Logo

Frankfurter Modell ist im Kreis kein Thema

Seit einem Jahr machen Deutschlands zweitgrößte Volksbank in Frankfurt und eine Sparkasse gemeinsame Sache: Sie kooperieren als Partner und wollen zwei Dutzend Filialen zusammen betreiben. Auch im Landkreis Ludwigsburg ist die Zusammenarbeit zwischen den Genossenschaftsbanken und der Kreissparkasse Ludwigsburg schon lange kein Fremdwort mehr.

Im Dienst der Kunden: Kreissparkassenchef Heinz-Werner Schulte (links) und Frank Böhrkircher, Vorstandssprecher der Volksbank Remseck (Mitte), und Voba-Vorstand Oliver Hoidn (rechts), bei der Einweihung der SB-Filiale am Remsecker Rathaus im Juli 202
Im Dienst der Kunden: Kreissparkassenchef Heinz-Werner Schulte (links) und Frank Böhrkircher, Vorstandssprecher der Volksbank Remseck (Mitte), und Voba-Vorstand Oliver Hoidn (rechts), bei der Einweihung der SB-Filiale am Remsecker Rathaus im Juli 2020. Foto: privat

Remseck/Ludwigsburg. Sie legen 50 ihrer Filialen zusammen: „Finanzpunkte“ nennen die Frankfurter Volksbank und die Taunus Sparkasse ihre insgesamt 26 Geschäftsstellen, die sie künftig gemeinsam betreiben wollen. Bis Jahresende sollen allen Filialen fertiggestellt werden, innerhalb von drei Jahren sollen fünf Millionen Euro in sie investiert worden sein. 16 der „Finanzpunkte“ bestehen schon. Das Konzept dazu wurde bereits im Herbst 2019 vorgestellt, in der Weihnachtszeit die Erste Filiale eröffnet. Nach ihren Angaben ist das ein Modell, das es in dieser Form noch nicht gibt. „Erstmalig haben mit unseren Instituten eine Sparkasse und eine Volksbank eine flächendeckende Kooperation vereinbart“, sagte die Chefin der Frankfurter Volksbank Eva Wunsch-Weber. Die beiden Geldhäuser wollen ihre Filialen jeweils zwei Tage in der Woche besetzen. Immer wenn Volksbank-Mitarbeiter vor Ort sind, leuchtet der von außen sichtbare Beratungstresen in Blau. Wenn die Sparkasse dran ist, leuchtet er in Rot.

Doch ganz so einzigartig sind Kooperationen von Volksbanken und Sparkassen nicht. Die Volksbank Remseck (Voba) und die Kreissparkasse Ludwigsburg (KSK)) haben vor einigen Wochen erst ein Gemeinschaftsprojekt umgesetzt. Die neue SB-Filiale am Rathaus in der Neuen Mitte von Remseck steht den Kunden beider Geldhäuser kostenlos zur Verfügung. Kreissparkassenchef Heinz- Werner Schulte hatte zur Eröffnung betont: „Selbstverständlich ist die Kreissparkasse im zukünftigen Herzen der Stadt präsent.“ „Die Volksbank will ihren Kunden die Möglichkeit bieten, zentral in Remseck Bargeld abzuheben“, sagte Frank Böhrkircher, Vorstandssprecher der Volksbank Remseck im Juli dazu. Nun ist die Kreissparkasse mit fünf Filialen und SB-Filialen in der Stadt vertreten, die Volksbank mit sieben Standorten. „Die Zentrale in Aldingen und die Filiale in Pattonville sind personenbesetzt“, sagt Oliver Hoidn, Vorstand der Volksbank Remseck. Eine Zwischenbilanz zum neuen Standort können die Geldhäuser noch nicht ziehen. Das sei verfrüht. „Allerdings kooperieren die Kreissparkasse und die Voba Remseck bereits seit längerem an anderen Standorten sehr erfolgreich“, erklärt ein KSK-Sprecher dazu – so in Neckarrems, Hochdorf und bis zur Eröffnung der Neuen Mitte in Neckargröningen. „Kunden beider Häuser können jeweils SB-Filialen des anderen Institutes nutzen.“ Hoidn nennt dies ein „gutes Modell, um die Bargeldversorgung sicherzustellen“.

Doch es gibt noch mehr Kooperationen zwischen der Kreissparkasse Ludwigsburg und den Genossenschaftsbanken. „Seit Jahren betreiben wir gemeinsame SB-Filialen in Asperg zusammen mit der VR-Bank Asperg-Markgröningen und in Besigheim“, sagt der KSK-Sprecher. „Der neue, erst vor wenigen Tagen in Betrieb genommene Cashpoint in Vaihingen-Ensingen wird gemeinsam von unseren Kunden und denen der VR-Bank Neckar-Enz genutzt.“ Aktuell laufen Gespräche mit Genossenschaftsbanken, aus denen weitere Kooperationen resultieren können. „Wir stehen sinnvollen Gemeinschaftsprojekten immer positiv gegenüber. Entscheidend ist stets der Kundennutzen“, erklärt der KSK-Sprecher.

Auch in der Coronazeit hat sich die Bereitschaft zur übergreifenden Zusammenarbeit im Kreis Ludwigsburg gezeigt: So haben die Kreissparkasse und mehrere Genossenschaftsbanken ihre Geldautomaten für die jeweils anderen Kunden über Wochen kostenfrei zur Verfügung gestellt. „Diese Kooperationen wurden unbürokratisch per Handschlag vereinbart.“ Genauso der gemeinsame elektronische Marktplat, bei dem die regionalen Unternehmen ihre Produkte und Dienstleistungen einstellen können. „

Doch kann die Frankfurter „Volks-Sparkasse“ in Zeiten stetig zunehmender Online-Bankgeschäfte zum Patentrezept für die Bankbranche werden, die einerseits Kosten senken muss, andererseits aber auch auf dem Land bei der Kundschaft präsent bleiben will? „Wie alle Banken und Sparkassen beobachten auch wir die bundesweit erste größere Filialkooperation einer Volksbank und einer Sparkasse in Frankfurt am Main sehr genau“, betont der Sprecher der Kreissparkasse dazu. „Das Modell ist jedoch für uns in Bezug auf personenbesetzte Filialen derzeit kein Thema.“ Für eine Zusammenarbeit bei personenbesetzten Filialen, wie sie die KSK bereits vor Jahren in Vaihingen-Aurich betrieben habe, bestehe keine Veranlassung. „Für die Volksbank Remseck ist so eine Kooperation bei den personenbesetzten Geschäftsstellen kein Thema“, bekräftigt Oliver Hoidn. Die kleinste Genossenschaftsbank im Kreis erteilte zudem bereits bei der letzten Bilanzvorlage jeglichen Fusionsgedanken eine Absage.

„Mit 58 personenbesetzten Filialen ist unser Filialnetz nach wie vor sehr engmaschig und kundennah. Jeder Kunde kann in wenigen Minuten eine Filiale erreichen. Und so soll es auch bleiben“, so der KSK-Sprecher. Die Volksbank Remseck wird auch die Selbstbedienungsgeschäftsstelle in Neckarrems samt Kontoauszugsdrucker weiter erhalten.

Die Präsenz vor Ort ist bei der Frankfurter „Volks-Sparkasse“ ebenfalls ein Thema. „Wir wollten nicht dem üblichen Reflex folgen, die Geschäftsstellen einfach irgendwann zu schließen“, erklärte Oliver Klink, Chef der Taunus Sparkasse (Bad Homburg) dazu. Auch wenn Kunden nicht mehr so oft in die Filiale kämen, wolle man ihnen zeigen, dass man vor Ort bleibe, so Klink.

Hinsichtlich der Wiedereröffnung der coronabedingt noch geschlossenen sechs Filialen der Kreissparkasse Ludwigsburg gibt es noch keinen festen Fahrplan. „Wir verfolgen Tag für Tag die Entwicklung der Pandemie sowie deren Folgen und werden zum gegebenen Zeitpunkt Entscheidungen treffen, vor allem dann, wenn mehr Sicherheit besteht“, erklärt der Sprecher.

Autor: