Logo

Radsport-WM

Poppenweilerinnen räumen ab

Kunstradfahrerin Lara Füller freut sich über Silber bei WM in Stuttgart im Einer – Helen Vordermeier gewinnt in Zweier

Akrobatische Meisterleistung: Lara Füller (oben) bei ihrer Kür. Selina Marquardt und Helen Vordermeier (unten, von links) feiern ihren WM-Titel. Fotos: Baumann
Akrobatische Meisterleistung: Lara Füller (oben) bei ihrer Kür. Selina Marquardt und Helen Vordermeier (unten, von links) feiern ihren WM-Titel. Foto: Baumann
Akrobatische Meisterleistung: Lara Füller (oben) bei ihrer Kür. Selina Marquardt und Helen Vordermeier (unten, von links) feiern ihren WM-Titel. Fotos: Baumann
Akrobatische Meisterleistung: Lara Füller (oben) bei ihrer Kür. Selina Marquardt und Helen Vordermeier (unten, von links) feiern ihren WM-Titel. Foto: Baumann

Stuttgart. Von der grandiosen Stimmung in der Porsche Arena beflügelt, räumten die deutschen Hallenradsportler bei der Weltmeisterschaft in Stuttgart alle sechs Titel ab, gewannen daneben noch viermal Silber. Zwei Fahrerinnen aus Poppenweiler wurden von den insgesamt 12000 Fans in Stuttgart besonders gefeiert. Lara Füller holte Silber im Einer, Helen Vordermeier mit ihrer Partnerin Selina Marquardt Gold im Zweier!

„Ich glaube, ich bin im falschen Film“, staunte Helen Vordermeier nach dem überraschenden Titelgewinn. Gleich bei ihrer ersten WM ganz oben zu stehen, daran hatte die Master-Studentin für Finanzen und Controlling nicht im Traum gedacht. Die 24-Jährige ist Mitglied beim RKV Poppenweiler, startet aber seit einigen Jahren für SportKultur Stuttgart und bildet dort mit Selina Marquardt ein starkes Duo.

Niemand dachte an Goldmedaille

WM-Silber schien möglich, an Gold dachte niemand. Mit einer grandiosen Darbietung holten sich Marquardt/Vordermeier im Finale 137,32 Punkte. Damit setzten sie die nach ihnen startenden Favoritinnen Caroline Wurth/Sophie-Marie Wöhrle enorm unter Druck. Die wurden damit nicht fertig.

Für die Schwarzwälderinnen leuchteten nur 128,93 Punkte auf – der erste WM-Titel einer Sportlerin aus Poppenweiler war perfekt! „Wir wären mit Silber überglücklich gewesen, weil unsere Leistung stimmte. Dass es Gold wurde, ist unglaublich“, bekannte Helen Vordermeier, die sich im Karibik-Urlaub von den Strapazen erholen will.

Ein traumhaftes Wochenende erlebte Lara Füller, die im Einer, der Königsdisziplin der Hallenradsportlerinnen, Silber gewann. Das Aushängeschild des RKV Poppenweiler überraschte mit einer bärenstarken Qualifikation und verwies die WM-Favoritin Milena Slupina in der Vorrunde auf den zweiten Platz.

Das Duell der beiden Deutschen elektrisierte die Fans auch im Finale der vier besten Fahrerinnen. Zur Musik von Ed Sheerans „Supermarket Flowers“ rollte die 22-jährige Studentin (Master Medizintechnik) über das Parkett, zelebrierte ihre ansprechende Kür ohne Fehler. Den Maute-Sprung vom Sattel auf den Lenker, den sie als weltweit einzige Akteurin im Programm hat, stand sie sicher und ging mit 182,96Punkten in Führung.

„Wahnsinn“, staunte die dreifache Weltmeisterin Viola Brand als Kommentatorin in der Halle. „Was Lara bei ihrer ersten WM-Teilnahme abgeliefert hat, wie souverän sie das gemeistert hat, ist große Klasse.“

Nur noch die Titelverteidigerin Milena Slupina konnte die „Aufsteigerin“ aus Poppenweiler vom ersten Platz verdrängen. „Lara ist super durchgekommen und hat mir nicht viel Luft gelassen“, gestand die 25-jährige Weltmeisterin von 2017 und 2019. Um ihre Herausforderin zu schlagen, musste die Bernloherin einen neuen WM-Rekord herausfahren. Mit 194,56 Zählern erreichte sie eine bei Weltmeisterschaften noch nie erzielte Punktzahl, holte Gold!

Ab Mittwoch trainiert Füller wieder

Für Lara Füller war der zweite Platz so viel wert wie der WM-Titel. „Silber ist unglaublich. Im Nachhinein hätte es nicht besser laufen können! Jetzt heißt es Genießen und Spaß haben“, sagte die Athletin, ehe sie sich auf in die Innenstadt machte. Es folgte eine lange Nacht. Mit Teamkameraden zog sie um die Häuser. „Wir waren erst morgens um halb Fünf wieder im Mannschaftshotel.“

Auf ihren Lorbeeren ausruhen will sich die von Maria und Paul Jacek betreute WM-Zweite nicht. „Am Dienstag mache ich Pause, ab Mittwoch trainiere ich wieder. Ich will neue Elemente lernen, unter anderem den Sattel-Lenker-Handstand, der viele Punkte bringt.“

Dabei soll ein neues Rad helfen, das der Verein für rund 2500 Euro bei einem Schweizer Hersteller geordert hat. Am Freitag wird aber nochmals gefeiert. „Es gibt es einen Empfang“, verrät Dietmar Zeiher, der Vorsitzende des gerade einmal 145 Mitglieder zählenden RKV Poppenweiler. Die Vizeweltmeisterin hofft, dass auch der Musikverein ihrer Heimatgemeinde aufspielt. „Die studierten bei früheren Ehrungen immer einen Tusch für mich ein. Darauf freue ich mich!“

Eine besondere Premiere feierte Sofia Reichert. Die 15-jährige Ludwigsburger Gymnasiastin, ebenfalls für Poppenweiler startend, konnte dank doppelter Staatsbürgerschaft als erste Kunstradfahrerin für Bulgarien an einer WM teilnehmen, belegte Platz 17. Kuriose Nebenerscheinung: Bulgariens Verband berief den RKV-Übungsleiter Eric Schumacher für die Dauer der WM zum Nationaltrainer auf Zeit. Der war mit seinem Schützling vollauf zufrieden: „. Der war vollauf zufrieden: „Sofia war klasse, hat keinen Fehler gemacht und mit 60,00 Punkten eine persönliche Bestleistung erzielt.“

Autor: