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Tanzen

Tanz-Club Ludwigsburg plagen Personalnöte

Aus acht Paaren besteht eine Standardformation. Von diesen 16 Sportlern ist der 1. TC Ludwigsburg zur Zeit meilenweit entfernt. Gerade mal fünf – ein Herr und vier Damen – haben für die kommenden Aufgaben zugesagt.

Voller Sorgen: Norman Beck.Foto: bm
Voller Sorgen: Norman Beck. Foto: bm

Ludwigsburg. Die Personalnot bereitet Norman Beck große Sorgen. „Sollte die Mannschaft nicht zustande kommen, wird sie ihren Startplatz abgeben müssen“, spricht der TCL-Trainer das Undenkbare aus. Ohne die mit vielen deutschen, Europa- und Weltmeistertiteln dekorierten Ludwigsburger Standardspezialisten kann sich niemand die Tanzszene vorstellen.

In dieser dramatischen Situation versucht der Verein, mit einer Werbeaktion über soziale Netzwerke und mit zwei Schnupperkursen im Juni neue Tänzerinnen und Tänzer an Bord zu holen. Die deutsche Meisterschaft steht im November an, im Januar 2020 wird die nächste Bundesligasaison eröffnet. Personell war es in den vergangenen Jahren für das Trainerehepaar Norman und Dagmar Beck immer schwieriger geworden. 2016 tanzte der TCL bei den „Deutschen“ nur mit sechs statt der üblichen acht Paare und verzichtete anschließend auf den Start bei der WM.

Mit einem dezimierten Team wollen die Becks künftig nicht mehr antreten. Voriges Jahr mussten die Trainer so viel improvisieren wie noch nie. Krankheit, Verletzungen und Absagen sorgten dafür, dass die Formation immer wieder umgestellt wurde. Insgesamt 29 (!) Sportler wurden eingesetzt. Ehemalige Teammitglieder ließen sich kurzfristig zum Comeback überreden und sprangen vorübergehend in die Bresche.

Für die jungen Sportlerinnen und Sportler wird es immer schwieriger, Schule, Ausbildung, Beruf und Hochleistungstanzen unter einen Hut zu bringen. Für die lupenreinen Amateure ist das Einstudieren einer schwierigen Choreografie eine sehr zeitaufwendige Angelegenheit, zumal der TCL den Anspruch hat, auch auf internationalem Parkett ganz vorne mitzumischen. Norman Beck zieht einen Vergleich mit der Konkurrenz aus dem Osten: „In Russland werden vom Staat die Rahmenbedingungen so gesetzt, dass Formationen die Weltspitze einnehmen können.“

„Man will sich einfach nicht mehr so richtig plagen. Das Teamdenken rückt immer mehr zurück“, übt Präsidentin Gaby Wulff Kritik an der Einstellung der Sportler. „Vor zehn Jahren haben sich die Leute anders positioniert.“ Da der Nachschub aus den eigenen Reihen spärlich ausfällt, musste der TCL immer wieder Sportler aus anderen Vereinen suchen und integrieren, die weite Anreisen nach Ludwigsburg zurücklegen mussten. Dadurch verlagerte sich der Trainingsbetrieb auf das Wochenende. Tänzer mit 200 Kilometern Anfahrt stehen unter der Woche nicht für Übungseinheiten zur Verfügung, die jedoch notwendig wären, um Spitzenniveau zu erreichen.

Bislang haben nur Nils-Arne Herold sowie die Damen Maria Novikova, Giulia Edel, Miriam Preiß und Ludmilla Radiush (Ukraine) ihre Zusage gegeben. Wenn das Formationstanzen im Land seinen Stellenwert nicht völlig einbüßen will, ist es aus Sicht von Gaby Wulff notwendig, „dass in Baden-Württemberg alle an einem Strang ziehen“. Paare anderer Vereine könnten die Formation des TCL verstärken. Der Präsident des Landesverbandes, Wilfried Scheible (Stuttgart), will demnächst mit den TCL-Verantwortlichen erörtern, wie ein Weg aus der Krise gefunden werden kann.

Info: Mit zwei Werbeveranstaltungen versucht der 1. TC Ludwigsburg, neue Tänzerinnen und Tänzer für seine Standardformation zu finden. An den Wochenenden 1 ./2. Juni und 29./30. Juni (jeweils von 10 bis 14 Uhr) können Interessierte im Tanzsportzentrum am Erlenweg ins Training reinschnuppern.

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