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Virtuelle Berichte aus der Berufspraxis

Sie arbeite gern mit den eigenen Händen – das erzählte eine Schreinerin jungen Frauen gestern bei einer virtuellen Veranstaltung. Archivfoto: R. Theiss
Sie arbeite gern mit den eigenen Händen – das erzählte eine Schreinerin jungen Frauen gestern bei einer virtuellen Veranstaltung. Archivfoto: R. Theiss
Girls’- und Boys’-Day-Aktionstage wegen Corona diesmal nur online – Zwei Beispiele aus dem Kreis Ludwigsburg

Ludwigsburg. Arij fragt um 10.28 Uhr in den Chat: „Was macht eine Verpackungsingenieurin? Vielen Dank :).“ Maike Friedrich, Botschafterin für MINT-Berufe (MINT steht für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik), schickt ihr gleich darauf einen Link mit Informationen: „Liebe Arij, schau mal hier.“ Hayat Allous ergänzt: „Ihr könnt gern eure Fragen in den Chat schreiben. Wir greifen sie dann gern auf.“ Arij antwortet: „Vielen Dank!“

So läuft eine Infoveranstaltung der Agentur für Arbeit am Girls’ Day, ein Aktionstag für Berufsorientierung, in Coronazeiten ab: Digital über Skype, die Namen der Referentinnen und mehr als 40 Besucherinnen sind links aufgelistet, wer eine Frage stellen möchte, schaltet sein Mikrofon an. Beim Zuhören bleibt es aus – so können alle den jungen Frauen lauschen, die zugeschaltet sind und praxisnah aus ihrem Berufsalltag berichten. Die in Marbach arbeitende Ellen Vieth erzählt, wie sie Verpackungsingenieurin wurde, dass sie in ihrem Job Kreativität und Technik vereinen könne – und beantwortet auch Arijs Chat-Frage, was genau sie in ihrem Beruf macht. Antonia Saur berichtet aus Bönnigheim, wie sie Schreinerin wurde, dass sie gern mit den eigenen Händen arbeite und abends ein Ergebnis ihrer Arbeit sehe: „So habe ich das Gefühl, dass kein Tag umsonst ist.“ Auch Anna Melashkina spricht über ihre Arbeit als Softwareentwicklerin in einer Pforzheimer Firma; deren geschäftsführende Gesellschafterin Petra Bauknecht ist ebenso zugeschaltet und gibt den jungen, vor dem Berufsleben stehenden Frauen den Tipp: „Probiert euch aus, schaut euch verschiedene Berufe an, habt keine Angst vor der Herausforderung.“

Auch Anneka Merz, Teamleiterin Berufsberatung in Ludwigsburg, die beiden MINT-Botschafterinnen im Land Maike Friedrich und Katharina Kraus geben online Tipps, ebenso wie Karin Lindenberger und Hayat Allous – die beiden Beauftragten für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt der Agenturen in Ludwigsburg und Nagold-Pforzheim haben diese Veranstaltung für junge Frauen am Donnerstag organisiert.

Es gab mehrere Girls’- und Boys’-Day-Angebote im Kreis Ludwigsburg, koordiniert von und beworben durch zwei regionale Arbeitskreise. Die Evangelische Hochschule (EH) Ludwigsburg informierte am Donnerstag Jungs über ihren Pflege-Studiengang – ebenfalls virtuell. Die akademische Mitarbeiterin Simone Ries und EH-Professor Manfred Schnabel erklärten den mehr als 30 männlichen Online-Besuchern etwa, dass künftig immer mehr Pflegekräfte gebraucht würden, auch akademisch ausgebildete – und dass, so Ries, Männer in sozialen Berufen „genauso wichtig sind wie Frauen“.

Zusatzinfo:

„Digitale Angebote sind räumlich unabhängig“ – das, sagt Judith Raupp, sei ein Vorteil des wegen Corona notgedrungen digitalen Girls‘- und Boys‘-Day-Formats in diesem Jahr. Raupp, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Ludwigsburg, und Karin Lindenberger, Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt der Agentur für Arbeit Ludwigsburg, koordinieren mit ihren regionalen Arbeitskreisen die Aktionstage im Kreis. Bei der Infoveranstaltung der Agentur für Arbeit über MINT-Berufe (siehe Artikel links) am Donnerstag konnten laut Lindenberger Mädchen „von Schwäbisch Hall bis Hamburg“ teilnehmen – dank des digitalen Angebots. Auch auf Seite der Organisatoren entstünden „überregionale Vernetzungen und Kooperationen“, wovon die jungen Besucher der virtuellen Veranstaltungen profitierten. Außerdem könnten neue Methoden wie Filme ausprobiert werden. Und für alle Beteiligten entfalle der Aufwand durch An- und Abreise. (wd)