Logo

„Der Mensch muss KI kontrollieren“

Bosch-Konzern untersucht Haltung der Bevölkerung zur künstlichen Intelligenz – Digitalchef sieht Diskussionsbedarf

Wenn es um den industriellen Einsatz geht, findet die anwendung von KI mehrheitliche Zustimmung in der Bevölkerung. Foto: Bosch
Wenn es um den industriellen Einsatz geht, findet die anwendung von KI mehrheitliche Zustimmung in der Bevölkerung. Foto: Bosch

Gerlingen. Künstliche Intelligenz (KI) dringt immer mehr in die Welt der Menschen vor, sei es bei der privaten Nutzung des Internets oder in der Arbeitswelt. KI gilt für die Zukunft als wichtigster Treiber in der Wirtschaft und für den Wohlstand. Doch wie steht es um das Vertrauen in die KI bei der Bevölkerung? Das hat der Technologiekonzern Bosch in einer repräsentativen Umfrage für den Bosch-KI-Zukunftskompass ermitteln lassen und am Dienstag vorgestellt.

Demnach spricht sich eine Mehrheit der Deutschen (60 Prozent) für einen vermehrten Einsatz von industrieller KI aus, wie etwa bei der Herstellung von Autos oder Flugzeugen. Mehr als zwei Drittel der Deutschen befürworten zudem KI-basierte Lösungen bei der Diagnose von Maschinenfehlern (77 Prozent) oder bei der Diagnose seltener Krankheiten (65 Prozent). Aber eine deutliche Mehrheit (85 Prozent) will auch, dass der Mensch die Kontrolle behält, also die Entscheidungen von künstlicher Intelligenz korrigieren können soll. Und 68 Prozent der repräsentativ befragten Deutschen ab 18 Jahre meint sogar, dass künstliche Intelligenz nur zum Gemeinwohl eingesetzt werden soll.

„Der Bosch-KI-Zukunftskompass zeigt, dass wir noch mehr über künstliche Intelligenz sprechen müssen“, so Michael Bolle laut Mitteilung. „Kunden und Anwender müssen nachvollziehen können, auf welchen Grundlagen eine KI bestimmte Entscheidungen trifft.“ Er fordert daher, dass ein Diskurs darüber auf gesellschaftlicher und nicht allein auf wirtschaftlicher Ebene zu führen sei. Die Frage der Akzeptanz ist letztlich auch für Bosch wichtig. So plant der Konzern, dass ab 2025 alle Boschprodukte über künstliche Intelligenz verfügen, damit entwickelt oder hergestellt werden sollen.

„Deutschland und Europa haben in der industriellen KI das Zeug zur Weltspitze“, sagte Michael Bolle, Bosch-Geschäftsführer sowie Chief Digital Officer und Chief Technology Officer, bei der digitalen Vorstellung. Gerade beim KI-Einsatz im industriellen Umfeld, etwa in der Qualitätskontrolle, zur Verbesserung der Energieeffizienz oder der Effizienz in der Fertigung, sei das Fach- und Domänenwissen in Deutschland und Europa einzigartig, so Bolle. Insofern wertet er die mehrheitliche Zustimmung zur industriellen KI als ermutigend. Denn mehr als zwei Drittel der Deutschen befürworten KI-basierte Lösungen vor allem bei der Fehlerdiagnose von Maschinen, bei der industriellen Produktion von Waren und Maschinen sowie in der Raumfahrt und anderen Hightech-Bereichen. In anderen Einsatzbereichen allerdings, etwa in der Krankenpflege oder bei der Anlageberatung, sind die Zustimmungsraten für den KI-Einsatz mit 40 Prozent beziehungsweise 31 Prozent deutlich geringer. Besonders gering ist das Vertrauen in die KI bei Personalentscheidungen oder in der Alten- und Krankenpflege mit jeweils sechs Prozent. Hier setzt die große Mehrheit noch auf den Menschen. Über alle Bereiche hinweg bewerten 53 Prozent der Deutschen den Einsatz von KI positiv (drei Viertel davon verbinden KI vor allem mit mehr Effizienz, besseren Arbeitsergebnissen oder höherer Sicherheit), während 36 Prozent eher negativ eingestellt sind, davon sind mehr als drei Viertel stark getrieben durch die Sorge vor Überwachung, Kontrollverlust, mangelnder Emotion oder fehlendem Datenschutz.

Es brauche klare, moralisch begründete Leitlinien nicht nur in Deutschland, sondern auf europäischer Ebene. Bosch habe sich mit einem KI-Kodex schon Anfang des Jahres einen klaren ethischen Rahmen gesteckt, so der Technik- und Digitalchef des Unternehmens: „Wir haben uns klar verpflichtet, dass KI dem Menschen dienen soll und nicht umgekehrt. Der Mensch muss immer die Kontrolle über die KI behalten.“ Zwei Drittel der Umfrageteilnehmer fordern, dass künstliche Intelligenz nur dem Allgemeinwohl dienen darf. Ebenfalls rund zwei Drittel wünschen sich, dass auf internationaler Ebene über die rechtlichen und ethischen Maßstäbe beim Einsatz von KI entschieden wird (38 Prozent global und 27 Prozent europäisch), lediglich 35 Prozent setzen auf eine nationale Strategie.

Autor: