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Hoffen auf die Back-to-Office-Partys

Freetime Events GmbH stemmt sich in Benningen mit der Winkelwerk Genussmanufaktur gegen die Coronakrise

Der große Veranstaltungssaal in Benningen ist zwar leer, aber die Geschenkboxen sind voll: Winkelwerk-Chef Marcel Leuze zeigt hier als seine neue Geschäftsidee die Präsentkisten und -körbe, die er über einen Onlineshop vertreibt.
Der große Veranstaltungssaal in Benningen ist zwar leer, aber die Geschenkboxen sind voll: Winkelwerk-Chef Marcel Leuze zeigt hier als seine neue Geschäftsidee die Präsentkisten und -körbe, die er über einen Onlineshop vertreibt.

Benningen. Schön hat es Marcel Leuze im Winkelwerk am Schickhardt-Ring in Benningen. Das Gebäude, das Räume und eine Dachterrasse für Feiern, Konferenzen, Messen oder große Abendveranstaltungen bietet, ist perfekt durchgestylt. Weiß- und Grautöne dominieren. Schwarze Lampen, bronzefarbene Vasen, edles Holzmobiliar und türkisfarbene Polsterstühle setzen moderne Akzente. Hausherr Leuze spricht von Hoteleleganz, wenn er die Atmosphäre in seiner neuen Eventlocation beschreibt. Ein Highlight ist die mit Blattgold verkleidete Wand im Foyer. „Bitte nicht abkratzen“, sagt der Veranstaltungsunternehmer und schmunzelt. Viel zu lachen hat der 33-Jährige derzeit aber nicht. Corona bremst ihn seit einem Jahr aus.

Alle Mitarbeiter sind zu

hundert Prozent in Kurzarbeit

Allein steht Leuze im Saal mit dem Namen 240 Grad, der so heißt, weil er 240 Quadratmeter groß ist, aber keinen rechten Winkel hat. Wegen der verwinkelten Architektur des Gebäudes heißt das Unternehmen auch Winkelwerk. Im Frühjahr vergangenen Jahres war die Eröffnung, doch dann kam der Lockdown. „Das war die absolute Katastrophe“, sagt Leuze. Seitdem stehen die Veranstaltungsräume leer. Unbenutzt ist eine edelstahlglänzende Profiküche im Untergeschoss, in der Fingerfood oder Köstlichkeiten für große Buffets zubereitet werden könnten. In einem Hochregallager, das die gesamte Gebäudehöhe einnimmt, stapeln sich Utensilien wie Grillgeräte, Tischdeko-Artikel oder Wein-, Sekt- und Cocktailgläser, die seit Monaten nicht mehr zum Einsatz gekommen sind. Die 30 Mitarbeiter des Winkelwerks sind alle zu hundert Prozent in Kurzarbeit. Auch mit Leuzes Catering, das er mit seiner Freetime Events GmbH anbietet, läuft gerade nichts mehr.

Doch der studierte Betriebswirt, der in das Winkewerk insgesamt 2,5 Millionen Euro investiert hat, will sich nicht unterkriegen lassen und stemmt sich mit einer neuen Geschäftsidee gegen die Coronakrise, von der seine Branche besonders hart getroffen ist. „Im vergangenen Jahr hatten wir nur den August, den September und den halben Oktober für unser Geschäft“, klagt er. Leuze, der in Murr aufgewachsen ist, gründet, um den Schaden wenigstens etwas zu kompensieren, ein neues Unternehmen: die Winkelwerk Genussmanufaktur, die im vergangenen November gestartet ist.

Bei der Genussmanufaktur setzt Leuze auf Nachhaltigkeit. Wegen des Verpackungsaufwands hält er nichts vom To-go-Konzept, da meistens Styropor verwendet werde. Leuze bietet deshalb Geschenkboxen aus Holz und Geschenkkörbe aus Pappe an. Gefüllt sind sie mit Leckereien aus der Region und natürlich haben die meisten ein Biosiegel. Auch Spirituosen, hergestellt in einer kleinen Murrer Brennerei, oder mit Blüten, Chili und Paprika verfeinerte Salze sind im Angebot. „Nichts ist von der Stange“, betont Leuze. Bestellt werden kann über einen Onlineshop. „Das läuft gut“, sagt er. Erst kürzlich habe ein Unternehmen aus Bietigheim-Bissingen 60 dieser Geschenkkörbe für seine Jubilare bestellt. Jetzt hofft Leuze auf einen Bestellschub für den Muttertag. Für jeden Geldbeutel hat seine Genussmanufaktur etwas im Sortiment. Die Preisspanne reicht von sieben Euro bis 140 Euro.

Leuze ist optimistisch. Auch wenn die Coronakrise nun schon länger andauert als befürchtet, sieht er für seine Branche gute Signale. „Viele Firmen bereiten für den Herbst Back-to-Office-Partys vor“, berichtet er. Da seien die Dienstleistungen seiner Freetime Events GmbH stark gefragt. Allerdings bleibe doch eine Ungewissheit, wie es weitergehen wird.

Langjährige Erfahrung gibt

Potenzial für die Zukunft

Entmutigen lässt sich der Firmengründer nicht. Die Freetime Events GmbH, deren Geschäftsführer er ist, sei seit 15 Jahren erfolgreich in der Branche unterwegs und zähle zu den führenden Eventcatering-Unternehmen im Großraum Stuttgart, betont Leuze, der davon überzeugt ist, dass seine Firma genügend Erfahrung und Potenzial hat, um wegen Corona nicht aus der Bahn geworfen zu werden. „Ab 2007 ging es sprunghaft nach oben, und 2020 ging es wie ein Pfeil nach unten“, berichtet der Unternehmer. Er wünscht sich von der Politik deutlich mehr Planungssicherheit. Auch fordert er weniger Bürokratie, wenn es um die Beantragung von Coronahilfen geht. „Ohne Steuerberater schafft man das nicht“, stellt er fest. Auch die Freetime Events GmbH hat einen sechsstelligen Betrag an November- und Dezemberhilfen erhalten, die allerdings erst Mitte März vollständig eintrafen. Jetzt beantragt Leuze Stabilisierungshilfe.

Die Situation seines Unternehmens bewertet er inzwischen deutlich besser als noch vor einem halben Jahr, zum einen weil der Bund bei der Coronahilfe nachgelegt hat, und zum anderen weil die Auftragslage gut ist. „Ohne Corona hätten wir in diesem Jahr einen Umsatz von zwei Millionen Euro geschafft“, sagt Leuze, der optimistisch ist, dass sich seine Umsatzerwartung im nächsten Jahr erfüllt.

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