frage, was man tun kann, um solche Vorfälle zu vermeiden. „Wenn irgendwelche Zuschauer so etwas sagen, kann ich das eigentlich nicht beeinflussen“, sagte Spielleiter Bauer gestern.

So beließ es auch der TSC am Sonntag bei der Drohung, den Platz zu verlassen. „Wir wollten das nicht an die große Glocke hängen und vermeiden, dass es wegen zwei bis drei Personen eskaliert. Hätte es aber noch einmal einen größeren Vorfall gegeben, hätten wir den Platz verlassen. Bei Rassismus spielen wir nicht weiter“, sagte TSC-Abteilungsleiter Sadik Güngör.

Trainer Kilic blickte indes auf die Entwicklung der letzten Jahre zurück. „Oft hat man weggehört, es ignoriert“, sagte der Coach. Das Beispiel von Gennaro Vasile, der vor der Saison aus Höfingen zum TSC gewechselt war, zeige womöglich, wie abgestumpft Kilic selbst sei: „Wenn einem Spieler, der vorher hauptsächlich in deutschen Mannschaften gespielt, das so wehtut, denkt man sich auch, dass man es vielleicht zu sehr vernachlässigt hat.“

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