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Boxen

Fäuste fliegen, bis das Blut fließt

Kurz vor Mitternacht lieferten sich Vincent Feigenbutz (Karlsruhe) und Ryno Liebenberg eine spektakuläre Ringschlacht. Wegen eines tiefen Cuts an der Stirn des südafrikanischen Herausforderers brach der Referee den Kampf in der MHP-Arena in der sechsten Runde ab. Feigenbutz behält den Intercontinental-Titel der IBF im Supermittelgewicht.

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Ringrichter Bianco bricht den Kampf ab , Ryno Liebenberg ist voller Blut, Vincent Feigenbutz (l.) jubelt. Fotos: Baumann

Ludwigsburg. Fast 3000 Fans erlebten bei der Box-Gala in der MHP-Arena, die von Sport1 live übertragen wurde, zwei Titelgefechte mit atemberaubendem Tempo. Erst bezwang die 24-jährige Nina Meinke (Berlin) die bärenstarke Italienerin Vissia Trovata (35) einstimmig nach Punkten und sicherte sich die Interims-WM-Gürtel der Verbände WIBF und GBU. Dann ließen Feigenbutz (22) und Liebenberg sechs Runden lang Fuß an Fuß die Fäuste fliegen, bis Blut floss.

Während die Stirnwunde des 34-jährigen Südafrikaners im Krankenhaus versorgt werden musste, redete sich sein Trainer Colin Nathan in Rage. „Ich bin wütend, mein Boxer hat ein gebrochenes Herz“, stellte er den Kampfabbruch in Frage. Auch Liebenberg hatte das Ende des intensiven Schlagabtauschs nicht begreifen wollen.

Bis kurz vor Ablauf der 6. Runde stand das Duell auf des Messers Schneide. Am Rande des Rings sah Achim Böhme, Trainer beim MBC Ludwigsburg, den Südafrikaner knapp vorne. Sportanwalt Christoph Schickhardt (Ludwigsburg), der Feigenbutz‘ Interessen bei Vertragsverhandlungen vertritt, versicherte, dass auf den Zetteln der Punktrichter der Karlsruher geführt habe. Von solchen Rechenexempeln wollte der IBF-Intercontinental-Champion, der nun auch den bis Samstag vakanten GBU-Intercontinental-Titel sein eigen nennen darf, nichts wissen. „Ich habe ihm so zugesetzt, dass er verletzt war und ich gewonnen habe. Jetzt gönnt mir doch einfach mal den Sieg“, ging Vincent Feigenbutz in die Offensive. Für den unerschrockenen Fighter ohne Amateur-Vergangenheit war es der 28. Sieg im 30. Profikampf und ein weiterer Schritt hin zu einem WM-Kampf. Hinter den Kulissen wird gemunkelt, dass das schon im Sommer eintreten könnte.

Für Feigenbutz war es ein lehrreicher Abend. Auf die Schlagkraft seiner Rechten kann er sich normalerweise verlassen. „Die meisten fliegen um und der marschiert und marschiert“, wunderte er sich über Liebenbergs Nehmerqualitäten. Andererseits wurde auch der Karlsruher von den Pranken des südafrikanischen Löwen mehrfach durchgeschüttelt. Nach dem bestandenen Härtetest hob Feigenbutz die gute Zusammenarbeit mit seinem neuen Trainer Zoltan Lunka: „Step bei Step werden wir die Welt erobern.“

Der Coach lieferte ein klares Argument für die Berechtigung dess Abbruchs: „Das war ein richtiger Straßenkampf. Der ganze Ring war voll mit Blut.“ Manager Rainer Gottwald wollte nicht versäumen, den bisweilen unsauberen Kampfstil des Südafrikaners zu benennen. Promoter Wilfried Sauerland zollte beiden Kämpfern Anerkennung: „Da war Action drin für zwölf Runden.“

Voll des Lobes waren die Vertreter des Sauerland-Boxstalls auch über die Atmosphäre in der MHP-Arena. Der Geschäftsführer des Sauerland-Boxstalls, Frederick Ness, versicherte, dass er sich eine Neuauflage in Ludwigsburg gut vorstellen könne.