Logo

Leichtathletik

Coach besucht Talente zum Training

Sport an der frischen Luft ist unter Beachtung der Abstandsregel auch während der Ausgangsbeschränkung gestattet. Stadtverbandsjugendtrainer Marko Lindner fährt während der Coronakrise deshalb zu seinen Leichtathleten und leitet das Training vor deren Haustür.

Immer zwei Meter Abstand halten: Stadtverbandstrainer Marko Lindner (vorne) versucht, unter Beachtung der Corona-Regeln, den Trainingsbetrieb aufrechtzuerhalten, hier mit Adrian Holzwarth in Schwieberdingen. Foto: privat
Immer zwei Meter Abstand halten: Stadtverbandstrainer Marko Lindner (vorne) versucht, unter Beachtung der Corona-Regeln, den Trainingsbetrieb aufrechtzuerhalten, hier mit Adrian Holzwarth in Schwieberdingen. Foto: privat

Ludwigsburg. Auch für Athleten ist die Coronakrise nicht einfach. Sportanlagen sind geschlossen, Wettkämpfe abgesagt. An Normalität ist nicht zu denken. Trotzdem versucht Marko Lindner, das Beste aus der Situation zu machen. „Ich bin jetzt ein fahrender Trainer“, sagt der Ludwigsburger Stadtverbandsjugendtrainer für Leichtathletik.

Zwischenmenschliches aufrechterhalten

Der 48-Jährige fährt jeden Tag zu zwei seiner zehn Athleten der Talent-Trainingsgruppe des LAZ Ludwigsburg und absolviert in der Umgebung des Wohnortes ein Einzeltraining mit den jeweiligen Sportlern. Dafür packt er Koordinationsleiter, Hürden und anderes nützliches Material in sein Auto und fährt bei den Athleten vor. „Ich finde, dass wir Trainer jetzt die wichtige Aufgabe haben, das Zwischenmenschliche aufrechtzuerhalten“, erklärt Lindner. Diese Art der Trainingsarbeit habe durchaus ihre positiven Seiten. „Man sieht, in welcher Umgebung die Athleten wohnen, und kommt an echt coole Orte, die ich auch noch nicht kannte, obwohl ich seit 20 Jahren hier lebe.“

Mit U 23-Sprinterin Antonia Pflüger trainierte er zum Beispiel in Marbach auf der Aussichtsplattform oberhalb des Krankenhauses und genoss dabei den weiten Blick auf die Weinberge und das Neckartal. „Wir hatten Glück mit dem Wetter, das macht sehr viel Spaß“, sagt der gebürtige Brandenburger, der mit seinen Schützlingen auf Waldwegen oder Parkplätzen einfache Übungen macht, vor allem für die Koordination. „Da gehen Trainer und Athlet neu motiviert nach dem Training nach Hause.“

Am Dienstagnachmittag absolvierte Lindner mit U 18-Mittelstreckenass Kurt Lauer ein Hindernistraining am Römerhügel, auch die U 18-Sprinter Adrian Holzwarth und Lucas Steichele profitieren vom Einzeltraining. „Da entwickelt man im Einzeltraining noch einmal eine andere Beziehung, der Athlet bekommt mehr Aufmerksamkeit“, erklärt Lindner. Eine Dauerlösung stellt die ungewöhnliche Maßnahme für den Coach aber nicht dar: „Vier, fünf Wochen ist das sicher mal ganz schön, aber letztendlich können wir die technischen Inhalte im Detail nur auf der Bahn oder den entsprechenden Anlagen machen.“

Deshalb hofft der Diplom-Sportlehrer zeitnah auf erste Schritte zurück in die Normalität. Ein Vorteil sei, dass Leichtathleten im Freien trainieren und gut Abstand halten könnten, sagt Lindner. Zumindest die Bundeskader-Athleten könnten laut Lindner unter die Sondererlaubnis der Landesregierung für Profisportler fallen. Auch die Wettkampfsaison hat er noch nicht abgeschrieben: „In anderen Sportarten sind alle Saisonhighlights verpufft und die Früchte konnten nicht geerntet werden. Das ist schade. Wir haben die Hoffnung auf Wettkämpfe im Spätsommer.“

Autor: