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Das Schweizer Taschenmesser

Justin Simon hat sich schnell bei den MHP-Riesen Ludwigsburg eingelebt. Ohne seine Vielseitigkeit wäre der US-Amerikaner wohl kaum in der Basketball-Bundesliga gelandet. Vor dem Heimspiel gegen Bonn (Sonntag/15 Uhr) haben wir mit dem 25-Jährigen gesprochen.

Offensiv wie defensiv eine Verstärkung für die Riesen: Justin Simon. Foto: Baumann
Offensiv wie defensiv eine Verstärkung für die Riesen: Justin Simon. Foto: Baumann

Ludwigsburg. Selten sind bei den MHP-Riesen Ludwigsburg nach dem Sommer so viele Spieler aus der Vorsaison zum Basketball-Bundesligisten zurückgekehrt, wie in diesem Jahr. Und dann machen auch noch alle einen fitten Eindruck. Anders hat es bei den neuen Spielern ausgesehen. Scottie James, Quintin Hooker oder Jaylen Hands haben den Club bereits wieder verlassen. Entsprechend musste im laufenden Betrieb nachverpflichtet werden.

Identifikation mit Ludwigsburger Stil

Einer dieser späten Zugänge ist Justin Simon. Er kam Anfang Oktober vom Ligarivalen Ulm. An der Donau hatte er zuvor sechs Wochen lang den verletzten Ex-Riesen Karim Jallow vertreten. Viel Zeit, sich einzugewöhnen hatte der 25-Jährige nicht. Doch das war allem Anschein auch nicht nötig. Schon in seinem ersten Einsatz bei der 63:65-Niederlage im Pokal gegegen die Crailsheim Merlins steuerte er zehn Punkte und elf Rebounds bei. Wenige Tage später glänzte er beim 74:62-Heimsieg über Alba Berlin mit 16Zählern.

„Meine ersten Tage waren großartig. Der Übergang ist ziemlich glatt gelaufen“, sagt der US-Amerikaner vor dem Heimspiel gegen die Telekom Baskets Bonn (15Uhr/MHP-Arena) im Gespräch mit unserer Zeitung. „Wir haben ein großartiges Team und eine großartige Organisation.“

Die schnelle Eingewöhnung könnte auch am Spielstil von John Patrick liegen, der bekanntlich großen Wert auf eine aggressive Ganzfeldverteidigung legt. Simon wurde sowohl bei seiner letzten Station im australischen Illawara als auch zuvor am New Yorker St. Johns College für seine Defensivarbeit ausgezeichnet. „Absolut, das ist genau meine Art zu spielen: Druck auf dem ganzen Feld, Augenmerk auf die Defensive, für den Gegner unangenehm sein und auch in die Offensive gehen“, sagt er auf die Frage, ob ihm das Ludwigsburger System zusage. „Es könnte nicht besser passen. Ich liebe es.“

Es ist nicht nur Simons Verteidigung, die Trainer Patrick an ihm schätzt. Auch menschlich scheint es zu passen. „Er ist sehr offen und für sein Alter erwachsen“, sagt Patrick über den meist gut gelaunten und ausgesprochen warmherzigen Athleten. „Sportlich ist er sehr vielseitig. Er kann Point Guard spielen, aber auch innen. Er ist wie ein Schweizer Taschenmesser“, scherzt der Coach.

Jene Vielseitigkeit brachte Simon überhaupt erst zum Basketball. Denn in der High School waren die Weichen auf American Football gestellt, weil Simons als Wide Receiver bessere Fortschritte machte, als auf dem Basketball-Feld. „Im Basketball bin ich auf dem Feld freier. Und deshalb bin ich auch immer noch in dieses Spiel verliebt.“ Mit 15 Jahren entschied er sich für Basketball. „Ich kann mich noch erinnern, wie ich das meinen Eltern gesagt habe. Sie konnten es kaum glauben“, blickt er lachend zurück.

Bereut hat er es nie. „Das Spiel hat mir eine unglaubliche Reise ermöglicht und ich bin sehr gespannt, wo es mich noch hinführt.“ Einige neue Eindrücke wird er dabei auch auf den Reisen mit den Riesen in der Champions League sammeln, wie vergangene Woche in Kiew. Im Team des Gegners BC Prometey stand der ehemalige Ludwigsburger D.J. Kennedy, der einige Jahre vor Simon am St. Johns College spielte. „Wir haben uns nach dem Spiel kurz unterhalten. Wir sind auch bei der selben Agentur und haben schon öfter in Pittsburgh gemeinsam trainiert“, berichtet Simon und fügt mit einem Augenzwinkern hinzu: „Aber jetzt sind wir Konkurrenten.“

So freundlich der gebürtige Kalifornier (Los Angeles) sein kann, wenn es um die sportlichen Ziele geht, macht er keine Kompromisse: „Ich bin ein Wettkampf-Typ. Ich möchte in die BBL-Play-offs mit Ludwigsburg und möchte auch die K.o-Runde in der Champions League erreichen. Es ist das erste Mal für mich in diesen Ligen und ich weiß, es wird nicht einfach. Aber wir wollen auf höchstem Niveau spielen und das haben die Fans in Ludwigsburg auch verdient.“

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