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Fußball

Was halten Trainer von dem Stufenmodell zur Rückkehr zum Spielbetrieb des WFV?

Verband hat Stufenmodell zur Rückkehr zum Spielbetrieb vorgestellt – Trainer im Bezirk bevorzugen eine sportliche Lösung

Germania-Coach Andreas Eschenbach.Foto: Baumann
Germania-Coach Andreas Eschenbach. Foto: Baumann

Ludwigsburg. Mitte Februar hat der Württembergische Fußball-Verband ein Stufenmodell zur Rückkehr zum Spielbetrieb veröffentlicht. Während nahezu alle anderen Amateursportarten ihre Saisons bereits abgebrochen haben, sollen in allen Fußballligen unterhalb der Regionalliga die Vorrunden zur Ermittlung direkter Auf- und Absteiger bis 20. Juni 2021 abgeschlossen sein, sofern die Verfügungslage eine Aufnahme des Spielbetriebs spätestens zum 9.Mai 2021 zulässt. Sollte dieser Termin für den Neustart nicht einzuhalten sein, wird die Saison abgebrochen. Zudem soll die Wertung der Vorrunden bereits dann möglich sein, wenn mindestens 75 Prozent aller Mannschaften einer Staffel alle Vorrundenspiele absolviert haben, in diesem Fall dann auf Basis der Quotienten-Regelung. Doch was halten Trainer der Vereine von den WFV-Plänen?

Andreas Eschenbach (Germania Bietigheim, Landesliga, Tabellenplatz 16)

Andreas Eschenbach, Trainer des Landesligisten Germania Bietigheim, bemüht bei der Darstellung seiner Sicht der Dinge eine Metapher: „Wenn ich als Künstler ein Bild anfange und das Bild ist 20 Prozent fertig, ich dann aber vier Monate ausfalle und danach wieder den Pinsel schwingen muss, glaube ich nicht, dass ich das Bild weitermalen könnte. Ich würde ein neues anfangen“, spricht er sich für einen Saisonabbruch aus. Als Alternative schlägt er vor, die Saison auf zwei Jahre zu strecken. „Das wäre für mich zwar immer noch nicht rund, aber immerhin die sportlichere Lösung.“

Man wolle sich keineswegs durch einen Abbruch dem Abstiegskampf entziehen. Aber so könne man „einen verkorksten Rundenstart gerade biegen. Diese Chance nimmt man uns“.

Zusätzlich nennt Eschenbach gesundheitliche Bedenken, die mit dem baldigen Neustart samt der damit einhergehenden kurzen Vorbereitungszeit für die Vereine zusammenhängen. Der Zustand von jedem seiner Spieler sei vergleichbar mit dem von Sportlern in einer Rehaphase nach einer vor Monaten erlittenen Verletzung. „In der Rehaphase joggen alle und machen Kräftigung. Was aber für mindestens fünf Monate fehlt, sind beispielsweise Richtungsänderungen“, sagt er über fußballspezifische Bewegungen und befürchtet vermehrt Verletzungen bei allen Amateursportlern, sollte es zeitnah mit dem geplant straffen Programm inklusive kurzer Vorbereitung losgehen.

Markus Koch (VfB Neckarrems, Verbandsliga, Tabellenplatz 18)

Der Trainer des Fußball-Verbandsligisten hält es für realistisch, dass im Amateursport der Ball bis zum 9. Mai wieder rollt. Das würde bedeuten, dass seinem VfB lediglich sieben Spiele bleiben, um sich aus der Abstiegszone zu befreien. Einen Abbruch sieht Koch allerdings nicht als bessere Lösung: „Ich bin immer für den Sport. Wenn es uns sportlich trifft, steigen wir ab“, gibt er sich gewohnt nüchtern.

Dennoch stellt er eine Fortsetzung der Liga mit aller Gewalt, besonders in Zeiten wieder steigender Corona-Fallzahlen, infrage: „Solange Kinder nicht rauskönnen und spielen können, weiß ich nicht, ob man die 5. oder 6. Liga als so wichtig hinstellen sollte, dass gespielt werden kann.“ Zwar seien seine Spieler von sich aus ambitioniert genug, um sich auch in der mittlerweilen vier Monate andauernden Unterbrechung des Spiel- und Trainingsbetriebs fitzuhalten. „Aber Fußball ist weit weg, das kann ich nicht mit Onlinetrainings oder Plänen simulieren.“

Thomas Herbst (FV Löchgau, Landesliga, Tabellenplatz 5)

Allzu große Hoffnungen auf einen erneuten Aufstieg in die Verbandsliga kann sich der FV Löchgau nach dem WFV-Beschluss nicht mehr machen. In den verbleibenden sechs Spielen müsste das Team von Thomas Herbst sieben Punkte auf den Zweiten Schwäbisch Hall aufholen. „Das muss man dann unterordnen“, sagt Herbst über einen möglichen Aufstieg. „Ob das einen sportlichen Wert hätte, wenn man nach 16 oder 17 Spielen mit der Quotientenregel aufsteigt, müsste man eh einordnen.“ Fußball stehe derzeit sowieso nicht an erster Stelle. „Die ganze Gesellschaft beschäftigt etwas anderes und man hat nichts Besseres zu tun, als unbedingt Aufsteiger zu finden.“

Immerhin: Dass der WFV für eine klare Regelung gesorgt hat, unterstützt Herbst: „Alles, was es an Planungssicherheit gibt, halte ich für wichtig.“ Er könne zudem verstehen, dass man sich so die Möglichkeit offen lasse, die Saison fortzusetzen und nicht vorschnell einen Abbruch beschließt.

Sascha Becker (SV Kornwestheim, Landesliga, Tabellenplatz 17)

Ähnlich wie sein Löchgauer Kollege freut sich auch Sascha Becker über das Fünkchen an Planungssicherheit. „Ich glaube trotzdem nicht, dass überhaupt noch gespielt wird“, verweist er auf die wieder steigenden Corona-Fallzahlen. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass man dann 30 bis 50 Personen auf den Sportplätzen als Kontakte zulässt und das noch im Drei-Tages-Rhythmus.“

Abgesehen davon zweifelt der Trainer des Landesliga-Drittletzten an der sportlichen Gerechtigkeit, sollte die Saison doch bis zur Hälfte gespielt und dann gewertet werden. „Letztes Jahr hat man zwei Drittel der Saison gespielt und niemanden absteigen lassen. Und jetzt zieht man es durch“, moniert er.

Da es letzte Saison keine Absteiger gab, würde es in dieser Saison noch mehr Vereine treffen, die den Gang in die Bezirksliga antreten müssten. Womöglich wären davon mit dem TV Pflugfelden, Germania Bietigheim und dem SVK gleich drei Vereine aus dem Ludwigsburger Landkreis betroffen. „Was ich gar nicht nachvollziehen kann, ist, dass man die Anzahl der Absteiger unverändert lässt, obwohl man nur eine halbe Saison spielt.“ Die Saison auf diese Weise zu werten sei aus seiner Sicht nur für sehr wenige Mannschaften befriedigend. „Wenn man es unbedingt durchprügeln will, hat es mit sportlicher Auseinandersetzung nichts zu tun. Es hilft keinem richtig, außer wenigen Mannschaften.“

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