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Maultaschenhersteller spürt Coronakrise

Pandemie beschert Bürger starken Umsatzrückgang – Geschäft mit Kantinen und Gastronomie eingebrochen

Das Geschäft im Einzelhandel macht Bürger-Chef Martin Bihlmaier Freude. Sorgen bereiten ihm die Großkunden. Foto: Marijan Murat/dpa
Das Geschäft im Einzelhandel macht Bürger-Chef Martin Bihlmaier Freude. Sorgen bereiten ihm die Großkunden. Foto: Marijan Murat/dpa

Ditzingen. Die Coronapandemie hat auch Bürger zu spüren bekommen. Nach Jahren des permanenten Wachstums musste der Ditzinger Marktführer für schwäbische Teigwaren im vergangenen Jahr einen Rückgang hinnehmen. Nach dem Rekordergebnis von 2019 mit 223,7 Millionen Euro sank der Umsatz im Jahr 2020 auf 203,6 Millionen Euro. Angaben zum Gewinn machte das Unternehmen keine. „Durch die weitreichenden Auswirkungen der Coronakrise konnten wir das abgelaufene Geschäftsjahr nicht so erfolgreich wie erhofft beenden“, begründet Geschäftsführer Martin Bihlmaier das Ergebnis.

Der Absatz lag allerdings nur leicht unter dem Niveau des Vorjahres, teilte das Unternehmen weiter mit. Bürger produzierte im Werk Crailsheim (Kreis Schwäbisch Hall) sowie am Firmensitz in Ditzingen insgesamt 81325 Tonnen hochwertige Lebensmittel (2019: 81897 Tonnen). „Produkte mit schneller und einfacher Zubereitung, wie unsere Maultaschen, Schupfnudeln, Spätzle oder andere Teigwaren aus unserem reichhaltigen Sortiment, waren 2020 sehr gefragt“, konstatiert Vertriebschef Boris Bauer.

Dennoch verlief das Geschäftsjahr 2020 für das traditionsreiche Familienunternehmen turbulent und war geprägt vom coronabedingten Lockdown mit monatelangen Schließungen und Einschränkungen von Gastronomie, Mensen, Kantinen und ähnlichen Einrichtungen. „Das ertragsstarke Großverbraucher-Geschäft ist extrem eingebrochen“, berichtet Martin Bihlmaier. Diese Rückgänge hätten auch durch starke Zuwächse im Lebensmittel-Einzelhandel nicht kompensiert werden können.

Für das laufende Jahr bleibt Geschäftsführer Martin Bihlmaier vorsichtig optimistisch. „Eine Prognose ist schwierig. Die Zukunft hängt davon ab, wie lange die Coronapandemie und die damit verbundenen Einschränkungen dauern“, sagt er. Positiv sei, dass bei den Verbrauchern der Trend zu frischen und schnell zuzubereitenden Produkten anhalte. Allerdings hält es Martin Bihlmaier für „unwahrscheinlich“, dass der Großverbraucher-Bereich und die Gastronomie das Vorkrisenniveau erreichen können. „Homeoffice, Büroschließungen und die Reduzierung des Kantinenbetriebs sprechen nicht für eine rasche Erholung.“

Bürger will im laufenden Geschäftsjahr weitere innovative Produktneuheiten einführen: Im Mittelpunkt steht die Erweiterung des vegetarischen und veganen Sortiments, das bei den Verbrauchern immer beliebter wird. Auch der Bereich Beilagen steht 2021 im Fokus. Im März wird der Marktführer vegetarische Spinat-Maultaschen mit leckerer Blattspinat-Füllung auf den Markt bringen. Weiter forcieren will Bürger auch die intern als „Attacke Deutschland“ bezeichnete Wachstumsstrategie, bei der es darum geht, die schwäbischen Spezialitäten noch mehr im Westen, Norden und Osten des Landes zu platzieren.

Millionen-Investitionen geplant

Auch in der Coronakrise investiert Bürger weiter ins Unternehmen. Bereits im Sommer 2020 begann im Werk Crailsheim der Neubau der energieeffizienteren Kältezentrale. Inzwischen wurde auch der Bauantrag für das neue Logistikzentrum eingereicht. Der Baustart ist noch in diesem Jahr geplant. Das Vorhaben ist mit 25 Millionen Euro die größte Einzelinvestition der Firmengeschichte. Im Werk Crailsheim läuft seit 1983 der Großteil der Produkte vom Band. Am Firmensitz in Ditzingen ist die Verwaltung etabliert; dort werden ebenfalls ausgewählte Lebensmittel hergestellt, vor allem tiefgekühlte Fertiggerichte. Zum Jahresende 2020 beschäftigte Bürger knapp 1000 Mitarbeiter, davon 783 in Crailsheim und 201 in Ditzingen. (red)