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Handball
Benningerin mit Bodenhaftung

Kathrin Blacha während ihrer aktiven Zeit beim Sprungwurf. Foto: dpa
Kathrin Blacha während ihrer aktiven Zeit beim Sprungwurf. Foto: dpa
Deutschlands letzte WM-Medaillen: Kathrin Blacha, mehrfache „Handballerin des Jahres“, war zweimal dabei

Ludwigsburg. Endlich wieder eine Medaille gewinnen: Bei der Weltmeisterschaft in Spanien vom 1. bis 19. Dezember wollen die deutschen Handballerinnen eine lange Durststrecke beenden. Zuletzt gab es bei den Titelkämpfen 1997 und 2007 mit Bronze Edelmetall. Zwei Spielerinnen waren beide Male dabei: Grit Jurack und die aus Benningen stammende Kathrin Blacha.

„Das ist lange her, aber vor einer WM denkt man automatisch zurück und es wird einem bewusst, dass die deutsche Mannschaft seither nichts mehr gewonnen hat“, gesteht Kathrin Blacha. „Das mache ich nicht nur von Platzierungen und Medaillen abhängig. Es fehlte nie viel, aber es scheint, dass es in den letzten Jahren nicht gelungen ist, eine Turniermannschaft zu entwickeln, die im entscheidenden Moment ihre beste Leistung abruft.“

Die im fränkischen Zirndorf lebende 51-jährige Schwäbin traut der Auswahl des Deutschen Handballbundes durchaus zu, in Spanien den Bock umzustoßen. „Es ist immer was möglich. Ich finde es gut, dass junge Spielerinnen dazugekommen sind und das Team beleben.“ Für enorm wichtig hält die Sport- und Gymnastiklehrerin, dass sich eine Führungsspielerin herauskristallisiert, wie zu ihrer Zeit Grit Jurack. Ihre Karriere begann Kathrin Blacha beim TSV Benningen, wechselte in der Jugend nach Kornwestheim. Schon damals drehte sich zu Hause alles um den Handball. Das lag auch am aus Oßweil stammenden Weltklassespieler Martin Schwalb. Die Väter waren Arbeitskollegen, die Familien eng befreundet. Beim VfL Neckargartach avancierte die Kreisläuferin 1989 zur Bundesligaspielerin, war danach für den TV Lützellinden, Bayer Leverkusen, 1. FC Nürnberg und Thüringer HC am Ball. Dreimal wurde sie deutsche Meisterin, viermal Pokalsiegerin, einmal Europapokalsiegerin. Das erste ihrer 222 Länderspiele (435 Tore) absolvierte sie 1995 gegen Schweden. Zum Abschluss ihrer Karriere wurde Kathrin Blacha eine Auszeichnung zuteil, die es bisher nur für ganz wenige Handballerinnen gab: Der DHB ehrte sie mit einem offiziellen Abschiedsspiel.

Blacha war als Teammanagerin für die Nationalmannschaft aktiv und betreute ab 2009 die U19-Nationalmannschaft. Zu ihren Schützlingen zählte neben den aktuellen WM-Teilnehmerinnen Luisa Schulze und Marlene Kalf auch Kim Naidzinavicius, die ihre Länderspielkarriere nach der EM 2020 beendete. „Hätte es die SG BBM damals schon gegeben, wäre mein Weg wahrscheinlich etwas anders verlaufen“, glaubt die zweimalige „Handballerin des Jahres“ (2003, 2004). „Als ich in Leverkusen war, zog es mich zurück in den Süden. Es gab aber in der Stuttgarter Region keine geeignete Mannschaft. Die südlichste war Nürnberg. Das erwies sich aber als gute Entscheidung, wir konnten schöne Erfolge feiern.“

Blacha drückt fest die Daumen

Heimatverbunden ist Kathrin Blacha nach wie vor. „Ich bin häufig zu Hause in Benningen, um meine Eltern zu besuchen.“ Langweilig wird es ihr nicht. Zu den regelmäßigen Besuchen am Neckar kommt ihre Tätigkeit in der eigenen Praxis, zudem ist sie bei einem Sportverein für den Gesundheits-, Reha- und Breitensport zuständig. „Die Zeit, mir die WM-Spiele der deutschen Mannschaft anzuschauen, werde ich mir aber auf jeden Fall nehmen.“, sagt sie und drückt dem mit den vier Bietigheimerinnen Luisa Schulze, Xenia Smits, Antje Lauenroth und Julia Maidhof spielenden DHB-Team fest die Daumen: „Es wäre toll, nach so vielen Jahren endlich als Medaillengewinnerin, beerbt zu werden.“