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Leichtathletik-WM
Elisa Lechleitner vom LAZ Ludwigsburg auf dem Weg zur Leichtathletik WM in Oregon

Elisa Lechleitner bei der DM in Berlin gegen die Leverkusenerin Judith Franzen (rechts): „Nach hinten raus etwas schneller“. Foto: Ralf Görlitz
Elisa Lechleitner bei der DM in Berlin gegen die Leverkusenerin Judith Franzen (rechts): „Nach hinten raus etwas schneller“. Foto: Ralf Görlitz
Den 26. Juni diesen Jahres wird Elisa Lechleitner so schnell nicht vergessen. Im 400-Meter-Endlauf der deutschen Meisterschaft sicherte sich die Sprinterin des LAZ Ludwigsburg im Berliner Olympiastadion den vierten Platz. Der Lohn flatterte der 23-Jährigen eine Woche später ins Haus: Elisa Lechleitner darf mit zur Leichtathletik-WM, die an diesem Freitag in Eugene/Oregon (USA) beginnt.

Ludwigsburg. In 52,53 Sekunden pulverisierte die LAZ-Athletin in Berlin nicht nur ihre eigene Bestmarke von 53,13 Sekunden, die Lehramtsstudentin für Mathematik und Sport katapultierte sich mit dieser Fabelzeit auch endgültig in die Phalanx der deutschen Elite-Läuferinnen. Hinter der neuen deutschen Meisterin Corinna Schwab aus Chemnitz (51,61 Sekunden), der Leverkusenerin Judith Franzen (52,27) und der in den sozialen Medien umschwärmten Influencerin Alica Schmidt aus Berlin (52,42) schrammte Lechleitner nur um elf Hundertstelsekunden an der Bronzemedaille vorbei.

„Ich habe mich wahnsinnig über die Nominierung gefreut, das ist eine tolle Geschichte“, ist Lechleitner noch kurz vor dem Start ins WM-Abenteuer überrascht und zugleich voller Vorfreude. Während sich der Großteil der 80 vom Deutschen Leichtathletikverband (DLV) entsandten Sportlerinnen und Sportler bereits auf den Weg nach Oregon gemacht hat, trainierte Lechleitner am Montag noch fleißig am Olympiastützpunkt in Stuttgart.

„Am Donnerstag geht es mit dem Team im Flieger von Frankfurt aus los, wir haben ja auch in Eugene noch viel Zeit, uns im gemeinsamen Camp auf den Wettkampf vorzubereiten“, sagt sie. Traditionell steht die 4x400 Meter Staffel, für die sie sich mit den drei DM-Medaillengewinnerinnen empfohlen hat, erst am Ende der Titelkämpfe. Die Vorläufe sind am Samstag, 23. Juli, der Endlauf als krönender Abschluss der WM am Sonntag darauf: Abends um 19.50 Uhr Ortszeit, in Deutschland ist dann bereits Montag (MEZ 4.35 Uhr).

Weg gekennzeichnet von Verletzungen

Der Werdegang von Elisa Lechleitner ist gekennzeichnet von vielen Verletzungen. Ihre bisherige Laufbahn zeigt aber auch, welch riesiges und vielseitiges Talent in der heute 23-Jährigen, die aus Lorch im Remstal stammt, steckt: Bis zum Jahr 2014 startete Lechleitner für die LG Staufen; unzählige Titel in unterschiedlichen Disziplinen sammelte sie auf Kreis- und Regionalebene. Ob Hürdenlauf, Mehrkampf, 200 oder 400 Meter: Nicht weniger als 16 württembergische Meisterschaften stehen in der Trophäensammlung der trotz ihrer Jugend schon außerordentlich erfahrenen Leichtathletin. Der eigentliche Durchbruch gelang Elisa Lechleitner mit dem Wechsel zum LAZ Ludwigsburg, wo sie sich im Jahr 2015 dem SKV Eglosheim anschloss. Seit Beginn dieses Jahres geht es eigentlich nur noch steil bergauf, die Zeiten in ihrer Spezialdisziplin werden immer schneller: Deutsche Hochschulmeisterin über 400 Meter, Meeting-Rekord bei der Kurpfalz-Gala in Weinheim und zuletzt sogar der erste Start in der zweiten Nationalstaffel über 4x400 Meter beim Sportfest in Regensburg.

„In Ludwigsburg fühle ich mich wohl, der Verein kümmert sich sehr um seine Athleten und die Kommunikation klappt ausgezeichnet“, sagt die U 23-Kaderathletin des DLV, für die das LAZ zu einer echten „Heimstatt“ geworden ist. Auch Marko Lindner, LAZ-Coach und Stadtverbandstrainer, begleitet Elisa Lechleitner mit großer Aufmerksamkeit. Schließlich ist sie die erste Leichtathletin überhaupt, die die Ludwigsburger Farben bei einer Weltmeisterschaft vertritt. „Elisa hat einen eisernen Willen und sie hat sich die Teilnahme an der WM absolut verdient“, so Lindner.

Von der Mehrkämpferin zur 400 Meter-Spezialistin

Was die einstige Mehrkämpferin an der anspruchsvollen 400-Meterdistanz besonders reizt, kann sie selbst nicht wirklich erklären. „Es ist halt die längste Sprintdistanz und nicht so schnell vorbei wie die 100 Meter“, scherzt sie mit Blick auf die Stadionrunde, die den Athleten alles abverlangt: Komplexe Fähigkeiten wie Kraft und Ausdauer über die gesamte Bahnrunde sind ebenso Voraussetzung wie eine möglichst effiziente Lauftechnik und eine optimale anaerobe Energieversorgung. Taktische Winkelzüge gebe es kaum, sagt Elisa Lechleitner, die sich sowohl in den Kurven als auch auf der Geraden gut zurechtfindet. „Nur nach hinten raus könnte es etwas schneller gehen“, sieht sie ihre Schwäche eher im Schlussspurt. Auf welcher Position sie denn in der Staffel am liebsten laufen würde? „Das muss der Bundestrainer entscheiden“, ist sie in dieser Hinsicht keineswegs wählerisch.

Berufliche Zukunft fest im Visier

Mit gerade 23 Jahren steht Elisa Lechleitner eigentlich am Anfang einer möglicherweise großen Karriere als sprintende Leichtathletin. Getragen von den jüngsten Erfolgen, konzentriert sie sich seit einiger Zeit hauptsächlich auf ihren Sport. Ihr Studium an der Uni Stuttgart will sie nach zehn Semestern deswegen aber nicht schleifen lassen. „Ich benötige schließlich ein zweites Standbein“, weiß sie und hat die berufliche Zukunft fest im Visier: Sie möchte später als Mathe- und Sportlehrerin am Gymnasium unterrichten – davor aber liebend gerne ihren zahlreichen Trophäen weitere internationale Meriten hinzufügen.