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Die Engel kriegen auch ihren Anteil

Bernhard Webers Whisky Welt in Eberdingen gehört zu den besten Geschäften in ganz Deutschland

Zu besonderen Whisky-Anlässen schlüpft Bernhard Weber in seinen Kilt und wird so zu einem Highlander. Darauf Cheers, Prosit oder Slàinte mhath, wie die Schotten sagen. Foto: Weber
Zu besonderen Whisky-Anlässen schlüpft Bernhard Weber in seinen Kilt und wird so zu einem Highlander. Darauf Cheers, Prosit oder Slàinte mhath, wie die Schotten sagen. Foto: Weber

Eberdingen. „Whisky ist kein Getränk, Whisky ist eine Weltanschauung!“ Bernhard Weber zitiert den britischen Dichter, Dschungelbuch-Autor und Whisky-Fan Rudyard Kipling. „Whisky ist auch meine Leidenschaft und meine Berufung“, erklärt er. Der schottische „Single Malt“ ist für den Inhaber von Webers Whisky Welt in Eberdingen seit Jahrzehnten ein Lebenselixier. 2007 hat er sein Hobby zum Beruf gemacht, „in dem ich meine Leidenschaft und mein Herzblut für diese Spirituosen einsetzen und ausleben kann“. Dabei habe jeder Whisky seinen individuellen Charakter.

Als Mitglied im sogenannten Ambassador-Club, zählt Weber zu einem recht kleinen Kreis von etwa 100 Whiskykennern aus ganz Deutschland, die sich dem „uisge beatha“, wie das „Wasser des Lebens“ auf Gälisch heißt, verschrieben haben. Der Club hat ihn auch auf eine besondere Auszeichnung in diesem Jahr aufmerksam gemacht. So hat das in Fachkreisen bekannte Magazin Malt Whisky den Eberdinger in die Liste der 40 besten Whisky-Geschäfte in Deutschland aufgenommen. Im Südwesten zählen nur drei Whisky-Fachgeschäfte dazu, darunter auch Best Whisky (Stuttgart) und Whisky in Karlsruhe. „Da war ich richtig überrascht“, freut sich Weber im Rückblick über die Auszeichnung.

Wer sich in Fachgeschäften beraten lasse, erhalte Empfehlungen und profitiert von der Kenntnis des Betreibers, schrieb Malt Whisky anlässlich der Auszeichnung. Viele Läden hätten sich zudem auf besondere Abfüllungen und seltenere Whiskys spezialisiert, die man auch nicht an jeder Straßenecke finden könne, so dass „ungefilterte Whisky-Magazin“. Weber hat derzeit so um die 650 Whiskys – in 160 Sorten – in seinen Regalen stehen. Diese kann man auch testen. Der Großteil von ihnen sind „Schotten“, die mindestens drei Jahre, meist aber zwischen acht und bis zu 50 Jahren in ihren Fässern reifen können, ob es nun schon verwendete Bourbon-, Sherry- oder Madeira- oder Portweinfässer sind. Aus allen Regionen: Speyside, The Highlands, The Islands mit den Orekneys, Arran, Skye, Mull und Jura, den Lowlands, Campbeltown und der Isle of Islay.

Islay ist auch Webers Lieblingsregion, nicht nur wegen des stark rauchigen Geschmacks. „Dieser kommt daher, dass die Gerste nach der Mälzerei im Torfrauch getrocknet wird, je nach Destillerie zwischen vier und 40 Stunden“, weiß Weber. Besonders stark ausgeprägt sei die „Rauchigkeit“ bei den Inselwhiskys wie Lagavulin, Laphroaig, Ardbeg und Bruichladdich. Für Whisky-Neulinge sei dieser starke Geschmack etwas gewöhnungsbedürftig, meint er. Bei manchen dieser Whiskys spüre man im Gaumen auch die See, das Salz des Meeres und selbst den Seetang. „Wenn man Fässer viele Jahre lang am Meer lagert, nimmt der Whisky die Aromen aus der Umgebung auf – Salz, Jod und Seetang spielen hier eine große Rolle“, erklärt Weber.

