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Hockey

Ganz aufhören kann Helmut Schmidt noch nicht

Helmut Schmidt ist nicht mehr Co-Trainer beim HC Ludwigsburg. Eine Hüftoperation zwingt ihn, kürzerzutreten. Fern wird er seinem Herzensverein aber sicher nicht bleiben.

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Helmut Schmidt gilt als Urgestein des HC Ludwigsburg.Foto: Baumann

Ludwigsburg. „Helmut Schmidt verlässt nach 14 Jahren die 1. Herren des HCL“, lautete die Schlagzeile einer Pressemitteilung des Hockeyclub Ludwigsburg. Der HCL ohne Helmut Schmidt – das wäre für viele, die den Verein seit Jahren verfolgen, kaum vorstellbar. Umso überraschender wird wohl die Nachricht gekommen sein, dass das 60-jährige Urgestein die erste Mannschaft des HCL verlassen wird. „Das heißt aber nicht, dass ich nicht mehr dabei bin“, gibt Schmidt sofort Entwarnung. Auch die zweite künstliche Hüfte wird ihn nicht davor abhalten, mit dem Hockey-Zweitligisten zu Sportplätzen in ganz Deutschland zu reisen. „Bei Spielen werde ich mitfahren“, fügt er an.

Die gesundheitlichen Gründe sind dafür verantwortlich, dass der Kaufmännische Angestellte kürzertreten muss. Gerade erst ist er aus dem Krankenhaus entlassen worden. Sechs bis acht Wochen sei er außer Gefecht, „das war auch ein Grund für die Pause. Jetzt fängt die Vorbereitung an, da braucht Trainer Daniel Weißer einen Co-Trainer.“ Der steht mit Jens Fischer in den Startlöchern – und erhält auch von Schmidt lobende Worte: „Der hat Ahnung vom Hockey, da ist mir die Entscheidung leichter gefallen“, sagt er über Fischer, der als Spieler zweimal deutscher Meister wurde. Mit 17 kam Schmidt als Jugendnationalspieler vom VfB Stuttgart zum HCL. Dass er dem Verein so lange die Treue halten wird, war damals nicht abzusehen. „Das kann man vorher nie sagen, ich habe aber auch mal gewechselt, bin eine Saison zu den Stuttgarter Kickers gegangen, um Bundesliga zu spielen“, erzählt Schmidt von seiner Zeit bei den Ludwigsburgern. Sogar im Alter von 40 Jahren hielt er noch selbst die Knochen für die erste Mannschaft in der Regionalliga hin. „Vielleicht ist deswegen meine Hüfte kaputt“, muss Schmidt heute darüber lachen. Erst mit 50 war die Spielerkarriere endgültigzu Ende. Bis dahin half er noch in der zweiten und dritten Mannschaft aus. „Als ich dann die erste Herrenmannschaft übernommen habe, war Schluss.“

Alleine angesichts dieser Vita wundert die Antwort auf die Frage, ob er dem HCL länger erhalten bleiben wird als seinem Arbeitgeber, nur wenig: „Das hoffe ich schon“, sagt Schmidt mit einem Lachen. „Jetzt habe ich zwei neue Hüften drin, dann kann ich hoffentlich bald wieder aktiver mitmachen“, sagt er. Allzu viel Freizeit hat er aber auch nach seiner Reha nicht. „Genug Arbeit habe ich immer, ich bin noch im Sportvorstand, durch das neue Sportzentrum sind viele Aufgaben offen.“ Und auch in der ersten Mannschaft wird er weiter das „Drumherum unterstützen“, wie der Mann für alle Fälle zu verstehen gibt. „Es gibt viel zu tun, ich bin sicher nicht arbeitslos“, lacht Schmidt.

Im Laufe der Jahre hat er einiges erlebt. Am liebsten blickt er auf die Rückkehr ins Hockey-Oberhaus zurück. „Das war ein Erlebnis, nach 30 Jahren wieder Bundesliga zu spielen“, sagt er und muss zugeben: „Als Spieler habe ich nicht so viel Erfolg gehabt im Verein.“ Dennoch scheint klar: Der HCL kann kaum ohne Schmidt – und andersherum. „Das Familiäre, die Atmosphäre. Da hat man nie Bedenken, etwas anderes zu machen oder aufzuhören“, sagt Schmidt. Auch deshalb hat er teilweise vier bis fünf Mannschaften selbst trainiert, „weil wir da zu wenig Männer hatten“, wie er nüchtern anmerkt.

Nun endet also seine Tätigkeit als Co-Trainer – vorerst. Denn so ganz kann man kaum glauben, dass Helmut Schmidt nicht doch irgendwann wieder in einer ähnlichen Rolle einspringen muss.