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Lotto-cup

Marathon mit vielen Stolpersteinen

Beim Lotto-Cup des SV Oßweil holte sich mit der SG BBM Bietigheim der Topfavorit den Turniersieg. Im Finale des zweitägigen Handball-Marathons leistete Bundesligarivale HSG Bad Wildungen großen Widerstand.

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Starker Einstand: Karolina Kudlacz-Gloc (links) von der SG BBM im Finale gegen Tamara Haggerty (HSG). Fotos: Baumann

Ludwigsburg. Hätten die Nordhessen nicht in letzter Sekunde beim Stand von 10:9 einen Siebenmeter vergeben, wäre sogar eine Verlängerung fällig gewesen. Bad Wildungen hatte mit Manuela Brütsch eine vorzügliche Torhüterin. Die Schweizerin vereitelte in den ersten zehn Minuten sechs hundertprozentige Chancen der SG. So blieben die Vipers immer in Schlagdistanz.

Fie Wollers Toren zum 6:3, 7:4 und 8:5 setzte Bad Wildungen jeweils eigene Treffer entgegen. Als dann Karolina Kudlacz-Gloc, die überraschend ihre BBM-Premiere feierte, das 9:7 warf, schien Bietigheim den Lotto-Cup sicher zu haben. Doch die Holländerinnen Anouk Nieuwenweg und Miranda Schmidt-Robben schafften noch das 9:9.

30 Sekunden vor dem Abpfiff sorgte eine Co-Produktion der Woller-Zwillinge für den BBM-Siegtreffer. Cecilie bereitete vor, Fie traf zum 10:9. Vipers-Trainerin Tessa Bremmer nahm ihre Torhüterin heraus und mit sieben Feldspielerinnen erkämpfte sich die HSG in letzter Sekunde ein Siebenmeter. Nun zog SG-Trainer Martin Albertsen seinen Joker. Für die gut haltende Valentyna Salamakha wechselte er Carolin Roth ein. Die meisterte den Strafwurf von Anouk Nieuwenweg und wurde zur Matchwinnerin.

Aus vier Ländern waren 19 Teams nach Ludwigsburg gereist. Die Überraschung des ersten Tages war die neu gegründete FSG Waiblingen/Korb. Die „Tigers“ aus dem Remstal, gerade in die 2. Bundesliga aufgestiegen, brachten das Kunststück fertig, in der Vorrunde mit Bensheim-Auerbach (16:12) und Neckarsulm (14:11) gleich zwei Teams aus der 1. Bundesliga zu schlagen und vor den Unterländerinnen Sieger der Gruppe C zu werden. In den anderen drei Vorrundengruppen setzten sich mit Bietigheim und Ketsch (Gruppe A), Bad Wildungen und Nellingen (Gr. B) sowie Leverkusen und Zwickau (Gr. D), die Favoriten durch.

Dramatisch verliefen die beiden Finalrunden mit den besten acht Teams. Zwar holte sich Bietigheim in seiner Gruppe souverän Platz eins, doch zur Entscheidung um Platz zwei musste der Rechenschieber ausgepackt werden, da Bad Wildungen und Ketsch beide 3:3 Punkte hatten. Der direkte Vergleich endete unentschieden, bei der Tordifferenz hatten beide einen Wert von plus zwei. Am Ende entschied die Zahl der insgesamt erzielten Tore knapp für die Vipers aus Nordhessen.

In der Parallelgruppe machte Neckarsulm einen besseren Eindruck als in der Vorrunde und holte sich den ersten Platz. Bei jeweils 3:3 Punkten hatte Leverkusen gegenüber Zwickau das bessere Ende für sich und zog ebenfalls ins Halbfinale ein.

Bietigheim bekam es im Halbfinale mit Bayer Leverkusen zu tun. Zwei Wochen vor dem Bundesligaspiel dieser beiden Teams in der MHP-Arena war die SG klar überlegen und siegte 17:12. Knapper ging es im zweiten Halbfinale zu. Bad Wildungen hatte im Duell zweier Erstligisten den längeren Atem und gewann im Endspurt 16:14 gegen Neckarsulm.

Die beiden Halbfinalverlierer machten den 3. Platz im Siebenmeterwerfen aus. Neckarsulm hatte die besseren Karten und wurde Dritter. Nach dem Siebenmeterwerfen bildeten Sieger und Verlierer einen großen Kreis, hüpften durch die Halle und skandierten „Feierabend, Feierabend!“. Den hatten sich beide Teams auch verdient. Die acht Turnierspiele bei hohen Temperaturen gingen an die Substanz.

Die Überraschung des zweitägigen Handball-Marathons in den Sporthallen Alleenstraße und Innenstadt-Sporthalle war der erste Auftritt von Karolina Kudlacz-Gloc im BBM-Trikot. Die aus Leipzig gekommene, polnische Nationalspielerin hatte erst vor wenigen Wochen Sohn Jakub geboren. Kaum zu glauben, dass sie beim Lotto-Cup schon wieder auf dem Feld stand. „Das kam auch für mich unerwartet“, meinte die stolze Mama nach dem Finale, „vor zwei, drei Tagen hatte ich noch nicht daran gedacht, hier zu spielen. Aber es ging sehr gut.“ Ihr Einsatz zwar für die SG wichtig. Mit zwei starken Einzelaktionen holte sie wichtige Siebenmeter heraus, das Tor zum 9:7 erzielte sie selbst.