So tickt Jan Hambach
Wir warten weiter auf das Endergebnis. Anbei aber schon einmal ein Text über den Freiberger Bürgermeister Jan Hambach in spe, den mein Kollege Frank Elsässer geschrieben hat:
Jan Hambach lehnt sich lässig an eine Mauer des Alten Schlosses in Freiberg. Das Gebäude, das im 12./13. Jahrhundert erbaut wurde, findet der 29-Jährige ebenso attraktiv wie viele andere Häuser in den alten Ortskernen der Stadt. Das Zusammenspiel von historischen Gemäuern mit der modernen Architektur, die derzeit und künftig im Stadtzentrum entsteht, findet er sehr reizvoll. Der Treffpunkt, den er sich für das Gespräch mit unserer Zeitung gewünscht hat, stehe aber auch für den Wohnraum, den es zu schaffen gelte, den Verkehr, der die Bürger der Stadt nicht nur hier an der Ludwigsburger Straße beschäftigt, aber auch für die Kultur, die es unter anderem in der gegenüberliegenden Kelter zu bewahren gelte.
Hambach ist ledig, kinderlos, aber liiert und lebt mit seinem Partner in Renningen. Für beide ist klar, dass Freiberg ihre neue Heimat werden soll. „Ich finde es toll, wie hier drei Gemeinden zusammengewachsen sind“, sagt er und findet auch Lob für das Zentrum. Insbesondere an den Markttagen sei viel los in der Stadt. Ein weiterer Grund, warum er gerne in Freiberg arbeiten und leben möchte, ist das ehrenamtliche Engagement der Bürgerschaft. Hambach weiß, wovon er spricht, zumal er selbst Ehrenämter ausübt – als Gemeinderat und Kreisrat für die SPD sowie im Vorstand des Renninger Mensavereins.
Sein Parteibuch habe nichts mit seiner Kandidatur zu tun. Er trete als unabhängiger Bewerber an. „Das ist mir sehr wichtig“, sagt er. Ein Bürgermeister dürfe nicht zu stark einer Partei zugeordnet sein, sondern „soll für alle da sein“. Er erhalte von der Partei kein Geld für den Wahlkampf, den er selbst organisiere und behandle alle Fraktionen gleich.
Mit seiner kommunalpolitischen Erfahrung und seiner beruflichen Tätigkeit als stellvertretender Verwaltungschef der Großen Kreisstadt Calw sieht sich der studierte Wirtschaftswissenschaftler mit dem nötigen Rüstzeug ausgestattet, Bürgermeister in Freiberg zu werden. „Ich bin in Calw mit sämtlichen Themen der 650-köpfigen Verwaltung betraut, vertrete den Oberbürgermeister innendienstlich und bei repräsentativen Terminen“, sagt er. Die Mischung aus Wirtschafts- und Rathauskompetenz mache ihn aus. Sein Know-how vermittle er daher auch als Lehrbeauftragter der Verwaltungshochschulen in Ludwigsburg und Kehl.
Als Kletterer, Klettersteiggeher und Karatesportler weiß Hambach mit Hindernissen und Kraftakten umzugehen. Eine Eigenschaft, die auch als Rathauschef gefragt ist. „Bürgermeister zu sein, ist eine Berufung. Das kann man nicht als reinen Job betrachten“, sagt er. In diesem vielseitigen Beruf sei man Manager der Verwaltung und könne mit Menschen zusammenarbeiten. Darüber hinaus reize es ihn, „dass man die Weichen dahingehend stellen kann, dass eine Stadt erfolgreich ist“.
Um erfolgreich als Bürgermeister arbeiten zu können und zu wissen, wo die Freiberger der Schuh drückt, hat Jan Hambach bereits im Dezember eine Bürgerumfrage gemacht. Das Ergebnis: Die wichtigsten Themen seien Familienfreundlichkeit, Sicherheit und Ordnung, die Verkehrsbelastung, die Förderung von Kultur und Vereinen, jährlich stattfindende Feste sowie bezahlbares Wohnen. Klar, dass Hambach hier den Hebel ansetzen möchte. Doch zuerst gelte es, „auf die Grundlagen und nicht auf das nächste Projekt“ zu schauen. Mit Blick auf den Haushalt sei es wichtig, gemeinsam mit dem Gemeinderat festzulegen, welche Projekte man vorantreibt und wo man Abstriche macht. Das sei beispielsweise beim Rathaus möglich. Statt einen großen Neubau zu realisieren, könnte man dort gegebenenfalls auch mit einem Anbau zurechtkommen. Bei den Familien sei es wichtig, die Qualität der Kindergärten auf ein gemeinsames Niveau zu bringen und die Kommunikation der Einrichtungen mit den Eltern zu verbessern. Mit einer neuen Verkehrserhebung könne man sich von außen Vorschläge für ein Verkehrskonzept einholen.
Als Wirtschaftswissenschaftler sind Hambach auch die Unternehmen sehr wichtig. Deshalb möchte er die Wirtschaftsförderung stärken und weitere Unternehmen gewinnen, sich in Freiberg anzusiedeln.
Um seine Arbeit als Bürgermeister erfolgreich gestalten zu können, setzt Hambach auf eine digitale und damit effektivere, flexiblere und platzsparende Verwaltung. Die Erfahrung, die er dabei in Calw gesammelt hat, würde er gerne in Freiberg einbringen. Hambach: „Die Verwaltungen müssen sich neu aufstellen, um in Zukunft bestehen zu können.“