Ludwigsburg | 18. Mai 2017

Zwischen Spuk und Spielfreude

Musikalische Spurensuche: Schlossfestspiele in Kooperation mit der Musikschule.

Brigitte Thönges führt als Schlossgespenst die abwechslungsreiche Reise durch die barocke Anlage. Foto: Holm Wolschendorf
Brigitte Thönges führt als Schlossgespenst die abwechslungsreiche Reise durch die barocke Anlage. Foto: Holm Wolschendorf

Die weiß geschminkte Frau im weißen Kleid, mit zerzaustem Haar und dicken Wollsocken an den Füßen scheint aus der Zeit gefallen zu sein. Zweifellos handelt es sich bei ihr um ein Schlossgespenst, das zu einer früheren Zeit als quicklebendige Magd mit einem Adeligen verlobt war. Offenbar hat ihr der imaginäre Junker von Hoheneck die Ehe versprochen. Für eine Veranstaltung der Schlossfestspiele in Kooperation mit der Jugendmusikschule ist Musiklehrerin Brigitte Thönges am Sonntag in die gespenstische Rolle geschlüpft. So unsicher der Gang der weißen Frau auch wirkte – zielstrebig geleitete sie die Gruppe bei einer musikalischen Spurensuche durch das Schloss.

An den verschiedenen Stationen wurden die Besucher von Ensembles der Jugendmusikschule empfangen. Nach dem feierlich klingenden Auftakt mit einer Trompetenfanfare auf dem Schlosshof ging es ins Corps de Logis, wo das Bläserensemble seinen Auftritt hatte. „Was sind das für Gestalten, die alle den Atem anhalten?“, fragte die Magd alias Brigitte Thönges angesichts der überdimensionalen Steinfiguren.

An der Küche vorbei, in der die verzweifelte Braut ohne Bräutigam das Gemüse für die Hochzeitsfeier putzte, ging es in einen Gewölbekeller. Einen Kontrast zur der Kargheit des Raums bildeten die Traditionals aus Brasilien, die ein Gitarren-Blöckflöten-Duo der Jugendmusikschule spielte.

Immer wieder ertönte die Melodie von „Es waren zwei Königskinder“. Dazu die Magd: „Hört diesen Ton: Die Königskinder rufen schon.“ Und weiter ging es über eine steile Steintreppe in ein Dienstbotenzimmer. Die Holzdielen knarrten unter jedem Schritt. Schnell tauschte die Geisterfrau ihre Schürze gegen das Hochzeitskleid, das dort auf einer Holzbank war. Es musste sich einfach um ein Zeichen des Geliebten handeln! „Hier geht’s lang“, feuerte sie ihre Gefolgschaft an. Im Tanzschritt ging es zum Apartment von Herzog Carl Eugen, wo die passende Musik, ein Menuett, ertönte. Das Streichtrio verzauberte mit einem Stück von Pierre Crémont. Im Treppenhaus des Keramikmuseums liefen die Mitglieder des Ensembles „Magic Flutes“ kreischend beim Anblick des Gespenstes davon – natürlich erst, nachdem sie „Bon Voyage“ gespielt hatten. Letzte Station war die stimmungsvoll illuminierte Grotte, in der sich die weiße Frau zur ewigen Ruhe bettete – bis zur nächsten Aufführung.

Drei Mal wurde am Sonntag die musikalische Spurensuche angeboten, alle Rundgänge waren ausverkauft. Johannes Schott, Dramaturg der Schlossfestspiele, hatte die Grundidee entwickelt. Brigitte Thönges, die ausgebildete Clownin ist, hatte die Details erarbeitet und die Texte entwickelt. „Es macht viel Spaß“, sagt die Musiklehrerin über ihre Verwandlung.

von Marion Blum
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