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Auf dem Land wird Wohnen teurer

Kreissparkasse Ludwigsburg: Preise für die eigenen vier Wände steigen weiter – Corona beeinflusst den Markt kaum

Die Immobilienexperten der Kreissparkasse Ludwigsburg (von links): Thomas Raab (Vorstandsmitglied), Christopher Gentzcke (Abteilungsdirektor Immobiliencenter) und Matthias Wörwag (Leiter Immobilienhandel). Foto: Becker
Die Immobilienexperten der Kreissparkasse Ludwigsburg (von links): Thomas Raab (Vorstandsmitglied), Christopher Gentzcke (Abteilungsdirektor Immobiliencenter) und Matthias Wörwag (Leiter Immobilienhandel). Foto: Becker

Ludwigsburg.. Die Preise auf dem Immobilienmarkt im Landkreis Ludwigsburg kennen nur eine Richtung: nach oben. „Wer auf fallende Preise hofft, müssen wir enttäuschen, wer fallende Preise befürchtet, können wir beruhigen“, beschreibt Thomas Raab, Mitglied des Vorstands der Kreissparkkasse Ludwigsburg, die gegenwärtige Lage.

Raab beruft sich auf Daten des Immobilienmarkberichts 2021 der Kreissparkasse Ludwigsburg, den die Bank am Donnerstag präsentiert hat, und der eine bundesweite Entwicklung in Ballungsgebieten auch im Landkreis Ludwigsburg bestätigt: Auch auf dem Land oder in der städtischen Peripherie klettern die Preise für Häuser oder Wohnungen in die Höhe. Der Anstieg erreicht fast schon die Dynamik wie in der Stadt Ludwigsburg.

Preisdynamik in Löchgau fast wie in Ludwigsburg

Dazu gibt es Beispiele: Laut Marktbarometer der Kreissparkasse sind in Ludwigsburger Stadtteilen wie Eglosheim, Popenweiler, Oßweil oder Sonneberg die Preise für ein Haus im Schnitt um 4,3 Prozent in den vergangenen zwölf Monaten gestiegen, die von Wohnungen um gut ein Prozent. In Ludwigsburg-Mitte legten die Preise für Häuser um 3,9 Prozent und für Wohnungen um 2,2 Prozent zu. Zum Vergleich: In Löchgau liegt der Preisanstieg für Häuser bei 3,6 Prozent und für Wohnungen bei 1,9 Prozent. In Remseck am Neckar sind Häuser im Schnitt um 4,5 Prozent teurer geworden und in Kornwestheim sogar um 5,5 Prozent. Das bestätigt den Trend, dass sich Immobilienkäufer inzwischen mehr in ländlicheren Regionen umsehen.

Ein Grund für diese Entwicklung ist nach Einschätzung Raabs unter anderen auch, dass sich die Wohnbedürfnisse der Menschen durch Corona verändert haben. Das Homeoffice verstärkte den Wunsch nach mehr Platz und nach mehr Zimmern. Das bisher so beliebte offene Wohnen sei nicht mehr so gefragt. Auch sehnten sich viele nach einem Garten oder einer grüneren Umgebung. Das befördere die Orientierung ins Umland der Städte, wo die Preis für die eignen vier Wände – auch wenn er im Schnitt ansteigt – doch noch günstiger sei. Allerdings ist hier zu beachten, dass in den Städten die Preise auch nicht fallen. Die statistische Anschauungskurve für die Preisentwicklung senkt sich vor allem deswegen, weil das Kaufangebot zurückgeht.

Die Coronapandemie habe den Immobilienmarkt im Landkreis kaum beeinflusst, erläutert Raab. Ein Nachfragerückgang sei in diesem Jahr nicht erkennbar gewesen. Das Angebot an Immobilien bleibe weiter knapp und könne die Nachfrage nicht decken. Die Preise kletterten weiter in die Höhe. Im Schnitt müssten bereits 1,7 Millionen Euro für ein freistehendes Einfamilienhaus bezahlt werden, berichtet Raab. Je nach Kommune, Lage, Alter und dem energetischen Zustand habe der realisierte Kaufpreis für Eigentumswohnungen zwischen 1570 Euro pro Quadratmeter und 6025 Euro gelegen. Für Reihenhäuser müssten zwischen 225000 Euro und 700000 Euro bezahlt werden. Doppelhäuser kosteten zwischen 260000 Euro und 870000 Euro. Es gebe keine Anhaltspunkte, dass an der Preisfront in absehbarer Zeit eine Entspannung eintritt. Im Schnitt liege der Kaufpreis für eine Wohnimmobilie im Landkreis Ludwigsburg zwischen drei und sieben Prozent über dem Vorjahresniveau.

Christopher Gentzcke, Abteilungsdirektor des Immobiliencenter der Kreissparkasse, berichtet, dass die Kaufpreise von Neubauten auch in diesem Jahr gegenüber dem Vorjahr deutlich gestiegen seien. Er beruft sich auf den Cityreport Ludwigsburg des Immobilienverbands Deutschland, der Preissteigerungen für Neubauwohnungen in Ludwigsburg von bis zu 21,3 Prozent festgestellt hat. „Selbstverständlich gibt es jedoch lokal deutliche Unterschiede“, betont Gentzcke.

Nachfrage bleibt weiterhin größer als das Angebot

Die Situation am Immobilienmarkt wird nach Einschätzung der Kreissparkasse durch die anhaltende Verteuerung des Baumaterial etwas verschärft, aber sei bleibe dennoch stabil. Auch negative Konjunkturfaktoren wie eine steigende Inflationsrate, Lieferengpässe, Kurzarbeit oder Stellenabbau wegen der industriellen Transformation würden die Wirtschaft im Landkreis Ludwigsburg kaum beeinflussen, und somit bleibe auch die Kaufkraft erhalten. Die Kreissparkasse geht davon aus, dass nach wie vor die Nachfrage nach Immobilien im Landkreis größer bleibt als das Angebot. „Der Wunsch nach Wohneigentum bleibt ungebrochen“, sagt Raab.

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