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Ein bodenständiger Pastaproduzent

Björn Köhler, in Besigheim aufgewachsen, leitet bei München eine der größten Nudelfirmen Europas. Jetzt hat der 41-Jährige ein Unternehmen gegründet, das die Umwelt schützen helfen soll. Das erste Produkt ist ein nachhaltiger Trinkhalm.

Zu Besuch in der alten Heimat: Björn Köhler an einem Samstagvormittag vor dem Rathaus und dem Markt in Besigheim. Dort besucht der Geschäftsführer des Nudelunternehmens Bernbacher regelmäßig seine Eltern. Foto: Andreas Becker
Zu Besuch in der alten Heimat: Björn Köhler an einem Samstagvormittag vor dem Rathaus und dem Markt in Besigheim. Dort besucht der Geschäftsführer des Nudelunternehmens Bernbacher regelmäßig seine Eltern. Foto: Andreas Becker

Besigheim/Hohenbrunn. Am Chiemsee lebt es sich gut, das weiß auch Björn Köhler, der dort zusammen mit Frau Christiane und dreieinhalbjähriger Tochter Cathalea wohnt. Trotzdem kehrt der 41-Jährige immer wieder und gern nach Hause zurück, nach Besigheim, wo er aufgewachsen, in den Kindergarten und zur Schule gegangen ist. Er besucht dann seine Eltern im Ortsteil Schimmelfeld, schläft in seinem früheren Kinderzimmer, in dem er schon vor Jahrzehnten übernachtet hat.

Er sei bodenständig und „im Herzen weiter Besigheimer“, betont Köhler. Der Geschäftsführer der bayerischen Nudelfirma Bernbacher und des dazugehörenden Unternehmens Pasta Teigwaren plant seine Kundentermine und Jahresgespräche mit Supermarkt- und Discounter-Leitungen im Ländle oft rund ums Winzerfest. Dann koppelt er seine Geschäftstermine mit einem Heimatbesuch, um sich dort mit alten Freunden und früheren Klassenkameraden zu treffen.

Köhler hofft, künftige Winzerfeste mit einem Produkt auszustatten, das er als Chef einer weiteren, 2020 gegründeten Firma namens 2Grad entwickelt hat: ein Trinkhalm auf Basis von Hartweizengrieß, der biologisch abbaubar und in „hundert Prozent recyclingfähigem Papier“ abgepackt ist. „Auch die Farben auf der Verpackung sind wasserlöslich“, sagt Köhler. Er ist sich sicher: „Solche Produkte sind die Zukunft.“ Die beginnt schon im Juli dieses Jahres, wenn nach EU-Verordnung der Verkauf von Gegenständen aus Einwegplastik (wie Trinkhalme) verboten sein wird.

Verkauf im Handel für 2021 geplant

Köhler gründete die Firma 2Grad, um nachhaltige, umweltfreundliche Produkte zu vermarkten. „Mich hat es schon immer aufgeregt, wenn Trinkhalme aus Plastik einfach weggeschmissen werden, sobald ein Getränk geleert worden ist.“ Der biologisch abbaubaren Halm-Variante gab er den Markennamen „Protect Planet Earth“ (Beschützt den Planeten Erde). Nach deren Produktion beginnt nun der Vertrieb, zunächst über das Internet, später im Jahr soll sie auch in den Handel kommen. 100 Stück Hartweizengrieß-Halme kosten laut Köhler etwa zwei Euro. „Die komplette Kette liegt in der Hand unserer Firma“ – vom Einkauf der Rohstoffe über die Produktion bis zum Verkauf. Dem Trinkhalm, hergestellt auf Basis des Nudel-Rohstoffs, sollen weitere „2Grad“-Produkte folgen.

