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Bittere Pleite im Wasenstadion
Regionalliga-Auftakt des SGV Freiberg gegen VfR Aalen: Neue Liga, alte Weisheiten

Quirlig aber ohne Punkte: Freibergs Christian Mauersberger (r.) im Duell mit Leon Volz. Foto: bm
Quirlig aber ohne Punkte: Freibergs Christian Mauersberger (r.) im Duell mit Leon Volz. Foto: bm
Der SGV Freiberg verliert das erste Spiel seiner Regionalliga-Geschichte mit 1:2 gegen den VfR Aalen. Ein Tor in letzter Minute bringt die Freiberger um ihren verdienten Lohn.

Freiberg. 63 Tage lagen zwischen dem vorerst letzten Spiel des SGV Freiberg in der Fußball-Oberliga und der – mancherorts gar historisch genannten – ersten Regionalligapartie gegen den VfR Aalen am Samstagmittag im heimischen Wasenstadion. Dass in der Regionalliga nun ein anderer Wind weht, offenbarte sich für die Freiberger nicht nur in Form der stattlichen Kulisse von 823 Zuschauern, darunter 200 leidenschaftliche und in einem extra eingezäunten Gästeblock singenden Aalen-Fans. „In der Regionalliga hast du offensiv eine ganz andere Effektivität“, sagte Mittelfeldmotor Christian Mauersberger nach der 1:2-Niederlage gegen den VfR Aalen. Eben jene Effekzivität bekamen die Freiberger auf bittere Weise zu spüren. Der 27-jährige Mauersberger haderte, wie auch seine Mitspieler, mit der eigenen Chancenverwertung und der gegnerischen Abgeklärtheit, die die Freiberger um die verdienten ersten Regionalligapunkte gebracht hatten. „Das ist sehr ärgerlich, bitter und enttäuschend“, sagte Mauersberger.

Zwei Monate nachdem Marcel Sökler den SGV in Nöttingen in der Nachspielzeit zum Aufstieg köpfte und für puren Freudentaumel sorgte, waren es nun die Aalener, die in der Nachspielzeit den entscheidenden Siegtreffer erzielten. Die Freiberger Spieler sackten auf dem Rasen zusammen und mussten zusehen, wie sich Torschütze Jonas Arcalean das Trikot vom Leib riss und sich von seinen Mitspielern samt Auswechselbank einfangen ließ – willkommen in der Regionalliga. „Die Niederlage tut weh. In meinen Augen war das unverdient“, sagte Angreifer Sökler nach Spielende.

Marcel Hofraths Standards als Gefahrenherd

Dabei hatte die Partie optimal begonnen. Nach einer Ecke von Marcel Hofrath köpfte der agile Rückkehrer Ouadie Barini bereits nach vier Minuten das 1:0. In der Folge hatte der SGV das Spiel im Griff. Nahezu jede Standardsituation von Hofrath sorgte für Chaos im VfR-Strafraum. Jubeln durften aber dennoch die Gäste. Plötzlich machte der frühere Zweitligist im Zentrum das Spiel schnell und Sean-Andreas Seitz tauchte nach Zusammenspiel mit Ex-Kickers-Spielmacher Alessandro Abruscia vor dem Tor auf und schob zum Ausgleich ein (32. Minute).

„Wir haben den Gegner 65 Minuten komplett beherrscht. Wir hatten ein Chancenverhältnis von 14:1 und es steht 1:1“, sagte SGV-Trainer Ramon Gehrmann später. Gerade nach dem Seitenwechsel drängten die Gastgeber vehement auf die Führung, gefielen mit feinem Kurzpassspiel. Etliche Chancen blieben aber ungenutzt. „Das war für mich das Tragische an dem Spiel. Wir haben uns einfach nicht belohnt“, so Gehrmann.

Blau-weiße Ernüchterung

Stattdessen kam es noch schlimmer – samt Erkenntnis, dass auch in der neuen Liga die alteingesessenen Fußball-Weisheiten zu gelten scheinen. So rächte sich am Ende tatsächlich die schlechte Chancenverwertung und sorgte für blau-weiße Ernüchterung.

In den Schlussminuten drehten nämlich die Gäste auf. Nach einem Handspiel wurde schon eine Viertelstunde vor Spielende der vermeintliche Siegtreffer von Paolo Maiella zurückgepfiffen. Abruscia traf zudem das Lattenkreuz (88.). In der Nachspielzeit vertändelte dann der bis dahin zuverlässig und souverän spielende Yannick Thermann in der Vorwärtsbewegung den Ball. Freiberg lief ins offene Messer und Arcalean blieb eiskalt (90+1).

„Dann lieber wie Aalen einen Drecksfußball spielen“

Noch lange nach Spielende saß Thermann nachdenklich auf dem Rasen, wurde von Gehrmann aufgemuntert. „Fehler passieren, natürlich bauen wir ihn auf, das ist nicht schlimm“, sagte auch Sökler und ärgerte sich viel eher über die eigene Ineffizienz. „Wir wissen, dass wir guten Fußball gespielt haben, aber was bringt uns guter Fußball, wenn wir mit null Punkten dastehen. Dann lieber so wie Aalen einen Drecksfußball spielen und gewinnen.“

Coach Gehrmann war dagegen ob des ordentlichen Spiels positiver gestimmt. „Wir sind jetzt erstmal traurig, aber ich bin trotzdem stolz“, sagte der 48-Jährige, während Mauersberger mahnende Worte fand. „Da werden noch einige Brocken kommen, die genau so eine Offensive haben“, kündigte der Mittelfeldmann an.

SGV Freiberg: Heimann – Hofrath, Koch, Velagic, Thermann – Mauersberger (65. Baroudi), Kehl-Gomez, Mistl, Cekic (65. Tomic) – Barini (75. Leuze), Sökler.

VfR Aalen: Witte – Cesen, Odabas, Schmidt, Volz – Wächter (46. Müller), Korb, Abruscia (90. Schaub), Meien, Seitz (65. Maiella) – Bux (65. Arcalean)

Tore: 1:0 Barini (4.), 1:1 Seitz (32.), 1:2 Arcalean (90+1). Zuschauer: 823.