Das Wasser aus dem Single Malts hergestellt wird, stammt aus brennereieigenen Quellen. Auf seinem langen Weg hat das Wasser den Geschmack von Torf, Gesteinsarten, Heide- und anderer Kräuter, Moor und Moos aufgenommen. Deshalb hat auch das Quellwasser einen individuellen Charakter und beeinflusst damit den Geschmack des Whiskys.

Doch auch Whiskys aus den Vereinigten Staaten, Kannada, Irland und Wales stehen bei Weber im Regal. „Die Waliser brennen einen sehr guten Whisky“, verrät der Kenner. Doch auch der amerikanische Whisky ist bei weitem kein Fusel mehr, der sich bestenfalls zum Mischen mit Coca Cola eignet. „In den vergangenen zehn Jahren hat sich da qualitativ viel verändert“, weiß Weber. „Es gibt in den USA Brennereien, die setzen auf Handarbeit, so wie die Schotten“, betont der Whisky-Kenner.

Offenbar schätzen den Legenden nach auch die Engel „das flüssige Gold“ Schottlands sehr und holen sich regelmäßig ihren Anteil. „Angels’ share“ nennen dies die Schotten. Während des Reifungsprozesses in Eichenholzfässern entsteht ein Verdunstungsverlust von durchschnittlich zwei Prozent im Jahr.

Whiskys, die in Fassstärke (um 60 Prozent Alkohol oder darüber) abgefüllt wurden, sind ohne Zugabe von Wasser häufig zu stark, um sie genießen zu können. „Wenn man Wasser zugibt, werden die Schärfe des Alkohols gemindert und die Aromen des Whiskys freigesetzt“, betont Weber. Zum Einsatz kommen Pipetten, Tropfen für Tropfen kommt Wasser dazu, mit fast jedem Tropfen verändert sich der Geschmack. Puristen setzen auf schottisches Highland-Quellwasser. Der schwäbische Experte winkt ab. „Zum Verdünnen eignet sich am besten ein gutes, weiches und kohlensäurefreies Mineralwasser – zum Beispiel aus dem Schwarzwald.“ Man könne aber auch durchaus gutes Leitungswasser verwenden.

Beim Thema Eiswürfel verzieht Weber das Gesicht: Dies sei nicht empfehlenswert, da die Kälte des Eises die Aromen des Whiskys stark beeinträchtige oder sogar niederschlage. „Schottischer Whisky sollte wohltemperiert – bei Zimmertemperatur – genossen werden.“ Offenbar spielt auch das richtige Glas eine Rolle, um die Aromen freizusetzen. „Ideal ist eine Sherrytulpe oder das Nosingglass – ein Whiskytestglas.“

„Die Whisky-Tradition geht bis ins fünfte Jahrhundert zurück“, weiß der Experte. Urkundlich erwähnt wurde das „uisge beatha“ allerdings erst im elften Jahrhundert. Seit dieser Zeit bis ins 15. Jahrhundert hinein wurde Whisky zumeist in Klöstern von den Mönchen gebrannt. „Zu medizinischen Zwecken“, erzählt Weber, der diese Tradition auch selbst pflegt. „Wenn ich eine Erkältung im Anzug spüre, trinke ich abends einen sehr rauchigen Whisky, der wirkt besser als Medikamente“, meint er mit einem Augenzwinkern – und erinnert an den Leibarzt von Queen Victoria. Dieser habe bei Erkältungskrankheiten dazu geraten, sich ins Bett zu legen, einen Hut am Fußende zu platzieren und so viel Whisky zu trinken, bis man zwei Hüte sehe. Bernhard Weber schmunzelt.

„Man muss auch immer im Auge behalten, dass es sich um eine Spirituose handelt“, schränkt er ein und wendet sich gegen Alkoholismus. „Beim Whisky steht immer der Genuss im Vordergrund, nicht die Menge an Alkohol, die man trinkt.“

Nicht erst seit Beginn der Coronapandemie pflegt Bernhard Weber individuelle Öffnungszeiten – nach telefonischer Voranmeldung. Offiziell geöffnet hat Webers Whisky Welt nur am Mittwochnachmittag. Insofern hat Corona den Whisky-Umsatz nicht sehr getroffen. Anders sieht es bei den kulinarischen Whisky-Tastings aus. Weber bietet normalerweise etwa 100 Tastings im Jahr an. Daher hat auch ihn der wochenlange Lockdown schwer getroffen.

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