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Sportschießen

Der Coup: Schützengilde deutscher Meister

Erstmals in der Geschichte der Luftpistole-Bundesliga hat sich die Schützengilde Ludwigsburg den deutschen Meistertitel gesichert. Im Finale in Paderborn setzte sich die Mannschaft sensationell mit 4:1 gegen die Braunschweiger SG durch.

Grenzenloser Jubel: Die SGi Ludwigsburg präsentiert ihre Medaillen. Foto: Lisa Haensch
Grenzenloser Jubel: Die SGi Ludwigsburg präsentiert ihre Medaillen. Foto: Lisa Haensch

Paderborn/Ludwigsburg. Die Bundesliga der besten deutschen Luftpistolenmannschaften wurde im Jahr 1996 eingeführt. Seitdem gehört die SGi Ludwigsburg der Eliteklasse an. Als beste Ergebnisse stehen in all den Jahren eine Vizemeisterschaft und vier dritte Plätze zu Buche. Gestern glückte völlig unverhofft der Gold-Coup. „Das ist eine Wahnsinnsmannschaft. Wir lassen es jetzt krachen“, jubelte René Potteck bei sportdeutschenland.tv.

Die als Südzweiter nach Paderborn gereisten Schwaben erwischten ein Play-off-Wochenende wie aus dem Bilderbuch – 5:0 im Viertelfinale gegen die Sportschützen Raesfeld, im Halbfinale ein erstaunliches 3:2 gegen Titelverteidiger SV Kriftel und schließlich ein 4:1 im Finale gegen die Braunschweiger. Das deutliche Resultat im Duell mit den Niedersachsen täuscht über den nervenaufreibenden Verlauf der 50 Minuten mit 40 Schüssen für jeden der zehn Teilnehmer hinweg.

Ludwigsburgs Trainer Franz Roth gab seinen Schützlingen im ohrenbetäubenden Lärm der 500 Zuschauer im Sportzentrum Maspernplatz mit auf den Weg, sich auf die eigenen vier Zehnerserien zu konzentrieren. Gegen Raesfeld, erstmals bei einer Endrunde vertreten, sammelten Zorana Arunovic (378:373), Kevin Venta (383:379), Florian Brunner (375:370), Julia Hochmuth (366:358) und René Potteck (371:362) souverän alle Zähler ein.

Da die französische Weltklasseschützin Céline Goberville verhindert war, zog Team-Managerin Kathrin Hochmuth das nächste Ass aus dem Ärmel. Die Kroatin Arunovic, Welt- und Europameisterin mit der Luftpistole, wurde für die Ausländerposition eingeflogen. Ein wichtiges Mosaiksteinchen in der personellen Planung der SGi-Verantwortlichen ist die doppelte Staatsbürgerschaft, die der aus Slowenien stammende Kevin Venta seit 1. Januar besitzt. Damit fällt er nicht mehr unter das Ausländerkontingent und schießt mit deutschem Startpass für die SGi.

Um im Halbfinale Kriftel aus dem Rennen zu werfen, musste Ludwigsburg auf den Positionen 1, 2 und 3 punkten – ein schier unmögliches Unterfangen. Doch genauso kam es. Arunovic raubte Olympiasieger Christian Reitz den Nerv (385:381), Venta zog Matthias Putzmann mit 381:375 den Zahn und auch Florian Brunner traf wie ein Uhrwerk (383:374 gegen Dominik Sänger). Hochmuth (371:376 gegen Beat Bartkow-Kwiatkowska) und Potteck (367:374 gegen Aaron Sauter) mussten sich geschlagen geben.

Finalgegner Braunschweig, der nach Bronze 2017 und Silber 2018 mit Macht Gold anstrebte, hatte im Halbfinale den Süd-Ersten SV Waldkirch mit 3:2 ausgeschaltet. „Zwölf Uhr mittags“ – so spannend wie der Westernklassiker verlief gestern der Kampf um den deutschen Meistertitel. Da Julia Hochmuth schnell ins Hintertreffen geriet (375:379 gegen Michael Bittner), erhöhte sich der Druck auf ihre Teamkollegen.

Mit einer 99 in der dritten Zehnerserie versetzte Arunovic dem Ukrainer Oleg Omelchuk beim 385:383 den entscheidenden Knacks. Den zweiten Punkt nahm Venta problemlos Patrick Meyer ab (386:371). Und als Potteck auf Position 5 mit einer konstanten Vorstellung dem Braunschweiger Marco Angermann-Günzel mit 371:369 das Nachsehen gab, durften die Ludwigsburger jubeln. Beim letzten Schuss benötigte Potteck eine Sechs, mit zitternder Hand schaffte er die Sieben. Die Anspannung fiel ab, auch Brunner gewann sein Duell mit Andreas Heise (376:373) – das unglaubliche 4:1 war perfekt. Das Freudengeheul, auch bei der Siegerehrung, wollte kein Ende nehmen.

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