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Coronavirus

Sport kommt fast komplett zum Erliegen

Das Coronavirus löst Chaos im Sport aus. Im US-Sport steht die Zeit still. Die Basketball-Bundesliga unterbricht ihren Spielbetrieb bis auf Weiteres. Auch im Amateursport wurde teilweise der komplette Betrieb in den Mannschaftssportarten stillgelegt.

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Stuttgart/Berlin. Auf einer außerordentlichen Versammlung der Basketballclubs gestern in Stuttgart stimmten die Verantwortlichen einstimmig für eine Unterbrechung der Saison. Schon die für dieses Wochenende angesetzten Spiele finden nicht statt. „Es bleibt das Ziel, die Saison 2019/2020 zu einem späteren Zeitpunkt geordnet zu Ende zu spielen“, hieß es in einer BBL-Mitteilung nach der rund dreistündigen Sitzung.

Innerhalb der nächsten 14 Tage wollen sich die Verantwortlichen der 17 Clubs, das Präsidium der Arbeitsgemeinschaft BBL und die Geschäftsführung der BBL GmbH wieder treffen, „um die dann aktuelle Lage und möglichen Szenarien und Handlungsoptionen erneut zu besprechen.“ Die Spiele der 2. Liga waren bereits am Mittwochabend ausgesetzt worden.

„Ein sofortiges Ende der Saison war für die Clubs kein Thema, andererseits ist die Aussetzung des Wettbewerbs sinnvoll, um auch unserer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht zu werden“, sagte Bayern-Geschäftsführer Marko Pesic. „Es ist nur konsequent, dass wir den Spielbetrieb vorübergehend aussetzen und diese Zeit zusammen mit der Liga nutzen, um eine geordnete und tragfähige Fortführung der Saison und der Play-offs unter Berücksichtigung gesundheitlicher, wirtschaftlicher und sportlicher Aspekte zu organisieren“, sagte Hermann Schüller, geschäftsführender Gesellschafter der EWE Baskets Oldenburg.

Damit findet das kommende Heimspiel der MHP-Riesen Ludwigsburg gegen die Hakro Merlins Crailsheim am kommenden Sonntag (15:00 Uhr) nicht statt. „Die Lage für uns als Klub ist prekär und die Konsequenzen noch nicht absehbar. Wir hoffen auf entsprechendes Verständnis und auf solidarisches Verhalten, denn die Gesundheit und der Schutz der Bevölkerung haben oberste Priorität“, sagte BBL-Präsident Alexander Reil, der auch 1. Vorsitzender der MHP-Riesen Ludwigsburg ist. Am Donnerstag waren bereits im internationalen Basketball die Wettbewerbe wegen der Coronavirus-Pandemie bis auf Weiteres ausgesetzt worden. Davon betroffen sind auch die Partien von Alba Berlin und Bayern München in der Euroleague in dieser Woche.

Auch die NBA hatte am Mittwoch (Ortszeit) ihre Saison erst einmal ausgesetzt, weil in dem Franzosen Rudy Gobert von den Utah Jazz ein Spieler positiv auf das Coronavirus getestet worden war.

In Deutschland sind neben den Basketballern auch die Bundesligen und Amateurligen der Handballer betroffen. Verschiedene Landesverbände, darunter der Handballverband Württemberg, beschlossen den Abbruch der Saison 2019/2020 im Jugendspielbetrieb. Der Spielbetrieb bei den Männern und Frauen wird bis mindestens 19. April ausgesetzt. Gleichzeitig sagte sowohl die Handball-Bundesliga der Männer (HBL) als auch die Handball-Bundesliga Frauen (HBF) ihre Spieltage der 2. Bundesliga (HBL) sowie der 1. und 2. Bundesliga (HBF) am kommenden Wochenende ab. Der Spielbetrieb in der 3. Liga und der Jugend-Bundesliga Handball (JBLH) wurde für das kommende Wochenende ebenfalls ausgesetzt.

Wegen der Coronavirus-Krise wird auch der laufende Volleyball-Spielbetrieb in den Dritten Ligen und Regionalligen mit sofortiger Wirkung beendet. Darunter zählen auch alle Veranstaltungen der Deutschen Volleyball-Jugend (DVJ) und im Seniorenbereich. Für den Spielbetrieb im Hallen-Volleyball unterhalb der Regionalligen und im Beach-Volleyball, den die Landesverbände verantworten, empfiehlt der DVV ebenfalls eine sofortige Beendigung.

Angesichts der dynamischen Lageentwicklung haben die Verantwortlichen des Württembergischen Fußballverbandes (WFV) gestern entschieden, den Spielbetrieb ab sofort bis einschließlich 31. März 2020 komplett auszusetzen. Diese Regelung betrifft alle Ligen unterhalb der Oberligen Baden-Württemberg, und zwar in allen Altersklassen. Für die Spielklassen darüber entscheiden die jeweiligen Ligaträger.

