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Jetter erweitert die Produktion

Die Jetter AG muss am Standort in Ludwigsburg-Neckarweihingen ihre Produktionskapazitäten vorübergehend ausbauen. Archivfoto: Jörg Eberl
Die Jetter AG muss am Standort in Ludwigsburg-Neckarweihingen ihre Produktionskapazitäten vorübergehend ausbauen. Archivfoto: Jörg Eberl
Ludwigsburger Unternehmen profitiert von Expansion eines Schwesterkonzerns – Lösungen noch am alten Standort nötig

Ludwigsburg. Beim Ludwigsburger Unternehmen Jetter AG stehen die Zeichen auf Wachstum. Der Spezialist für Automatisierungstechnik kann in den nächsten Jahren mit einer steigenden Produktionsauslastung rechnen. Grund: Der schweizerische Schwesterkonzern Bucher Hydraulics hat vom Schweizer Automatisierungsspezialisten Lenze Schmidhauser das Geschäft für mobile elektrische Antriebstechnik – Lenze Mobile Drives – übernommen.

„Durch die Zugehörigkeit zu unserem Mutterkonzern Bucher Industries profitieren wir sehr von der Akquisition von Bucher Hydraulics – unserer Schwester und gutem Kunden“, erklärt Christian Benz, Vorsitzender der Geschäftsführung der Jetter AG. Wie es in einer Mitteilung weiter heißt, entwickelt und produziert Lenze Mobile Drives Leistungselektronik für mobile Anwendungen in der Elektromobilität. Das Produktportfolio umfasst Umrichter und Wandler für elektrische Nebenantriebe, die aktuell insbesondere in Nutzfahrzeugen und mobilen Arbeitsmaschinen eingesetzt werden. „Auch wir haben jahrelange Erfahrung in der Produktion von mobilen Komponenten, insbesondere auch im Hochvoltbereich“, sagt Benz. Zudem gilt Jetter als Spezialist für die mobile Automation: Steuerungs- und Antriebstechnik des Ludwigsburger Unternehmens ist laut Jetter Standard in vielen Kommunalfahrzeugen und Landtechnikmaschinen. „Damit ist die Produktion von Lenze Mobile Drives zukünftig bei uns bestens aufgehoben“, zeigt sich Benz zufrieden über das neue Geschäft. Außerdem steht für die Abnahme der neuen Produkte Bucher Hydraulics parat.

Doch diese Entwicklung hat jetzt auch Folgen für die Kapazitäten am Standort Ludwigsburg. Während Entwicklung und Vertrieb zu Bucher Hydraulic kommen, wird Jetter die Herstellung übernehmen. Allerdings verbleibt die Produktion vorerst am Hauptsitz von Lenze in Aerzen in Deutschland und wird in den nächsten Jahren in Jetter überführt. Wie Jetter-Marketing-Chef Jochen Weyershäuser gegenüber unserer Zeitung sagte, müsse Jetter für die höhere Produktionsauslastung zunächst die Kapazitäten am Standort Ludwigsburg ausbauen, wo 200 der insgesamt 300 in Deutschland beschäftigten Mitarbeiter tätig sind. Weyershäuser: „Wir wollen die zusätzlichen Kapazitäten in Ludwigsburg-Neckarweihingen im Bestand sowie durch Anmietung erreichen.“ Doch längerfristig soll das höhere Produktionsvolumen und das künftige Wachstum vor allem im geplanten Neubau im Technologiepark Marbach abgedeckt werden, so Weyershäuser. Das würde auch bedeuten, dass mehr Personal erforderlich sein wird.

Wie schon berichtet, wird Jetter den Standort Neckarweihingen verlassen, weil es dort dem Hersteller von Automatisierungssystemen für den Maschinen- und Anlagenbau längst zu eng geworden. Das Unternehmen ist derzeit auf 8000 Quadratmetern in verschiedenen Gebäuden verteilt. Im Technologiepark Marbach, wo künftig der Hauptsitz für Verwaltung, Entwicklung und Produktion sein wird, stehen Jetter dann rund 11000 Quadratmeter zur Verfügung. Der Neubau ist derzeit noch in Planung, Baubeginn soll nach Möglichkeit im nächsten Jahr sein, hieß es. Da der neue Standort auf Wachstum ausgelegt ist, kann laut Weyershäuser der der zusätzliche Produktionsbedarf dort abgedeckt werden.

Jetter gehört seit 2015 ganz zum schweizerischen Konzern Bucher Industries (Maschinen- und Fahrzeugbau sowie Hydraulikkomponenten). Das Unternehmen hatte in den Jahren davor seine Anteile an der Jetter AG kontinuierlich aufgestockt.

Innerhalb des Bucher-Konzerns gehört Jetter zu Division Bucher Specials, die in vier Geschäftseinheiten aufgeteilt ist, wobei der Fokus auf Anlagen für die Herstellung von Wein, Fruchtsaft, Bier und Instantprodukten liegt. Außerdem handelt die Division mit Traktoren und Spezial- Landmaschinen sowie Automatisierungslösungen. Diese Division erzielte 2020 laut Geschäftsbericht einen Nettoumsatz von 273 Millionen Schweizer Franken (248,8 Millionen Euro) und einen Betriebsgewinn vor Zinsen und Steuern von sieben Millionen Franken (6,38 Millionen Euro).

Für die Geschäftseinheiten weist Bucher keine Zahlen aus, aber wie eine Pressesprecherin auf Anfrage mitteilte, liege der Anteil von Jetter bei etwas weniger als 25 Prozent. Und die Division Bucher Specials habe laut Sprecherin innerhalb des Konzerns einen Umsatzanteil von etwa zehn Prozent. Bucher Industries erzielte 2020 Umsatzerlöse in Höhe von 2,8 Milliarden Schweizer Franken (2,9 Milliarden Euro) und einen Konzerngewinn von 151,9 Milliarden Franken(138,8 Millionen Euro).