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Radsport

RSC Komet gibt Saison nicht verloren

Der Corona-Lockdown hat für die ambitionierten Radteams der Region und damit auch für das Bike Beat Racing Team des RSC Komet Ludwigsburg erhebliche Einschränkungen mit sich gebracht. Dennoch gibt das neu formierte Team die Saison nicht verloren.

Markus Ganzenmüller mit seinen Teamkollegen Hanna Lutz und Robin Schelling beim Everest-Challenge. Foto: privat
Markus Ganzenmüller mit seinen Teamkollegen Hanna Lutz und Robin Schelling beim Everest-Challenge. Foto: privat

Ludwigsburg. Monatelang waren keine Teamtrainings und gemeinsamen Ausfahrten im Sinne der Gesundheitsprävention möglich. Sämtliche Amateurradrennen in der Region mussten abgesagt werden. Für das Jahr 2020 stehen aktuell keine Renntermine im Rennkalender. Der Auf- und Abstieg in höhere oder niedrigere Rennklassen wurde vom Bund Deutscher Radfahrer erst vorige Woche für das Rennjahr 2020 vollständig ausgesetzt.

„Trotzdem gibt es uns und den Radsport in Ludwigsburg noch“, sagt Konrad Werner. Der erste Vorsitzende des RSC Komet Ludwigsburg hatte erst im vergangenen Herbst einige Straßenrennen für die Region geplant. Im nächsten Jahr wollte er ein Straßenrennen mit Start und Ziel in der Ludwigsburger Innenstadt organisieren und trotz aller Widrigkeiten „nicht lockerlassen, diesen Traum zu verwirklichen“. Auch die Straßenrad-DM 2020, ursprünglich angesetzt für den 19. bis 21. Juni, hätte nicht nur ihr Ziel in Stuttgart gehabt, sondern hätte mitten durch den Kreis Ludwigsburg geführt.

Doch Not macht erfinderisch: Inzwischen haben nahezu alle Radfahrer eigene Methoden gefunden, die mühsam antrainierte Form zu konservieren und die volle Leistung abrufen zu können, sobald wieder Radrennen stattfinden werden.

Einen ganz besonderen Trainingsreiz hat dabei RSC-KometFahrer Markus Ganzenmüller (28) vor wenigen Tagen gesetzt. Gemeinsam mit Hanna Lutz (28) und Robin Schelling (26) stellte er sich just an dem Wochenende, an dem eigentlich die Straßenrad-DM stattfinden sollte, der sogenannten Everest-Challenge. Eine ganz spezielle Herausforderung, der sich auch schon der deutsche Meister und Viertplatzierte der Tour de France 2019, Emanuel Buchmann, gestellt hat. Ziel des Events ist es, einen Anstieg so lange auf und ab zu fahren, bis in der Summe die Höhenmeter des Mount Everest erklommen sind: Das sind immerhin 8848 Meter, die Buchmann im Ötztal in 7:42 Stunden bewältigte.

Das Ziel von Ganzenmüller, den Werner als „absolut Radsport-verrückten Lokalmatador“ bezeichnet, war nicht der Angriff auf diese Zeit, dennoch wollte er die Herausforderung und Anstrengung mit seinen Teamkameraden meistern.

Temperaturunterschiede von bis zu 30 Grad

Ein Zielberg, der Klosterberg in Horrheim mit etwa zehnprozentiger Steigung, war schnell gefunden. Das Trio startete die Challenge am Sonntag früh um 3.45 Uhr. Der Klosterberg weist eine Länge von 1,96 Kilometer mit jeweils 198 zu absolvierenden Höhenmetern auf. Rechnerisch war damit als Vorgabe der Berg 47 Mal zu bezwingen. Zur Gesamtstrecke, kalkuliert mit Auf- und Abfahrt über 180 Kilometer, kamen die angekündigten hohen Temperaturunterschiede von 8 Grad am frühen Morgen bis zu 38 Grad in den Weinbergen am Spätnachmittag hinzu, die dem Trio eine zusätzliche Bürde auferlegten.

Die Taktik war klar: Wer zu schnell fährt und die Kräfte nicht einteilt, würde die Challenge in keinem Falle bestehen. Unterstützt wurden die Fahrer durch Begleiter, Freunde und auch Passanten, die die Fahrer über den Tag (und die Nacht) verteilt anfeuerten. Eine permanente Verpflegung mit Energieriegel, Gels, Gummibärchen und Kuchen war damit immer sichergestellt.

Nach über 17 Stunden auf dem Rad erreichten die drei Fahrer nach der 47. Auffahrt überglücklich das Ziel. „Ans Aufgeben haben wir nie gedacht“, sagte Ganzenmüller zu den Strapazen, „wir wollten das unbedingt schaffen, denn uns war klar, dass es die Motivation für dieses Event nur ein einziges Mal gibt.“ Welche Ergebnisse diese Leistung und dieser Trainingsreiz bewirken, wird sich bei Ganzenmüller und dem Bike Beat Racing Team des RSC Komet Ludwigsburg spätestens zeigen, wenn die ersten Radrennen wieder terminiert werden.

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