Logo

Zwischen PC, Fischen und Familie

Christos Theodoridis arbeitet seit fast einem Jahr im Homeoffice – Besigheimer erzählt von Vor- und Nachteilen

Christos Theodoridis in seinem Arbeitszimmer in Besigheim. Von hier aus kann er in verschiedene Gärten sehen. Foto: Holm Wolschendorf
Christos Theodoridis in seinem Arbeitszimmer in Besigheim. Von hier aus kann er in verschiedene Gärten sehen. Foto: Holm Wolschendorf

Besigheim. Zehn Jahre lang sehen sich Christos Theodoridis und Michael Bühler ohne große Unterbrechungen, Monat für Monat, Arbeitstag für Arbeitstag, Stunde für Stunde. Die beiden Mitarbeiter der Kreissparkasse (KSK) Ludwigsburg teilen sich ein Büro, werden zu einem eingespielten Team, tauschen sich, wenn es Fragen gibt, immer wieder fachlich aus, fragen sich am Montagmorgen gegenseitig: „Wie war dein Wochenende?“ Dann kommt ein Tag Ende März 2020, an dem sich für beide Kollegen der Arbeitsalltag von einer Stunde auf die andere ändert.

Seit diesem Tag und bis heute haben sich Theodoridis und Bühler nicht mehr gesehen; bald ein Jahr ist es her, dass Theodoridis die Hardware abgebaut hat und mit ihr ins Homeoffice gewechselt ist, wegen Corona. Theodoridis war nach dem Umzug im Frühjahr nur noch zweimal kurz im Büro, um etwas zu holen, immer am Abend, nach jeweils fünf Minuten war er wieder draußen.

Für Theodoridis hat das pandemiebedingte Homeoffice zwei Seiten, eine negative und eine positive. Seinen Tischnachbarn nicht mehr treffen, Kollegen und Kunden nur noch hören statt sehen zu können – das ist die Seite, die Theodoridis nicht gefällt. Die kurzen Wege in die Nachbarbüros, die schnelle Ab- und Rücksprache mit anderen Mitarbeitern und seiner Führungskraft, „auch die netten Gespräche über private Themen und Treffen zum Mittagessen“, all das fehle ihm im Homeoffice. „Der Austausch gestaltet sich jetzt etwas aufwendiger“, ein Sachverhalt könne nun nicht mehr so unkompliziert geklärt werden.

Auch direkte Termine mit Kunden vermisse er: Bei ihnen „am Tisch sitzen, zusammen Unterlagen durchgehen“, bei Neukunden das Gesicht zum Namen sehen, eine persönliche Beziehung aufbauen – das geht im Homeoffice nicht, ist aber ein wichtiger Teil von Theodoridis’ Arbeit. Der 42-Jährige, seit einem Vierteljahrhundert bei der KSK Ludwigsburg beschäftigt, war nach seiner Ausbildung zum Bankkaufmann und berufsbegleitenden Studiengängen erst Kundenberater, nun ist er im Wealth Management tätig: Er betreut Unternehmer und Stiftungen bei den Themen Geldanlage, Generationenmanagement, Nachfolgeplanungen, dazu gehören etwa Altersvorsorge, Testament und innerfamiliäre Generalvollmachten. Theodoridis ist Ansprechpartner für Kunden und bringt diese mit Spezialisten, etwa Notare und Anwälte, zusammen – in Zeiten der Pandemie aber nur digital.

Andererseits ist gerade bei langjährigen Kunden sowieso nicht immer ein Besuch vor Ort nötig, mit vielen hatte Theodoridis auch schon vor Corona „nur“ telefonischen Kontakt. Hier – und das gehört für ihn zur anderen, positiven Seite der Homeoffice-Medaille – habe sich dank technischer Möglichkeiten die Beratungsqualität deutlich verbessert. Schickte Theodoridis einem Kunden früher pdf-Dokumente, die beide dann zusammen am Telefon durchgingen, kommen sie nun (unter strengen technischen Sicherheitsvorkehrungen) in Web-Konferenzen zusammen.

Der KSK-Mitarbeiter kann eine Präsentation auf den PC des Kunden spiegeln, ihm beispielsweise im Gespräch das Börsensystem freigeben. „Der Kunde ist live dabei, das ist für ihn oft ein Aha-Erlebnis“, sagt Theodoridis. Bei den Kunden gebe es „insgesamt ein Umdenken, sie lassen sich auf die neuen Medien ein“. Er selbst könne „eins zu eins“ wie im Büro arbeiten – dank Technik, aber auch dank Mitarbeitern in der KSK, die sich unter Einhaltung der Hygieneregeln vor Ort um administrative Dinge (etwa Schriftverkehr) kümmerten und ihm so den Rücken frei hielten.

Für telefonische Beratungen und Web-Konferenzen müsse die Vertraulichkeit gewährleistet bleiben und müsse er sich gut konzentrieren können, betont Theodoridis. In seinem Besigheimer Haus, in dem der 42-Jährige zusammen mit seiner Frau und zwei Töchtern wohnt, hat er beste Voraussetzungen dafür – in Form eines separaten Büros. Aus dem einen Fenster blickt er in den eigenen Garten, aus dem anderen in den des Nachbarn. An der Wand des Arbeitszimmers hängt eine Karte, auf der eine Typologie mediterraner Fische abgebildet ist – zu Theodoridis’ Hobbys gehört neben der Gartenarbeit das Angeln. Ein New-York-Bild weist auf die Lieblingsstadt der Familie hin, auf einem anderen Foto sind die beiden Töchter auf der Brooklyn Bridge zu sehen.

Außerdem hat sich Theodoridis Pflanzen für sein Heimbüro angeschafft und einen Baum, der unter dem Dach gestanden hatte, einen Stock tiefer neben den Arbeitstisch gestellt. „Ich habe mir eine Atmosphäre geschaffen, in der ich mich wohlfühle.“

Seit fast einem Jahr arbeitet Theodoridis nun von zu Hause aus. „Auf Dauer ist das sehr einsam, ich freue mich wieder sehr auf die Zeit im Büro.“ Künftig werde es wichtiger, dass Mitarbeiter sich flexibel für die Arbeit daheim oder im Büro entscheiden können, so werde effektiveres Arbeiten ermöglicht. „Das wird in vielen Unternehmen der Weg in die Zukunft sein.“

So sehr ihm der Kontakt zu Kollegen und Kunden derzeit auch fehlt – die dauerhafte Isolation hat auch ihre guten Seiten. Die im Büro übliche Ablenkung durch Gespräche und andere Telefonate falle daheim weg. Auch die oft nervtötenden Autofahrten gibt es nicht: „Oft stand ich im Stau, was mich wertvolle Zeit kostete, die ich nicht produktiv nutzen konnte.“

Außerdem, so Theodoridis, bekäme seine Familie nun vermutlich besser mit, wie der Ehemann und Vater arbeitet – und „ein Gespür dafür, was es bedeutet, bei der Kreissparkasse beschäftigt zu sein, und mit welchem Arbeitspensum diese Tätigkeit verbunden ist“.

Autor: