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Fußball

VfB-Mädels sind jetzt unter sich

Der Bundesligist hat seinen ersten Frauenfanclub – 24 Gründungsmitglieder warten auf offiziellen Fanclubstatus

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Marion Helm (Zweite von rechts) mit ihren Achtzehn93 dunkelroten Mädels.Foto: privat

Ludwigsburg. Bietigheim-Bissingen. Traurig war Marion Helm am Freitagnachmittag nicht, eher erschrocken. „Ich habe gedacht, was ist jetzt los?“, erzählt die leidenschaftliche Anhängerin des VfB Stuttgart vom Moment, indem sie erfuhr, dass der Fußball-Bundesligist seinen Sportvorstand Jan Schindelmeiser entlassen hatte. Die Bietigheimerin ist eine von 24 Gründungsmitgliedern des ersten weiblichen VfB-Fanclubs: die „Achtzehn93 dunkelrote Mädels“. Die Unterlagen zur Anerkennung als offizieller Fanclub (OFC) liegen derzeit auf der Geschäftsstelle des VfB zur Prüfung. Die Zustimmung ist laut Helm reine Formsache.

Schindelmeiser verspielt Kredit

Doch zurück zu Schindelmeiser. Mit zwei Aktionen verspielte sich der eloquente Manager seinen Kredit bei Helm und vielen ihrer Fanclubkameradinnen. Zuerst entließ er Kevin Großkreutz nach seiner nächtlichen Partytour, die mit einer Prügelei im Rotlichtviertel endete. „Wir waren fassungslos. Ich fand das zu hart“, sagt die 47-Jährige, deren Haut an Arm und Rücken ein VfB-Tattoo ziert. Und dann, erst vor einigen Wochen, setzte der Ex-Sportvorstand dem beliebten Mitch Langerak in Ron-Robert Zieler einen Konkurrenten vor die Nase. „Dabei gibt es doch andere Baustellen“, sagt Helm, zum Beispiel die Abwehr. Sie hofft auf weitere Verstärkungen und eine Saison im gesicherten Mittelfeld.

Auch für den Fanclub sind die Ziele bereits definiert. Langweilig wird es Helm und ihren Vorstandskolleginnen Nina Deh, Michaela Bürk und Birgit Kurz sicher nicht. In Planung sind die erste Auswärtsfahrt nach Berlin, eine Zaunfahne, ein spezielles Trikot, T-Shirts, monatliche Treffen und soziales Engagement. „Zwei unserer Mitgliederinnen sitzen im Rollstuhl. Uns ist Inklusion sehr wichtig“, erklärt Helm.

Zu den 24 Gründungsmitgliederinnen sollen weitere hinzukommen. „Oft lachen die Männer Frauen beim Fußball aus oder nehmen uns nicht ernst. Aber die Resonanz auf einen Frauenfanclub ist überwältigend. Alle Frauen ab 16 Jahren sind willkommen“, berichtet die freiberufliche Lehrerin. Viele Mitglieder seien von ihren Männern bestärkt worden, einen eigenen Frauenfanclub zu gründen. Sie kommen aus ganz Baden-Württemberg und eine sogar aus Bremen. Auch in den Fankneipen sei die Frauenrunde gut angekommen. Eine Freundschaft gibt es mit dem Fanclub Heimatliebe0711.

Die Gründungssitzung fand am 23. Juli in einer großen Bar neben der Mercedes-Benz-Arena statt. Dort treffen sich die dunkelroten Mädels vor und nach den Heimspielen. Der Kontakt entstand direkt in der Cannstatter Kurve, wo die meisten ihren Platz haben, oder über das Soziale Netzwerk Facebook. Zu viele Mitglieder sollen es aber nicht werden. „Jeder soll sich kennen“, sagt Helm und stellt klar, dass Geselligkeit im Mittelpunkt steht.

Und obwohl die Frauen unter sich sein wollen, darf ein männlicher Fan immer dabei sein: Marion Helms 13-jähriger Sohn Max begleitet sie zu jedem Spiel und ist mittlerweile der Fanclubfotograf.