Logo

Neuaufträge dringend benötigt

Kraftfahrzeuginnung: Bestände sind abgearbeitet – Im Februar nur 1296 Pkw-Neuzulassungen im Kreis Ludwigsburg

Stuttgart/Ludwigsburg. „Die Februarzahlen bei den Neuwagenverkäufen sind eine Katastrophe, aber in der Region gibt es einen Hoffnungsschimmer“, sagt Obermeister Torsten Treiber von der Kraftfahrzeuginnung Region Stuttgart. Dabei setzt er darauf, dass Menschen (und Firmen) ab sofort wieder in die Autohäuser gehen und sich neue und gebrauchte Autos kaufen. Denn die Kreise Böblingen und Rems-Murr gehören zu denen, in denen der Handel laut der dortigen Landratsämter unbeschränkt öffnen darf. Für den Kreis Ludwigsburg setzt der freie Zugang ins Autohaus eine Terminvereinbarung, Neudeutsch Click & Meet, voraus.

„Dass die Leute ins Autohaus dürfen, ist, was unsere Betriebe angeht, auch dringend nötig“, sagt Christian Reher, der Geschäftsführer der Innung. „Die Auftragsbestände, die bisher das Geschäft noch ein bisschen am Laufen gehalten haben, sind weitgehend abgearbeitet: 1296 Pkw-Neuzulassungen im Kreis Ludwigsburg sind ein Minus von 21,9 Prozent.“ In der Region Stuttgart beträgt der Rückgang 19,7 Prozent, im Bund 19 Prozent.

Kreisvorsitzender: Es gibt hohe Verluste

Mit 2986 Besitzerwechseln bei Gebrauchtwagen liegt der Rückgang im Kreis Ludwigsburg bei 19,3 Prozent (Region: 25,1 Prozent, Bund: 23,9 Prozent). Markus Klein, der Kreisvorsitzende der Kfz-Innung, kann das Problem der Autohändler auch in Zahlen fassen. „Vor einem Jahr um diese Zeit hatten wir noch keinen Lockdown, über 860 Neuzulassungen mehr und damit rund 26 Millionen Euro mehr Umsatz in den Kassen.“ Und die Verluste beim Gebrauchtwagenumsatz liegen ebenfalls in zweistelliger Millionenhöhe.

Der Rems-Murr-Kreis, der Kreis Böblingen und damals auch der Kreis Göppingen lagen kürzlich, als die Entscheidung fiel, die Autohäuser in den drei Kreisen zu öffnen, bei der Inzidenz unter der magischen Zahl 50, freute sich damals Torsten Treiber für die Kollegen. Die Inzidenz benennt die Zahl der Neuansteckungen innerhalb von sieben Tagen pro 100000 Einwohner in einem Landkreis. Im Kreis Göppingen hat sich die Lage seitdem wieder geändert: Die Inzidenz ist gestiegen, der Kreis hat wieder Coronamaßnahmen ergriffen, wie im Kreis Ludwigsburg gilt auch dort wieder „Click & Meet“.

Beim Obermeister klang durch, dass er zwar für die Betriebe in jenen Landkreisen glücklich ist, die wieder öffnen durften und dürfen, dass er aber auch seine Zweifel an der Stichhaltigkeit der Inzidenz hat, die im Kreis Ludwigsburg nicht für eine komplette Öffnung reicht: „Wenn es in einem Alten- oder Flüchtlingsheim zu einem Massenausbruch käme, würden die Autohäuser wieder geschlossen, obwohl keiner der Betroffenen je in einem Autohaus war.“

Und Innungsgeschäftsführer Reher ergänzt mit dem Verweis: „Wir hatten jetzt seit dem 16. Dezember Autohaus-Lockdown, und die Inzidenzen schwanken in der ganzen Region Stuttgart und im Land, da liegen die Ansteckungsquellen wohl woanders.“

Ein Lockdown bedeute für die Autohäuser, dass sie massive Umsatzverluste hatten, aber durch offene Auslieferungen aus früheren Verträgen noch Geschäfte machen konnten. „Onlineumsätze spielten bei uns eine verschwindend geringe Rolle“, sagt Markus Klein, „die würden unsere Betriebe nicht retten, wenn sie nicht öffnen dürften.“ Das gilt auch für „Meet & Collect“, also den Besuch im Autohaus mit Terminvereinbarung: „Das ist jetzt besser als nichts, aber eine Öffnung ohne Vorlauf ist am besten. Bei uns drängelt sich die Kundschaft selten, und gegen das Ansteckungsrisiko helfen unsere Hygienekonzepte.“

In Zahlen ausgedrückt lief der Februar im Kreis Ludwigsburg so: 1296 Pkw-Neuzulassungen, die die Zulassungsstelle meldet, sind 364 oder 21,9 Prozent weniger als im Vorjahr (wobei das wegen des Schaltjahrs einen Tag länger war). 154 der neuen Pkw sind Elektroautos (11,9 Prozent), 198 Plugin-Hybride (15,3 Prozent): „Rund jedes vierte Auto wurde damit über den Umweltbonus in den Markt gedrückt“, sagt Markus Klein. Dazu kamen noch 179 Vollhybride (die keine Förderung erhalten). 328 neue Fahrzeuge hatten einen Dieselmotor, 214 einen Benzin- oder vereinzelt auch einen Gasmotor.

Die Ludwigsburger Zulassungsstelle meldete im Februar 2986 Besitzumschreibungen. Der Gesamtrückgang lag bei 716 Gebrauchtwagen (oder 19,3 Prozent). 621 Gebrauchte waren Diesel. Aufs Jahr gesehen sanken die Halterwechsel damit um über 2100 Pkw (27,1 Prozent). „Da stecken für unsere Betriebe Millionenverluste bei den Umsätzen drin. Das geht schon gegen 15 Millionen Euro Verlust und mehr“, sagt Torsten Treiber.

„Ein Auto ist so etwas wie ein Freund“

So langsam gehen den Autohäusern die Auftragsbestände aus dem Vorjahr aus, teilt die Kraftfahrzeuginnung mit. Jetzt seien die Autohäuser dringend darauf angewiesen, neue Aufträge zu schreiben, weil die Auftragsbestände abgearbeitet seien. Das betreffe auch die Autoindustrie, weil die sonst ihre Produktion nicht absetzen könne: „Deren Vorstellung, den Autohandel durch Onlinevertriebswege zu ersetzen, ist ja im Test in der Pandemie recht krachend gescheitert. Da sprechen die Zulassungszahlen eine klare Sprache“, sagt Christian Reher. Warum? „Weil auch online gekaufte Autos zugelassen werden müssen“, sagt Treiber.

Der Obermeister der Innung sagt weiter: „Und die Zahlen zeigen, den riesigen Boom bei Amazon, den andere Handelssparten verkraften müssen, haben wir zumindest im Moment noch nicht zu fürchten. Die Menschen wollen Autos fühlen, riechen ausprobieren, bevor sie sich eins kaufen. Ein Auto ist ja kein Kühlschrank, sondern so etwas wie ein Freund oder Gefährte.“

Autor: