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Serie (II)

Vom Fuchshof auf die große Bundesligabühne–und zurück

Vor 40 Jahren qualifizierte sich die SpVgg 07 Ludwigsburg 1978 für die neue Oberliga Baden-Württemberg. Die Schwarz-Gelben waren über Jahrzehnte gesetzt in der höchsten Amateurliga und im württembergischen Fußball. Was ist aus den einstigen Drittligagrößen geworden, was treiben sie heute?

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Frank Schäffer 1981 im Dress von Borussia Mönchengladbach. Drei deutsche Meisterschaften feierte er mit den Fohlen. Fotos: Baumann

Ludwigsburg. Es gibt viele Akteure, die 07 ihren Stempel deutlich stärker aufgedrückt haben als Frank Schäffer. Schäffer ist kein Ludwigsburger Eigengewächs, er steht für eine ganze Reihe von schwarz-gelben Größen, die als Ex-Profis aus der Bundesliga an den Fuchshof kamen.

Keiner hat jedoch das 07-Trikot getragen, der mehr als Schäffer die Luft der großen Fußball-Bühne geatmet hat. Er nutzte den Fuchshof als Sprungbrett zu drei deutschen Meistertiteln und zwei Uefa-Pokal-Gewinnen mit Borussia Mönchengladbach. „Ich habe 07 viel zu verdanken“, sagt der 65-Jährige mit den weißen Haaren heute, „ich habe mich damals für Ludwigsburg entschieden – und das war richtig: Von dort habe ich eine Bundesligakarriere geschafft.“

Mit dem Kicken hat der Leonberger beim TSV Eltingen begonnen. In Böblingen war er bei der Bundeswehr Anfang der 70er Jahre in einer Sportkompanie mit vielen Fußballern wie VfB-ler Hansi Müller und Markus Elmer stationiert. Der damalige Ludwigsburger Trainer Hans Arnold machte ihm den Fuchshof schmackhaft. Schäffer kam in die Barockstadt. Schnell hatte er in der Saison 1973/74 als Libero seine Position. Berufungen in die Amateur-Nationalmannschaft folgten – und damit der Weg in die Notizbücher der Bundesligaspäher. Mit 07 gewann er noch den WFV-Pokal. Dann lud ihn die große Borussia nach Mönchengladbach zum Test ein.

„Hennes Weisweiler hat mich persönlich in Düsseldorf am Flughafen abgeholt. Bei seinem Tennisclub haben wir noch schnell einen Stopp gemacht, um sein Match zu verschieben“, erinnert sich Schäffer noch genau an den Auftakt zu einer imponierenden Profilaufbahn. „Nach drei Stunden war der Vertrag unterschrieben – ich habe noch gesagt, Herr Weisweiler, ich habe aber noch einen Vertrag bei 07 Ludwigsburg.“

Weisweiler und der damalige Ludwigsburger Abteilungsleiter Franz Seybold einigten sich, 07 ließ ihn ziehen. Bei der Borussia durfte er als Fohlen erstmals in der Bundesliga ran. Im Team mit Weltstar Allan Simonsen und den frischgebackenen Weltmeistern Berti Vogts und Rainer Bonhof – am Saisonende war Schäffer deutscher Meister. 1976 unter Udo Lattek gleich noch einmal.

Heute ist viel vom Karriereende von Trainerlegende Jupp Heynckes die Rede. Frank Schäffer hat die Geburtsstunde des Gladbacher Torjägers auf der Trainerbank miterlebt: „Ich wollte schon weg, weil die große Zeit vorbei war“, blickt er zurück. „Mit einem Wechsel nach Kaiserslautern hat es nicht geklappt. Und dann hat der neue Trainer Jupp Heynckes mich überredet, komm Franky, bleibe! Er konnte sich immer schon extrem gut in Spieler hineinversetzen, er hat als Stürmer auch schon mal fünf Wochen das Tor nicht getroffen, er kennt den ganzen Zirkus.“

Die nächste Meisterschaft feierte Schäffer 1977, die dritte in Folge. Zwei Triumphe im Uefa-Cup kamen hinzu. Spätere Weltstars mussten sich nun am etablierten Bundesligaakteur Schäffer ausrichten. „Lothar Matthäus hatte bereits eine unglaubliche Schnellkraft, als er ganz jung zu uns kam“, beobachtete der einstige Schwarz-Gelbe, „am Ball war er jedoch noch unfertig. Der junge Armin Veh war hingegen ein ganz feiner Techniker.“

Nach 229 Bundesligaeinsätzen verließ Schäffer den legendären Bökelberg, um 1983 wieder auf den Fuchshof zurückzukehren. Er nutzte seine Kontakte, um sich in der Bausparbranche beruflich etwas aufzubauen und kickte noch zwei Jahre für 07 in der Oberliga. „Die Mannschaft war im Umbruch und zusammengewürfelt“, erinnert er sich an Schwierigkeiten in seiner zweiten 07-Phase, „2000, 3000 Zuschauer hatten wir aber immer – als Ex-Profi wird man jedoch kritischer gesehen. Die Leute erwarten fast Wunderdinge.“ Ludwigsburg war für Frank Schäffer nur ein kleines Kapitel, für 07 war Schäffer jedoch der höchstdekorierte Fußballer in schwarz-gelb.