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Champions League
Schlitzohr Karl führt Bayern zum Sieg bei Atlético Madrid

Atlético Madrid - FC Bayern München
Lennart Karl (r) springt nach seinem Tor jubelnd in die Höhe. Foto: Manu Fernandez
Der FC Bayern trotzt im Finalstadion der Königsklasse den vielen offensiven Ausfällen. Jungstar Karl und Dauerrenner Laimer sorgen für einen wegweisenden Auswärtserfolg. Kapitän Neuer schwärmt.

Madrid. Für Jungstar Lennart Karl gab's nach dem Ausrufezeichen des FC Bayern Schulterklopfer und Umarmungen. Im Finalstadion der Champions League hat der 18-Jährige den Titelanwärter aus München gegen Atlético Madrid zu einem wichtigen und eindrucksvollen Vorrundensieg geführt.

Beim 2:0 (0:0) avancierte ausgerechnet Karl, dessen Form zuletzt fleißig diskutiert wurde, mit seinem erst zweiten Pflichtspieltreffer der Saison zum Matchwinner. Nach einem abgeblockten Schuss von Tom Bischof luchste er Atlético-Verteidiger Robin Le Normand den Ball im Strafraum ab und lupfte ihn in der 54. Minute über Torwart Jan Oblak hinweg ins Netz. Ein Schlitzohr-Tor!

Neuer lobt «totale Dominanz» der Bayern

Nach einem Lattentreffer des einmal mehr bärenstarken Innenverteidigers Dayot Upamecano (73.) sorgte der ebenfalls sehr auffällige Konrad Laimer mit einem wuchtigen Schuss unter die Latte für die Entscheidung (74.).

«Das war totale Dominanz von der ersten bis zur 93. Spielminute», sagte Kapitän Manuel Neuer bei Prime Video. «Wir sind mega happy.» Man habe nach den jüngsten personellen Rückschlägen gut zusammengestanden und alles für diesen Team-Erfolg gegeben, erklärte der Routinier. «Das war einmalig.»

 

Nach dem hochverdienten Auswärtserfolg sind die Bayern in der Königsklasse zur Halbzeit der Ligaphase nach zuletzt zwei Unentschieden mit acht Punkten wieder auf Achtelfinalkurs. Atlético agierte im Estadio Metropolitano, wo am 5. Juni 2027 das Endspiel ausgetragen wird, erstaunlich ehrfürchtig und brav.

Olise trotzt dem Schmerz 

Münchner Personalnot? Ja. Und trotzdem konnte Aaron Danks in Vertretung des weiter im Krankenstand weilenden Cheftrainers Vincent Kompany eine Top-Elf formieren - auch in der personell durch Verletzungen ausgedünnten Offensive. Michael Olise meldete sich nach einem Schlag aufs Knie einsatzbereit. «Bei ihm ging es nur um die Schmerzbehandlung», klärte Danks auf.

Olise bildete mit Karl und dem wieder links angreifenden Alphonso Davies hinter Mittelstürmer Harry Kane eine Linksfüßer-Reihe mit viel Tempo. Im Tor stand wieder Neuer nach der nächsten Spielpause wegen einer Sehnenreizung am Fuß. Sehr viel zu halten bekam der 40-Jährige nicht.

Sportvorstand Max Eberl hatte «Rocky-Qualitäten» à la Sylvester Stallone in dessen berühmten Boxer-Filmen beschworen: «Wir müssen einstecken.» Schließlich verlaufen Spiele gegen Atlético stets sehr körperbetont. Doch überhart ging es gar nicht zur Sache. In erster Linie attackierte Atlético Olise, dessen direkter Gegenspieler der Ex-Leverkusener Alejandro Grimaldo war.

Atlético Madrid - FC Bayern München
Intensiv bearbeitet von den Gegenspielern: Michael Olise. Foto: David Canales

Karl vergibt Großchance vor der Pause

Die Bayern waren größtenteils Chef im Ring. Sie hatten den Ball, sie liefen an auf den kompakten Atlético-Block. Es gab darin kaum Lücken - und doch fanden die Münchner immer mal wieder eine. Aber sie nutzten bis zum Tor von Karl ihre Chancen nicht. Die größte der ersten Hälfte vergab dabei der 18-Jährige nach einem Flügellauf von Verteidiger Dayot Upamecano. Nach Zuspiel von Kane schoss Karl im Strafraum über das Tor (23.). Was für eine Chance!

Kane verzog wenig später einmal volley (27.). Danach wurde ein Schuss des Engländers geblockt (34.). Auch Josip Stanisic zielte am Tor vorbei (36.). Atlético fand offensiv kaum statt, das Bayern-Tor geriet kaum in Gefahr.

Atlético Madrid - FC Bayern München
Bärenstark hinten und vorne: Bayern-Verteidiger Dayot Upamecano. (l) Foto: Manu Fernandez

Joshua Kimmich eröffnete die zweite Hälfte mit einem Distanzschuss, den Torwart Jan Oblak parierte. Atlético blieb im Reaktions-Modus. Auch nach Karls Führungstreffer kam keine wilde Antwort des spanischen Topclubs, der in der Champions League mit nur vier Punkten enttäuschend da steht. Als Laimer das 2:0 nachgelegt hatte, wurde es immer leiser im oft so lauten Stadion.

Ein drittes Münchner Tor durch Upamecano wurde wegen eines Foulspiels des Franzosen nicht gegeben (82.) - es wäre die Krönung seiner Leistung gewesen.

© dpa-infocom, dpa:261103-930-939948/2