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Interview

Bietigheimer Leonardo di Stefano Ruiz: „Ich will Boxweltmeister werden“

Leonardo Di Stefano Ruiz ist ein spanisch-italienischer Profiboxer, der bereits mit 13 Jahren bei der Kampfsportakademie in Ludwigsburg anheuerte und seit seinem 16. Lebensjahr bei Alexander Geier im MBC Ludwigsburg trainiert. Der 26-Jährige, der in Ludwigsburg geboren wurde und heute mit Ehefrau Isabel und dem zweijährigen Sohn Raúl in Bietigheim lebt, ist auf bestem Weg, ein Champion zu werden.

Mit 26 Jahren hat der Ludwigsburger Leonardo Di Stefano Ruiz eine beeindruckende Kampfbilanz. Foto: DSR Boxing
Mit 26 Jahren hat der Ludwigsburger Leonardo Di Stefano Ruiz eine beeindruckende Kampfbilanz. Foto: DSR Boxing

Ludwigsburg/Bietigheim-Bissingen.. Leonardo Di Stefano Ruiz kann mit vier K.-o.-Siegen aus allen vier Profikämpfen, die er in Mexiko und in den USA bestritt, auf ein erfolgreiches Jahr 2021 zurückblicken. Der 26-jährige Boxer mit dem schwarzen Stierkopf-Tattoo auf der Brust, den sie auch„El El Niño“ (Der Wirbelsturm) nennen, spricht über seine ersten Erfahrungen in Mexiko, seinen schwersten Kampf und über sein Ziel, bald Weltmeister im Weltergewicht bis 66,7 kg zu werden.

Leonardo, ein vollgepacktes Jahr mit internationalen Kämpfen in Mexiko und in den USA geht für Sie vorbei. Wie blicken Sie auf das Jahr 2021 zurück?

Leonardo Di Stefano Ruiz: Ich habe Mitte Februar die Boxkoffer gepackt und bin von Frankfurt aus nach Tijuana, eine der gefährlichsten Städte der Welt, geflogen. Ich wurde zuvor vom renommierten mexikanischen Boxpromoter Luis Alberto Muratalla in den sozialen Netzwerken entdeckt. Er schrieb mich an, ob ich einen Fight als Herausforderer in Mexiko suche. Es war für mich Alles oder Nichts. Muratalla und mein damaliger Trainer Ruben Garcia waren am Anfang natürlich skeptisch, als ich ankam, weil ich für sie der verwöhnte Europäer in ihrer dritten Welt war. Ich hatte eine Woche Zeit, mich für meinen ersten internationalen Profikampf in Tijuana gegen Lokalmatador Erick Oseguera, der ein harter Draufgänger war, vorzubereiten. Durch meinen K.-o.-Sieg habe ich gezeigt, was in mir steckt.

Die Reaktion beim Promoter Muratalla fiel entsprechend positiv aus?

Muratalla und Coach Garcia haben mich nach dem K.-o.-Sieg gegen Oseguera wie ein Familienmitglied aufgenommen. Die Bewohner von Rosarito, wo ich untergebracht war, haben mich auf der Straße unter mexikanischer Volksmusik wie einen Helden gefeiert. Das hat mich für meinen nächsten Kampf im Superweltergewicht bis 69,8 kg gegen Adan Caro Gutierrez in Tijuana einen Monat später motiviert. Auch Adan habe ich mit einem Faustschlag auf die Bretter geschickt. Dann nach einem Monat in Bietigheim, erfuhr ich, dass mein Trainer Garcia erschossen wurde. Er war angeblich in kriminelle Kreise verwickelt.

Unter diesen Bedingungen gingen Sie Ihren dritten Profikampf in Tijuana gegen Fernando Silva, einer der besten Weltergewichtsboxer auf dem amerikanischen Kontinent, an.

Ich war damals unter den 400 besten Boxern weltweit in Weltergewicht bis 66,7 kg. Silva zählte zu den besten 130 Welterboxern. Einen Monat vor den Kampf habe ich täglich Schattenboxen gemacht und bin mehrere Kilometer auf den heißen Asphalt in Rosarito gejoggt. Dann kam der Showdown. Zehn Runden musste ich überstehen. Es war die Hölle. Ich war überrascht, als ich in der achten Runde plötzlich meinen besser platzierten Gegner k.o. schlug. Das hat mich motiviert, dass ich oben mitspielen kann. Mein vierter K.-o.-Sieg im Weltergewicht danach, gegen den erfahrenen Mexikaner Alan Herrera vor dem Vier-Sterne Marriott-Hotel in Downtown Philadelphia Anfang Dezember, war mein persönliches Highlight.

Welche Aufopferungen mussten Sie während dieser Zeit auf sich nehmen?

Ich habe die Taufe meines Sohnes Raul, seinen zweiten Geburtstag und seine ersten Worte, die er aussprach, verpasst. Sehen konnte ich ihn und meine Ehefrau Isabel nur über Videoanrufe. Das war schwer für mich. Andererseits hat mich das vor dem Kämpfen motiviert. Mein zweieinhalbjähriger Sohn verteilt mittlerweile meine Autogrammkarten im Kindergarten und verfolgt meine Kämpfe vor dem Fernsehen. Ihm gefällt das Boxen offenbar sehr.

Welche Rolle spielt die Familie bei Ihren bisherigen Erfolgen?

Meine Familie ist der Grund, warum ich jetzt zu den 71 weltbesten Boxkämpfern im Weltergewicht gehöre. Vor drei Jahren stand ich als Amateurboxer vor einer wichtigen Lebensentscheidung: Entweder boxen oder fest angestellt arbeiten. Doch ich wollte unbedingt meine Frau Isabel und meinen Sohn Raul, der damals auf die Welt kommen sollte, mit meinem Talent überzeugen und sie als Profiboxer versorgen. Mit harter Arbeit habe ich dann gezeigt, dass man alles erreichen kann. Meine Frau stand mir immer zur Seite. Auch mein Trainer Alexander Geier, der mich seit acht Jahren im MBC Ludwigsburg trainiert, hatte immer an mich geglaubt.

Was ist Ihr Ziel für 2022 und die Jahre danach?

Am 18. Februar bestreite ich als Herausforderer meinen zweiten USA-Kampf in der Basketball-Arena von Cleveland (Ohio). Der Gegner steht noch nicht fest. Drei weitere Profikämpfe sind im nächsten Jahr geplant. Ich will in Zukunft Boxweltmeister im Weltergewicht werden. Da ich mit meinen 26 Jahren noch zu den jüngsten Boxern in meiner Kategorie weltweit gehöre, habe ich noch für den Titelkampf Zeit. Zudem erwarte ich mit meiner Frau Mitte April die Geburt unserer Tochter Rosalia.

Wenn Sie das Jahr in zwei Worten zusammenfassen könnten?

Erfolgreich und hart. Ich habe mich als Mensch verändert, weil ich durch die Armut in den Straßen Tijuanas gesehen habe, wie anders das Leben sein kann. Ich habe den Eindruck, dass wir Europäer keinen Respekt vor dem haben, was wir besitzen. Wir geben mehrere Hundert Euro für eine Handtasche aus, während die Menschen in Tijuana täglich ums Überleben kämpfen.

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