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Fußball-Bundesliga

Stuttgart sendet ein Lebenszeichen

Wichtiger Sieg für den VfB Stuttgart: Der Fußball-Bundesligist hat das Auswärtsspiel beim 1. FC Nürnberg mit 2:0 (0:0) gewonnen. Timo Baumgartl und Erik Thommy brachten die Schwaben auf die Siegerstraße. Trotz des Erfolgs bleibt der VfB Tabellenschlusslicht.

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Stuttgarts Timo Baumgartl (links) jubelt mit Christian Gentner, Andreas Beck, Benjamin Pavard und Mario Gomez über seinen Treffer zum 0:1. Foto: Daniel Karmann/dpa

Nürnberg. Als Sportvorstand Michael Reschke kurz vor Schluss von der Tribüne in Richtung Trainerbank marschierte, hätte es ihn um ein Haar erwischt: Er stolperte, konnte sich aber im letzten Moment noch fangen. Dieser kleine Zwischenfall sollte allerdings der einzige Wackler der Schwaben im Max-Morlock-Stadion in Nürnberg sein.

Zwar erwischte der Club den etwas besseren Start, doch die erste Torchance hatte der VfB, als Christian Gentner in der Mitte an den Ball kam und abzog (5.). Der FCN agierte vermehrt über die rechte Seite, wo Virgil Misidjan Marc-Oliver Kempf wiederholt vor Probleme stellte. Kempf, der aufgrund des verletzungsbedingten Ausfalls von Holger Badstuber seine Startelf-Premiere bei den Schwaben feierte, arbeitete sich allerdings immer besser in das Spiel und zeigte eine gute Partie.

Die 50 000 Zuschauer, darunter knapp 10 000 VfB-Fans, bekamen in der ersten Hälfte ein Spiel mit relativ wenigen Höhepunkten zu sehen. In der 22. Spielminute setzte sich Misidjan auf dem rechten Flügel durch und brachte den Ball scharf vor das Tor von VfB-Keeper Ron-Robert Zieler. Adam Zrelak, bedrängt von Andreas Beck, konnte sich allerdings nicht richtig durchsetzten und der Ball ging am Tor vorbei.

Beide Mannschaften taten sich im Aufbauspiel schwer, die zündende Idee fehlte. Kurz vor der Pause ließ Nicolas Gonzalez auf der linken Seite Nürnbergs Robert Bauer stehen und brachte Mario Gomez in der Mitte in Szene. Stuttgarts Stürmer verpasste die Chance zur Führung deutlich (39.).

Nach dem Seitenwechsel hatte der VfB mehr Spielanteile und agierte überlegen. Die erste Chance hatte aber der Club: Sebastian Kerk zwang Ron-Robert Zieler mit einem flachen Distanzschuss zu seiner ersten richtigen Parade. Der VfB-Schlussmann ließ den Ball zur Seite prallen, doch auch Misidjan scheiterte im Nachschuss (55.).

VfB-Coach Markus Weinzierl peitschte seine Mannschaft immer wieder nach vorne und die Schwaben erhöhten den Druck. Eine Ecke von Stuttgarts Dennis Aogo klärte Bauer vor die Füße von Timo Baumgartl, der den Ball per Direktabnahme ins Tor bugsierte. „Ich konnte es selber nicht fassen, dass er reingegangen ist“, sagte der Verteidiger nach der Partie zu seinem ersten Bundesligator.

VfB spielt vorne sehr zielstrebig

Stuttgart spielte vorne nun deutlich zielstrebiger und ließ hinten wenig zu. Dem Club gelang fast nichts mehr. Häufig scheiterten sie in der Vorwärtsbewegung an ihren Fehlpässen. Knapp zehn Minuten vor Schluss brachte Gomez den Ball zu Gentner, der das Spiel in dieser Szene hätte entscheiden müssen. Der Kapitän scheiterte allerdings zwei Mal an dem heraus eilenden Christian Mathenia im Club-Tor (79.).

Erneut eine Standardsituation brachte dann die Entscheidung: Mathenia faustete eine Ecke direkt vor die Füße des eingewechselten Erik Thommy, der sich im Duell mit Misidjan durchsetzte und den Ball von der Sechzehnerkante unhaltbar in den Winkel donnerte (82.). In der Nachspielzeit gelang dem Club durch Matheus Pereira der vermeintliche Anschlusstreffer, der aber aufgrund eines Stürmerfouls von Schiedsrichter Christian Dingert zurecht abgepfiffen wurde (90.+2).

„Natürlich bin ich sehr erleichtert“, sagte VfB-Trainer Markus Weinzierl nach dem Spiel. „Nach den letzten Wochen war dieser Sieg heute unheimlich wichtig. Die Mannschaft hat sich gut rein gekämpft, wurde immer stabiler und besser und hat verdient die Tore erzielt.“ Christian Gentner machte nach dem ersten Erfolgserlebnis unter Weinzierl aber auch darauf aufmerksam, den Sieg richtig einzuordnen. „Das heute war nur ein kleiner Schritt. Man muss vorsichtig sein, wie man das alles bewertet“, sagte er. „Aber ich bin zuversichtlich, dass wir die Kurve kriegen.“

Nürnbergs Linksverteidiger und Ex-Stuttgarter Tim Leibold gab nach der Partie zu: „Wir haben in den 90 Minuten zu wenig investiert und hinten zu viele Fehler gemacht. Das haben wir uns ganz anders vorgestellt, Stuttgart hat verdient gewonnen.“