Köhler ist Unternehmer, deshalb will er mit dem Produkt natürlich auch Geld verdienen. Die Halme werden mit den Maschinen des Nudelunternehmens Bernbacher produziert, die speziell dafür umgebaut wurden. Der Betrieb gehört, zusammen mit der angegliederten Firma Pasta Teigwaren, zu den größten europäischen Akteuren der Branche: Das Firmenduo mit 130 Mitarbeitern verkauft laut Köhler 35000 Tonnen Nudeln pro Jahr, der jährliche Umsatz liege in einem mittleren zweistelligen Millionenbereich. „Wir liefern nach ganz Europa, zu kleineren Teilen auch in die USA und auch immer mehr nach Asien“, sagt der Firmenchef mit Besigheimer Wurzeln.

Bernbacher ist laut Köhler die zwölftälteste Firma in Deutschland, 1684 gegründet „und bis heute in Familienbesitz“. Nudeln produziert sie „erst“ seit dem Jahr 1898. Fast 120 Jahre später, 2017, stieg Köhler als Geschäftsführer in das Unternehmen ein, seitdem leitet er es zusammen mit zwei Nachfahren der Gründer-Familie.

Bernbacher verkauft seine Marke im Lebensmitteleinzelhandel, das ist die erste Säule des Betriebs. Regionalität spiele in der Firma eine große Rolle, sagt Köhler, „wir kennen unsere Bauern“. Über eine spezielle Nummer auf jeder Packung könne das Unternehmen nachvollziehen, „auf welchem Feld der Hartweizengrieß gewachsen ist und woher die Eier stammen. Wir können jeden einzelnen Herkunftsschritt nachvollziehen.“ Bei den Waren für Discounter ist das nicht so, bei ihnen stammen die Rohstoffe auch nicht aus Bayern, sondern aus der gesamten EU, auch deshalb sind diese Produkte für Verbraucher günstiger.

Die zu Bernbacher gehörende Firma Pasta Teigwaren – die zweite Säule des Betriebs – kümmert sich um das Handelsmarkengeschäft: Die Vertriebsgesellschaft liefert Nudeln an Discounter unter deren Eigenmarken. Was es bei den Discounter-Artikeln auch nicht gebe, dafür aber bei denen von Bernbacher: „Alle Verpackungen werden künftig aus Papier sein und können in der Papiertonne entsorgt werden“, so Köhler.

Mehr Nudeln auf dem Esstisch

Das Unternehmen Bernbacher ruht auf zwei weiteren Säulen: Es stellt Nudeln für die weiterverarbeitende Industrie her, etwa für Nudelsalate oder Fertiggerichte. Und es beliefert den Großverbrauchermarkt, beispielsweise Gaststätten, Krankenhäuser oder Kantinen. Bricht eine Säule weg, wie in der Coronakrise durch die Schließung des Gastgewerbes, dann „halten die anderen Säulen das Bernbacher-Haus aufrecht“, sagt Köhler. Das Unternehmen komme gut durch die Krise – auch deshalb, weil in den Lockdowns der Pasta-Konsum zu Hause „deutlich gestiegen“ sei. Außerdem schwanke die Auftragslage bei Lebensmittelherstellern weniger wie etwa auf dem Automarkt oder im Maschinenbau. Denn, so Köhler: „Gegessen wird immer.“

Zur Person:

Björn Köhler, 1979 in Bietigheim geboren, wuchs in Besigheim auf. Schon seine Großeltern waren dort zur Welt gekommen. Seine Mutter wurde im alten Besigheimer Krankenhaus geboren, sein Vater stammt aus Freudental. Seine Familie bezeichnet Köhler als „klassische Mittelschicht“. Der Vater war Werkzeugmacher (und Fußballtrainer bei der Spvgg Besigheim), die Mutter Industriekauffrau. Der Sohn war das erste Familienmitglied, das studierte. Björn Köhler hatte davor eine Ausbildung in der Besigheimer Stadtverwaltung absolviert und später die Fachhochschulreife in Bietigheim gemacht. Er absolvierte seinen Zivildienst in Kempten im Allgäu (wo er in der Mittagspause oft Skifahren war), studierte dort und außerdem, zwei Semester lang, im kalifornischen Los Angeles. Später arbeitete Köhler für Lidl International im Einkauf und Marketing und für die Käserei Alpenhain. 2017 wurde er Geschäftsführer der Nudelfirma Bernbacher im bayerischen Hohenbrunn bei München. (wd)

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