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Spielklassenreform

HVW will Relegation eindämmen

Der Handballverband Württemberg will am 30. März eine Spielklassenreform beschließen. Dadurch soll die Relegation wegfallen und der Schiedsrichtermangel entschärft werden. Es soll eine eingleisige Topliga entstehen. Betroffene Klubs sind geteilter Meinung

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Ludwigsburg. Um die Probleme bei der Relegation und der Schiedsrichtereinteilung in den Griff zu bekommen, plant der Handballverband Württemberg eine Spielklassenreform. Die wichtigsten Fragen und Antworten sowie Reaktionen von Betroffenen:

Wie soll sich die Struktur verändern?

Bei den Männern und Frauen sollen die Württemberg-Liga Nord und Süd zu einer eingleisigen Klasse zusammengeführt werden. Zwischen der eingleisigen Württemberg Liga und den Landesligen ist eine zweigleisige Verbandsliga vorgesehen. Zudem sollen aus drei Landesligen vier werden und die Mannschaftsstärke verändert werden (siehe Grafik). Das teilte der Verband mit. Beschlossen werden soll das Vorhaben auf der Präsidiumssitzung am 30. März.

Was soll die Reform bezwecken?

„Der Auslöser war der Wunsch im Präsidium, die Relegationen zu vereinfachen. In der Diskussion ist uns relativ schnell klar geworden, dass es mit der alten Pyramide nicht funktioniert“, sagt Michael Roll, der im Präsidium des HVW für das Ressort Spieltechnik verantwortlich ist. Nach bisherigem Modell gibt es oft Unklarheiten, was die Relegation angeht. Vor allem, weil unter den zwei Württemberg-Ligen drei Landesligen stehen und dann acht Bezirksligen kommen. Relegationsspiele können erst angesetzt werden, nachdem klar ist, welche Absteiger, welcher Liga zugeordnet werden. Durch die neue 1-2-4-8-Struktur soll die Zuordnung planbarer und einfacher werden. Im Idealfall soll es gar keine Relegation mehr geben.

War die Relegation der einzige Grund für die Veränderungen?

Nein, der Verband will dadurch auch auf den laut eigenen Angaben zunehmenden Schiedsrichtermangel reagieren. Nach neuem Modell gebe es rund 200 Spiele weniger. Das hilft zwar nicht bei der Gewinnung neuer Schiedsrichter, entspannt aber die Situation.

Wurden die Vereine bei der Entwicklung der neuen Struktur einbezogen?

Ja. Laut Angaben des HVW wurde das Modell bereits Ende August vergangenen Jahres fertiggestellt. Zwischen September und Ende November sei das Konzept allen 370 Mitgliedsvereinen vorgestellt worden. Nach Rückmeldungen aus den Vereinen sei der Vorschlag nochmal überarbeitet worden.

Wer würde sich für die neue Württemberg-Liga qualifizieren?

„Wir machen die ganzen Regularien erst, wenn das Ding beschlossen ist und wir wissen, wie viele Mannschaften wir überhaupt haben“, sagt Roll.

Sprich: Frühestens nach dem letzten Spieltag der aktuellen Spielzeit wird feststehen, mit welcher Platzierung man sich für die Ligen der möglichen neuen Struktur qualifizieren könnte. Das geplante neue Modell soll dann ab der Saison 2020/21 greifen.

Was sagen betroffene Vereine aus dem Bezirk Enz/Murr?

„Grundsätzlich finde ich, dass man eine Klasse einschiebt, positiv. Besonders für die Vereine, die das finanzielle Niveau der Württemberg-Liga nicht ganz stemmen können“, sagt Jörg Kaaden, Trainer des Landesligisten TSF Ditzingen. Dreimal sind die Ditzinger in den vergangenen Jahren in die Württemberg-Liga aufgestiegen und gleich wieder ab. Dem TV Mundelsheim ging es bei seinen zwei Aufstiegen ähnlich.

Gerade für solche Teams könnte eine Zwischenliga die ideale Spielklasse sein. „Ziel muss es sein, sich für die Verbandsliga zu qualifizieren. Das wird aber von der Aufstiegsregelung abhängen“, blickt Kaaden voraus. Nicht gerade begeistert ist der Trainer von der geplanten Landesliga-Einteilung: „Ich finde, zwölf Teams in der Verbandsliga sind schon grenzwertig.“

Sein Kollege Sven Kaiser vom Ligarivalen TSV Bönnigheim sieht das ähnlich: „Ich würde es bedauern, weil auf ein ganzes Jahr gesehen, sind das recht wenig Pflichtspiele. Das finde ich als leidenschaftlicher Handballer schade.“ Aber Kaiser hat auch Verständnis: „Auch wir haben die Auswirkungen der Schiedsrichterproblematik erlebt, als nur ein Schiedsrichter da war.“

Und ein bisschen freut sich Kaiser sogar schon darauf, sollte die Reform beschlossen werden: „Für uns ist es natürlich interessant, weil dann die nächste Saison sehr spannend wird. Ich könnte mir vorstellen, dass es dadurch zunächst eine ziemliche Durchmischung geben wird und wenn man zur richtigen Zeit am richtigen Fleck steht, könnte es durchaus Vorteile haben.“

„Was ich positiv finde, ist, dass die Thematik mit dem Aufstieg deutlicher geregelt ist“, sagt Olaf Iglesias, der für die Handballerinnen der HB Ludwigsburg in der Württemberg-Liga als Vorstand verantwortlich ist.

Er übt aber auch Kritik: „Die Argumentation Schiedsrichter zu sparen gilt nur für die HVW-Ebene. Das Problem wird verlagert runter auf die Bezirke.“

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