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Tour de France
Beschleunigen in Paris, entschleunigen im Ländle: Alexander Krieger blickt auf Tour de France zurück

Prestigeträchtiger Erfolg am letzten Tour-Tag: Jasper Philipsen vom Team Alpecin-Deceuninck jubelt im Ziel von Paris. Foto: Daniel Cole/dpa
Prestigeträchtiger Erfolg am letzten Tour-Tag: Jasper Philipsen vom Team Alpecin-Deceuninck jubelt im Ziel von Paris. Foto: Daniel Cole/dpa
Alexander Krieger
Alexander Krieger
Radprofi Alexander Krieger hat die Tour der France überstanden. Zeit für den 30-Jährigen, nun endlich auf die Bremse zu treten.

Paris/Ludwigsburg. Drei Wochen lang hat sich für Alexander Krieger bei der Tour de France nahezu alles um das Beschleunigen gedreht. Als Anfahrer für den Sprintstar Jasper Philipsen war es auf den Flachetappen die Aufgabe des 30 Jahre alten Radprofis aus Vaihingen/Enz, seinen belgischen Teamkollegen aus der Alpecin-Deceuninck-Mannschaft in Position für die turbulenten Sprint-Ankünfte zu bringen. Seit Sonntag ist die Tour nun vorbei. Zeit für Krieger, auf die Bremse zu treten: „Entschleunigen“, atmet er auf die Frage nach den Plänen für die nächsten Tage durch. „Ich war seit Mitte April nur eine Woche zuhause. Ich möchte jetzt einfach versuchen, in ein normales Leben zurückzukehren“, sagt er über die anstehende Zeit im Ländle. Dort wird er am Mittwoch von seinem Heimatverein RSC Komet Ludwigsburg empfangen.

Zuvor blickt er aber zurück auf 21 knallharte Tour-Etappen. In Dänemark ging es am 1. Juli los. Es folgten wilde Rennen wie über das Kopfsteinpflaster zwischen Lille und Arenberg, Bergankünfte in den Alpen und Pyrenäen sowie letztlich die Zielankunft auf der Champs-Élysées in Paris. Neuland für Tour-Debütant Krieger. „Vielleicht wird es eine Hassliebe“, lacht er: „Es war ultra hart und zäh, hat aber auch Spaß gemacht.“

Das Beste kommt zum Schluss

Dabei sparte sein belgischer Rennstall den teaminternen Höhepunkt für den Schlussakkord der Tour auf. In Paris jubelte, wie bereits nach der 15. Etappe in Carcassonne, Sprint-Star Philipsen. Das war auch Kriegers Verdienst. Als Anfahrer war er früh an der Spitze des Pelotons, ehe Philipsen für die letzten Meter auf sich alleine gestellt war. „Es wird eine Weile dauern, bis ich das realisiert habe. Ich bin super glücklich und stolz, hier gewonnen zu haben. Das Ende war unglaublich“, frohlockte Philipsen in Paris: „Es ist ideal gelaufen. Ich war in einer großartigen Position.“ Haargenau so hatte es sich Krieger allerdings nicht vorgenommen. „Es gab ein paar Sachen, die nicht nach Plan liefen. Aber die Champs-Élysées ist schwer zu planen.“

Abgesehen vom turbulenten und zuvor extrem temporeichen Schlusspunkt der Tour lief die Frankreichrundfahrt in vielerlei Hinsicht allerdings so, wie es das Team Alpecin-Deceuninck kalkuliert hatte. Zwar fiel mit Mathieu van der Poel der Team-Kapitän während der elften Etappe aus, nachdem er zuvor bereits moniert hatte, er sei nur ein Schatten seiner selbst. Doch der Rest der Tour war sehr nah am Optimum für den Rennstall. „Wir versuchen, in den Bergetappen so kraftsparend wie möglich ins Ziel zu kommen. Das bedeutet, auch große Rückstände in Kauf zu nehmen, weil wir haben da nichts zu gewinnen. Ob wir mit zehn Minuten, 20 oder 30 Minuten Rückstand ins Ziel kommen, ändert für uns nichts“, hatte Krieger gegenüber unserer Zeitung gesagt.

„Ich würde gerne wieder kommen“

Jene Etappen in den Alpen auf den Col du Granon und am Folgetag auf den gefürchteten Alpe d‘Huez bezeichnet auch Krieger als die härtesten der Tour. Doch insgesamt zieht er ein positives Fazit. „Zufrieden“, sagt er etwas wortkarg, um auszuführen: „Wir hätten mindestens eine Etappe mehr gewinnen können. Aber es war schon ein Riesenerfolg, überhaupt zur Tour zu kommen.“

War die erste aber womöglich auch seine letzte Tour? Nicht, wenn es nach Krieger geht. „Ich würde gerne wieder kommen“, sagt er trotz all der Strapazen.