Real Madrid stellte am Donnerstag seine Fußballer um Nationalspieler Toni Kroos und die Basketballer nach einem positiven Test unter Quarantäne. Fast stündlich vermelden weitere Sportarten Konsequenzen wegen der Ausbreitung des Virus Sars-CoV-2. Die Uefa hält sich zwar trotz des immensen öffentlichen Drucks noch bedeckt und verweist auf die Videokonferenz der 55 Mitgliedsverbände am kommenden Dienstag. Dort soll Medienberichten zufolge über die EM abgestimmt werden – die Verschiebung in den Sommer 2021 würde den nationalen Ligen Zeit verschaffen. Auch die Zweifel an den Olympischen Spielen 2020 in Tokio wachsen wie die Zahlen der weltweit Infizierten.

Die Hoheit über die Fußball-Bundesliga, die ihren Spieltag erstmals komplett unter Ausschluss der Öffentlichkeit absolvieren wird, und der 2. Liga hat derweil die Deutsche Fußball Liga. Und die hielt sich in den vergangenen Tagen mit Äußerungen zurück. DFL-Geschäftsführer Christian Seifert lobte stattdessen die Sky-Pläne, die Konferenz am Samstag ohne Bezahlschranke zu übertragen: „Auch wenn der Stadionbesuch nicht möglich ist, muss niemand auf Bundesliga und 2. Bundesliga als Live-Erlebnis verzichten.“

Ein Weitermachen-wie-bisher gibt es fast nirgendwo. Die für die kommende Woche geplanten Partien in der Champions League zwischen Manchester City und Real Madrid sowie zwischen Juventus Turin und Olympique Lyon wurden abgesagt. Italien gilt als das Epizentrum des Coronavirus auf dem Kontinent. Die spanische Liga setzt für zwei Wochen den Spielbetrieb aus. Frankreich spielt ohne Zuschauer, die Premier League in England auch. Der südamerikanische Verband rief die Fifa zur Verschiebung der ersten WM-Qualifikationsspiele auf.

Das angesetzt EM-Vorbereitungsturnier in Katar, das in der kommenden Länderspielpause durchgeführt werden sollte, ist abgesagt worden. Geplant war für Ende März ein Turnier mit Europameister Portugal sowie den weiteren EM-Startern Belgien, Kroatien und der Schweiz. Eine mögliche Absage der Euro in zwölf Ländern vom 12. Juni bis 12. Juli würde zumindest den nationalen Ligen mehr Spielraum geben, wenn sie wie nun wie in Italien oder Spanien pausieren.

Fast schon trotzig wirken in der globalen Lage mit 115 Ländern, in denen sich nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO das Sars-CoV-2 inzwischen ausgebreitet und fast 4300 Menschenleben gefordert hat, die Aussagen der Verantwortlichen für die Olympischen Spiele. Man treffe Vorbereitungen, die Spiele und die anschließenden Paralympics wie geplant auszurichten, sagte Japans Regierungssprecher Yoshihide Suga. „Ich kann nicht sagen, dass das keine Auswirkung haben wird. Aber ich glaube, dass eine Absage unmöglich ist“, sagte Tokios Gouverneur Yuriko Koike.

Unter Ausschluss der Öffentlichkeit wurde im antiken Olympia das Feuer für die Spiele entzündet. Weltweit eint die Menschen derzeit aber vor allem die Sorge um die Corona-Pandemie – als solche hat die WHO die Ausbreitung mittlerweile eingestuft. Dass nun die USA auch noch ein Einreiseverbot für Europäer für 30 Tage erließen, dürfte für den Sport weitere Folgen haben. Seien es geplante Trainingscamps oder Wettbewerbe. Beispielsweise fällt das legendäre Masters in Augusta, das renommierteste Golf-Turnier der Welt, in den Zeitraum, es soll vom 9. bis 12. April stattfinden.

Wie geht es weiter? Weitere Abbrüche und Absagen sind wahrscheinlicher als ein halbwegs geregelter Ablauf. Die deutschen Basketballer und Handballer zogen nach langen Beratungen Konsequenzen, unterbrachen den Spielbetrieb zunächst aber nur. Zuvor hatte die Deutsche Eishockey Liga die Spielzeit vorzeitig und ohne Meisterkür gänzlich beendet.

Geisterspiele sind für diese Sportarten keine Alternative, weil die finanziellen Verluste zu groß sind. Im Fußball deutet sich aus anderen Gründen an, dass die Beteiligten Partien ohne Zuschauer auch als Option ablehnen könnten. Auf dem Rasen herrschte fürchterliche Tristesse, die Fans versammelten sich in großen Massen vor statt in den Stadien – was die Maßnahmen teilweise ad absurdum führte. Fotos: Baumann

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