Logo

Dressurturnier am Monrepos

Uwe Schwanz lenkt Hermes zum Grand-Prix-Triumph

Doppelt genäht hält besser – nach diesem Motto bestritt Routinier Uwe Schwanz vom Waldhauser Hof bei München den Grand Prix de Dressage des RFV Ludwigsburg Monrepos. Mit sauberen 1780,50 Zählern führte er gestern vor über 500 Zuschauern den neunjährigen Wallach Hermes auf Platz 1, mit dem Westfalen Dante (1745) wurde er obendrein noch Zweiter.

350_0900_15981_COSPspor_dressur.jpg
Zahlreiche Zuschauer säumten das Viereck am Seeschloss, als Jessica Neuhauser mit Disaronno den Grand Prix de Dressage absolvierte. Fotos: Baumann
350_0900_15980_COSPspor_schwanz.jpg
Eingespieltes Duo: Uwe Schwanz und der neunjährige Wallach Hermes.

Ludwigsburg. Die große Frage im Vorfeld des 22. Events am Seeschloss hatte Meike Lang vom Winnenden gegolten. Nach zwei Erfolgen in den Jahren 2015 und 2016 winkte ihr mit Flatley der Hattrick. Doch in einem starken Teilnehmerfeld reihte sie sich mit ihrem Paradepferd nur auf Rang 7 ein (1633).

Stattdessen verewigte sich Uwe Schwanz mit dem ausdrucksstarken Hermes in der Ehrentafel des Ludwigsburger Traditionsturniers. Weil der gebürtige Bremer auch mit Dante eine konzentrierte Vorstellung ablieferte, musste die Nürtingerin Cordula Holz auf D’Artagnan (1734) mit dem dritten Platz Vorlieb nehmen. Auch Thomas Wagner (Bad Homburg) übertraf mit Leandro (1708) als Vierter noch die 1700-Punkte-Marke. „Wann haben wir als Dressurreiter schon mal so viel Publikum“, schwärmte der 53-Jährige nach seinem Auftritt mit Hermes. Bei bestem Wetter und idealen Bedingungen sorgten zahlreiche Zuschauer für das typische Monrepos-Ambiente. Reporter Roland Kern vom Reiterjournal, der für den Online-Sender ClipMayHorse.TV drei Tage lang im Livestream die Ritte kommentierte, verlieh Hermes Bestnoten.

Die drei verschiedenen Gangarten (Schritt, Trab, Galopp), die im Aufgabenbuch exakt definierten Schwierigkeitsgrade bei Passage, Piaffe, Pirouette, Traversale und Serienwechseln – Uwe Schwanz spürte von der ersten Sekunde an, dass „sein Top-Pferd selber gewinnen will“. Mit seinen erst neun Jahren habe Hermes einen Spitzenjob gemacht. Als dem Wallach der Siegerpreis. eine elegante Pferdedecke, übergestreift wurde, ging seinem Sportkameraden das Herz auf. „Ich habe einen Bademantel in der gleichen Farbe“, frohlockte Schwanz lachend.

Ernst gemeint war die Perspektive, die er für den äußerst leistungswilligen Hermes skizzierte: „Er ist noch steigerungsfähig, wir wollen schon auch mal international angreifen.“

Ob er denn auch vorne gelegen hätte, wenn die Siegerin der Qualifikation, Olympiasiegerin Dorothee Schneider (Frankfurter Turnierstall), auf Faustus ihren Startplatz beim Grand Prix de Dressage wahrgenommen hätte, wollte eine junge Journalistin von Schwanz wissen. „Gegen Dorothee zu gewinnen, ist immer schwierig“, räumte er ein. Faustus hatte am Freitag einige Pünktchen mehr gesammelt als Hermes. Die Team-Goldmedaillengewinnerin düste jedoch schon am Samstag zu ihrem nächsten Termin in Innsbruck ab, auch weil sie ihrem Nachwuchspferd noch nicht die Kraft für einen langen Grand Prix attestieren wollte.

Am verregneten Freitag waren alle Beteiligten, auch die Richter in ihren Holzhäuschen, auf eine harte Probe gestellt worden. Am Ende verlegte das Turnierleiter-Duo mit Sabine Klenk und Harald Blum die Drei-Sterne-Prüfung in die alte Reithalle. Der RFV Monrepos ist auch für solche Fälle gewappnet.

Ein Turnier auf diesem Niveau – mit der Rekordmeldung von 371 Pferden und 190 Reitern - nur mit ehrenamtlichen Kräften zu organisieren, fordert den Vereinsmitgliedern alles ab. Insbesondere die Meldezentrale mit Daniela Krause, Isabel Schneider-Gärtner und Kathrin Bogislawski leistete schon im Vorfeld zeitintensive Kleinarbeit. Ohne großes Aufhebens hängte sich Stallmeister Volker Wiegandt rein, der genau weiß, was Pferde und Reiter lieben.