Bergamo. Fassungslos standen die Profis von Borussia Dortmund vor ihren Fans und konnten den Last-Minute-Alptraum in der Königsklasse kaum begreifen. Nach einem schwachen Auftritt und einem Elfmeter-Gegentor in der Nachspielzeit hat sich der BVB frühzeitig aus der Champions League verabschiedet und drei Tage vor dem Bundesliga-Gipfel gegen Bayern München einen millionenschweren Rückschlag erlitten. Im Playoff-Rückspiel bei Atalanta Bergamo verspielten die Dortmunder zum zweiten Mal in der Vereinsgeschichte einen Zwei-Tore-Vorsprung und schieden durch das 1:4 (0:2) verdient aus.
«Das tut extrem weh», sagte Kapitän Emre Can. «Kein Vorwurf an irgendeinen Spieler. Aber wenn du so viele individuelle Fehler machst, dann wird es schwer, weiterzukommen. Wir sind am Ende sehr unglücklich, aber wenn man ehrlich ist, verdient nicht weitergekommen.»
Die Entscheidung fiel erst tief in der Nachspielzeit. Nach einem Fehlpass von BVB-Torwart Gregor Kobel und einer Flanke in den Dortmunder Strafraum traf Ramy Bensebaini Bergamos Stürmer Nikola Krstovic mit der Hacke im Gesicht. Der Schiedsrichter schaute sich die Szene am Videobildschirm an, zeigte Bensebaini Gelb-Rot, Nico Schlotterbeck auf der Bank sogar glatt Rot - und entschied auf Elfmeter. Den verwandelte der gebürtige Berliner Lazar Samardzic zum 4:1 (90.+8).
Kobel entschuldigt sich
«Das war mein Fehler am Ende», sagte Kobel. «Es tut mir leid für die Jungs.» Ein solches Aus war den Dortmundern im Europacup zuvor nur im Dezember 1987 gegen den FC Brügge passiert. Damals scheiterte der BVB nach einem 3:0 im Hinspiel durch ein 0:5 nach Verlängerung.
Dieses Mal sorgten Gianluca Scamacca (5. Minute), Davide Zappacosta (45.), Mario Pasalic (57.) und Samardzic schon in der regulären Spielzeit für das Aus des Bundesliga-Zweiten. «Es war unnötig. Unterm Strich haben wir heute aber kein gutes Spiel gemacht», sagte Trainer Niko Kovac. Das 1:3 von Karim Adeyemi (75.) sorgte für neue Hoffnung, war aber zu wenig.
Warnungen verpuffen früh
Sport-Geschäftsführer Lars Ricken hatte die Dortmunder schon vor dem Spiel gewarnt. «Wenn irgendjemand glaubt, dass wir in einer komfortablen Situation sind, kann das auch schnell ein böses Erwachen geben», sagte er.

Tatsächlich war der BVB-Plan schon nach fünf Minuten gescheitert. Lorenzo Bernasconi wurde auf dem linken Flügel gut in Szene gesetzt, seine flache Hereingabe drückte Scamacca am langen Pfosten unbedrängt über die Linie. BVB-Torwart Gregor Kobel, der 60 Sekunden zuvor gegen Nicola Zalewski gerettet hatte, war machtlos.
Dortmund viel zu brav
Die frühe Führung beflügelte die Hausherren zusätzlich. Angetrieben von seinen heißblütigen Fans drängte Atalanta auf den zweiten Treffer, den Kobel bei einem weiteren Schuss von Zalewski (24.) mit einer Glanzparade noch verhinderte.
Auch Kapitän Emre Can, der bei seiner Rückkehr gleich in der Startelf stand, konnte der Abwehr keine Sicherheit geben. Der 32-Jährige hatte seit Ende Januar wegen Adduktorenproblemen zuletzt fünf Pflichtspiele verpasst. Die einzige echte Chance in der ersten Halbzeit bot sich Julian Brandt, der mit einem Flachschuss an Bergamos Torwart Marco Carnesecchi scheiterte.

Bergamo bestraft BVB-Fehler
Ohne die Unterstützung seiner Ultra-Fans agierte der Bundesligist viel zu brav. Die organisierten Anhänger waren der Partie wegen behördlicher Maßnahmen im Vorfeld ferngeblieben. «Das ist für uns natürlich sehr bitter und sehr ärgerlich», sagte Kovac dazu.
Wenige Sekunden vor der Pause musste der BVB-Trainer dann miterleben, wie Ramy Bensebaini einen Distanzschuss von Zappacosta unhaltbar für Kobel abfälschte. Nach dem Wechsel kam es noch schlimmer. Pasalic stand bei einer Flanke aus dem Halbfeld völlig frei und überwand Kobel per Kopf.
Wenige Minuten zuvor hatte Maximilian Beier die große Chance zum Anschluss vergeben, als er völlig frei nur den Pfosten traf. Viel mehr hatte Dortmund in der Offensive nicht zu bieten, auch wenn Adeyemi noch einmal für Hoffnung sorgte.
Samardzic, der nach Stationen bei Hertha BSC und RB Leipzig schon 2021 nach Italien gewechselt war, hätte das 4:1 sogar schon früher schießen können (82.). Beim späten Elfmeter blieb der 24-Jährige dann ganz cool.
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