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Fußball-WM
Frankreich entzaubert: Bruchlandung der Ballvirtuosen

WM 2026 - Frankreich - Spanien
Tief enttäuscht: Frankreichs Kylian Mbappé nach dem Halbfinal-Aus. Foto: Wu Xiaoling
Der Titeltraum ist geplatzt. Kylian Mbappé und Co. spielen zum Abschied von Trainer Didier Deschamps nur noch um Platz drei. Die Chancenlosigkeit gegen Spanien überrascht. Und hat mehrere Gründe.

Arlington. Kylian Mbappé versuchte mit leerem Blick, die Bruchlandung der französischen Offensiv-Zauberer bei dieser Fußball-WM zu erklären. «Wir waren nicht auf dem Niveau, ins Endspiel zu kommen», räumte der Superstar der Équipe Tricolore offen ein. Trainer Didier Deschamps wirkte nach dem Abpfiff kurz wie versteinert, ehe er die Dinge dann doch einordnete.

Die Enttäuschung ist gewaltig bei den Franzosen, für die es nach der verdienten 0:2-Niederlage im Halbfinale gegen Spanien nun nicht mehr um den goldenen Pokal geht. Les Bleus werden im Spiel um Platz drei versuchen, ihrem scheidenden Coach einen würdigen Abschied zu bereiten. «Weil er das verdient», sagte Mbappé. «Und die Fans es verdienen».

Dem Anspruch des zweimaligen Weltmeisters entspricht es aber nicht, dass er am Samstag (23.00 Uhr/MagentaTV) nur das kleine Finale in Miami Gardens bestreitet. Und eben nicht am Sonntag das große in East Rutherford. Wo viele Experten diese Ballvirtuosen schon gewähnt hatten.

Kein drittes WM-Finale in Serie

«Ich bin sehr stolz auf alles, was wir mit der Nationalmannschaft erreicht haben», sagte Deschamps, dessen Amtszeit nach diesem Turnier endet - und dessen Nachfolger Berichten nach der frühere französische Topstar Zinédine Zidane werden soll. Seit 2012 betreut Deschamps die Équipe Tricolore. Fast hätte er sie zum dritten Mal nacheinander in ein WM-Finale geführt. Doch nach dem gewonnenen Endspiel 2018 und dem verlorenen vor vier Jahren gibt es zumindest unter seiner Leitung erst mal kein weiteres mehr für Frankreich.

«Ich habe viele schöne Momente erlebt», meinte Deschamps. Diesmal sei «nicht so ein Moment» gewesen. Was einerseits an den wieder mal defensivstarken Spaniern lag - und andererseits an den überraschend harmlosen Franzosen.

WM 2026 - Frankreich - Spanien
Bekommt zum Abschied nur das kleine Finale: Didier Deschamps. Foto: Ashley Landis

Frankreichs Ballkünstler zu fehlerhaft

Mbappé, der bei dieser WM schon acht Tore erzielt hat, wehrte sich mit Kräften gegen das Aus des großen Titelfavoriten. Ousmane Dembélé oder Michael Olise vom FC Bayern München bekamen von den Spaniern, die bei diesem Turnier erst ein Gegentor kassiert haben, aber gnadenlos die Grenzen aufgezeigt. Phasenweise wirkten die Franzosen selbst überrascht, wie chancenlos sie gegen den Europameister waren. «Es ist ein Team, das es liebt, den Ball und das Spiel zu kontrollieren, und das haben wir ihnen erlaubt», sagte Mbappé.

«Spanien hat gut verteidigt», erklärte Deschamps. Sein eigenes Team habe aber auch zu viele technische Fehler gemacht. «Die Enttäuschung ist groß», sagte der eingewechselte Rayan Cherki. Auch so ein Offensiv-Pfeil der Franzosen, der an diesem Dienstag in Arlington völlig ins Leere geflogen war.

16 Tore hatten Les Bleus in den vorangegangenen sechs Partien bei dieser WM erzielt. Die Fußball-Welt staunte. Nicht, weil die Franzosen jeden ihrer Gegner nach Belieben dominiert hätten. Aber weil Mbappé, Dembélé, Olise und Co. manchmal schon wenige Traumkombinationen reichten, um die gegnerische Defensive zu zerlegen und so für magische Momente zu sorgen.

WM 2026 - Frankreich - Spanien
Gegen Spanien ganz schwach: Bayern-Profi Michael Olise. Foto: Tom Weller

Merkwürdiger Seitenhieb gegen Schiedsrichter

Ob sie angesichts all dieser Bewunderung womöglich etwas übermütig ins Spiel gegen Spanien gegangen wären, wurde Verteidiger Maxence Lacroix hinterher gefragt. Nein, versicherte der frühere Wolfsburger, der für den angeschlagenen William Saliba eingewechselt worden war. Man habe die Iberer respektiert. «Wir waren heute nicht auf unserem höchsten Level», sagte er. Nicht mal auf dem zweithöchsten, möchte man meinen. Und gegen Spanien, das seinen zweiten WM-Titel holen kann, ist das eben auch für Frankreichs Ballkünstler zu wenig.

«Glauben Sie, dass der Schiedsrichter gut genug war, um ein Halbfinale zu leiten?», fragte Deschamps nach der Partie noch. Manche Entscheidungen seien «fragwürdig» gewesen, meinte er. Jene, die zum Elfmeter und dem 1:0 der Spanier durch Mikel Oyarzabal in der 22. Minute geführt hatte, gehört jedenfalls nicht dazu.

Auch sonst pfiff Referee Iván Barton aus El Salvador die Franzosen nicht aus dem Turnier. Bei Spaniens 2:0 durch Pedro Porro (58.) hatten sie sich von einem einfachen Doppelpass komplett aushebeln lassen. Aus der Zauber. Stattdessen gab's die Bruchlandung der Ballvirtuosen.

© dpa-infocom, dpa:260715-930-386919/1