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Koschel – der junge „Alte Meister“

Bei der Live-Lehrserie gibt Christoph Koschel Reitern etliche hilfreiche Tipps

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Christoph Koschel gibt Frigga Wetzel auf „Diamant“ Anweisungen.Foto: bm

Ludwigsburg. Fast 700 Zuschauer säumen das Dressurviereck in der Reithalle des RFV Ludwigsburg Monrepos, als Dressurreitmeister Christoph Koschel am Dienstagabend mit seiner Demonstration beginnt. Frigga Wetzel legt er mit ihrem zwölfjährigen Diamant eine sogenannte Lösungsphase ans Herz, „dass das Pferd ein gutes Tempo und seinen Takt findet“.

Bei den Grundgangarten Schritt, Trab und Galopp kommt Diamant auf Betriebstemperatur. „Eine leicht federnde Verbindung über den Zügel zum Pferdemaul“ will Koschel sehen, damit die Reiterin ihren Vierbeiner optimal dirigieren kann. „Wir spielen ein bisschen mit dem Tempo“, tönt es aus dem Lautsprecher und der Lehrmeister spart auch nicht mit Lob: „Sehr schön, sehr flüssig, gutes Galoppieren.“ Pädagogisch wertvoll.

Streicheleinheiten tun nicht nur dem Pferd gut, das wissen die zahlreichen Beobachter, ausnahmslos Insider mit Erfahrung im Sattel, während Koschel zu den höheren Anforderungen seiner Profession wie Galoppwechsel, Traversale und Pirouette übergeht. Wetzel und Diamant geben alles, ebenso die Australierin Hayley Beresford auf Du Ciel und Sabine Klenk vom gastgebenden Verein mit Friedolin.

Als Referent der Live-Lehrserie der „Alten Meister“ hat Christoph Koschel viel zu erzählen, obwohl er mit 42 Jahren zahlenmäßig noch nicht dem Motto gerecht werden kann. Deshalb hat Frank R. Henning (Wuppertal) den Titel der Veranstaltungsreihe modifiziert, die er vor 20 Jahren begründet hat. „Ausbilden wie die Alten Meister“, bringt er sein Hauptanliegen auf den Punkt. Das Pferd müsse im Vordergrund stehen, nicht der Reiter, schneller Erfolg oder das Finanzielle.

Einheit von Pferd und Reiter

In einer Reihe mit Heinrich-Wilhelm Johannsmann, Klaus Balkenhol, Heike Kemmer, Ingrid Klimke oder Isabell Werth zu stehen, empfindet Koschel als Ehre und betont: „Es ist wichtig, dass die alten Werte weiter Beachtung finden.“ Ihm liegt die Einheit von Pferd und Reiter am Herzen, zwischen beiden müsse sich ein Vertrauensverhältnis entwickeln. „Wenn man versucht, sich ins Pferd reinzufühlen, ist schon viel gewonnen.“

Der Besitzer eines Verkaufs- und Ausbildungsstalls in Hagen kennt die Unterschiedlichkeit der Perspektiven: im Sattel und am Boden. Er weiß, dass der Reiter nie alles im Blick haben kann und dass es wichtig ist, vom Trainer ein Feedback zu bekommen. Wenn Koschel am Mikrofon in Fahrt kommt, drängt sich der Eindruck auf, dass Frank Henning nicht übertrieben hat mit seiner Einschätzung über den Referenten: „Er ist einer der Topausbilder in Deutschland.“

Das hat sich bis in den Fernen Osten herumgesprochen. Seit Beginn des Jahres ist er japanischer Nationaltrainer und soll seine Schützlinge zu guten Auftritten bei den Asien-Spielen, den Weltreiterspielen (jeweils 2018) und bei den Olympischen Spielen 2020 in Tokio führen. Von Vorteil ist, dass sich die besten Reiter Japans ohnehin häufig in Deutschland und den Niederlanden aufhalten.

Dass die Luft auf höchstem Leistungsniveau dünn wird, hat Koschel höchstpersönlich zu spüren bekommen. Mit seinem Paradepferd Donnperignon gewann er WM-Mannschaftsbronze (2010) und EM-Mannschaftssilber (2011). Zudem wurde er 2011 deutscher Vizemeister im Einzel. Nur eines kann beim Gespräch beim RFV nicht vollständig geklärt werden: Wie der Vater zweier Buben seine vielfältigen Verpflichtungen im In- und Ausland unter einen Hut bekommt.