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Torfrau mit hohem Anspruch

Die Brasilianerin Gabriela Moreschi setzt sich mit der SG BBM große Ziele – Derby in der MHP-Arena

Gabriela Moreschi ist im Team der SG BBM eine verlässliche Größe. Foto: Baumann
Gabriela Moreschi ist im Team der SG BBM eine verlässliche Größe. Foto: Baumann

Ludwigsburg. Zeitgleich um 19Uhr werden am heutigen Freitag zwei SG BBM-Heimspiele angepfiffen. Die Frauen empfangen in der Ludwigsburger MHP-Arena die Sport-Union Neckarsulm, die Männer in der Bietigheimer Halle am Viadukt den EHV Aue.

Gegen den schwäbischen Rivalen Sport-Union Neckarsulm wartet auf SG-Torhüterin Gabriela Moreschi viel Arbeit. Die Gäste aus dem Unterland feuern aus allen Rohren. In vier der bisherigen fünf Spiele erzielte Neckarsulm über 30 Tore, ist mit 33,3 Treffern pro Partie vor Bietigheim (33,2) ligaweit spitze.

„Solche Herausforderungen reizen mich“, erklärt die Brasilianerin selbstbewusst. „Wir haben hohe Ziele. Da müssen wir auch an uns hohe Ansprüche stellen.“ Die 27-Jährige spielt seit 2015 in Europa, zunächst in Norwegen, dann in Rumänien und vor dem Wechsel im Sommer an die Enz zwei Jahre bei Fleury Loiret in Frankreich. „Ich liebe französische Popmusik, höre auch genau hin, weil ich die Sprache lernen will. Allerdings machte sich der französische Lebensstil auch beim Handball bemerkbar. Wir trainierten weniger und mir fehlte etwas.“

Dem Mangel konnte in Bietigheim abgeholfen werden. „Das ist ein Unterschied wie Wasser und Wein. Viel Training auf hohem Niveau, eine enorm starke Mannschaft mit gutem Geist. Alles dreht sich um den Sport. Ich bin echt überrascht, wie professionell es zugeht: Das erinnert mich an meine Zeit in Norwegen, als ich mit Larvik Meister wurde und in der Champions League spielte.“

Zum Handball kam die 190 cm große Keeperin durch ihren als „Tonico“ populär gewordenen Onkel Antonio Carlos. „Er spielte im linken Rückraum für das brasilianische Nationalteam. Besonders fasziniert hat mich ein Bild, das ihn mit Fidel Castro bei einer Panamerikanischen Meisterschaft auf Kuba zeigte.“

Kein Heimweh zur Heimat Brasilien

„Gabi“ telefoniert zwar oft mit ihrer Familie in Brasilien, hat aber kein Heimweh. Auf die heimische Kost verzichtet sie gerne. „Brasilianisches Essen vor dem Spiel oder Training, das geht überhaupt nicht“, meint sie lachend. Ihre Begeisterung für Aktivitäten am Herd sind ohnehin sehr begrenzt: „Ehrlich gesagt koche ich nur, um zu überleben.“

Über das Leben nach dem Handball hat sie sich noch keine großen Gedanken gemacht. „Vielleicht gehe ich zurück nach Brasilien und arbeite in der Firma meiner Eltern. Aber ich fühle mich in Europa sehr wohl. Möglich, dass ich später nach Portugal ziehe. Ein Zweig unserer Familie stammt von dort. Deshalb habe ich neben der brasilianischen auch die portugiesische Staatsbürgerschaft. Bis dahin ist es aber noch viel Zeit. Jetzt stehen der Handball und die Erfolge mit Bietigheim im Fokus.“

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