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USA machen Ernst: Was der Teilabzug der Soldaten bedeutet

US-Präsident Trump bei der Memphis Safe Task Force
Pentagon ordnet Teil-Abzug aus Deutschland an. (Archivbild) Foto: Molly Riley
«Völlig wirkungslos» im Ukraine-Krieg: Trump ätzt gegen Merz
Verhältnis zwischen Merz und Trump verschlechtert sich. (Archivbild) Foto: Guido Bergmann
US-Airbase in Ramstein
Ramstein ist wichtiger Stützpunkt für die USA. (Archivbild) Foto: Boris Roessler
Trump hatte schon in seiner ersten Amtszeit einen Abzug von Truppen aus Deutschland geplant. Seine Abwahl kam dazwischen. Diesmal scheinen die Pläne konkreter zu sein.

Berlin. Angesichts zunehmender Spannungen zwischen Präsident Donald Trump und Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) ordnet die US-Regierung den Teilabzug von Soldaten aus Deutschland an. Rund 5.000 von ihnen sollen in den nächsten sechs bis zwölf Monaten verlegt werden. Der offizielle Grund: eine Prüfung der Truppenpräsenz in Europa, der Bedingungen vor Ort und der Anforderungen der Einsatzgebiete insgesamt.

Der Schritt markiert eine Verschlechterung der deutsch-amerikanischen Beziehungen - und könnte Folgen für die betroffenen Regionen haben. Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Wie sind die Amerikaner bisher in Deutschland aufgestellt?

Aktuell sind nach Angaben des US-Militärs von Mitte April rund 86.000 Soldaten in Europa stationiert – davon rund 39.000 in Deutschland. Die Zahl verändert sich regelmäßig, auch wegen Rotationen und Übungen.

Damit ist Deutschland nach Japan der zweitgrößte US-Militärstandort außerhalb der USA. Während ihr Ursprung im Kalten Krieg liegt, schützen die US-Stützpunkte Europa auch heute noch vor möglichen russischen Aggressionen. Zudem sind sie strategisch sinnvoll für ein Land wie die USA, das von vielen Konfliktregionen der Welt weit entfernt liegt.

Welche Truppen sollen abgezogen werden?

Dazu gibt es bisher nur spärliche Angaben. Nach einem Bericht der «Washington Post» geht es um zwei Elemente. Einerseits sei der Abzug eines «Armored Brigade Combat Teams» geplant, also einer Kampfbrigade, wie die Zeitung unter Berufung auf einen Vertreter des Verteidigungsministeriums berichtet. Eine solche Brigade hat die US Army derzeit im Rahmen der «Operation Atlantic Resolve» in Deutschland stationiert, die 2014 von den USA als Reaktion auf die russische Annexion der ukrainischen Schwarzmeer-Halbinsel Krim gestartet wurde, um Nato-Partner zu unterstützen. 

Diese Kampftruppen rotieren, das heißt, sie sind befristet in Deutschland stationiert und werden dann durch andere Verbände abgelöst. Die US-Army könnte also entscheiden, diese Rotation zu stoppen.

Was ist noch geplant?

Der zweite Teil der US-Pläne betrifft laut «Washington Post» die für dieses Jahr geplante Stationierung eines Bataillons für den Einsatz weitreichender Waffen. Darauf wolle das Verteidigungsministerium nun verzichten. 

Damit dürfte auch die von Trumps Vorgänger Joe Biden beim Nato-Gipfel 2024 versprochene Stationierung von Mittelstreckenwaffen mit konventionellen Sprengköpfen infrage stehen. Biden hatte die Bereitstellung von Marschflugkörpern vom Typ Tomahawk mit einer Reichweite von bis zu 2.500 Kilometern, Raketen vom Typ SM-6 und neu entwickelte Hyperschallwaffen für 2026 in Aussicht gestellt. Trump hatte sich bisher nicht zur damaligen Entscheidung Bidens bekannt, sie aber auch nicht zurückgenommen. 

Was bedeutet das für die Sicherheit Deutschlands und der Nato?

Die Verlagerung der Kampftruppen dürfte zu verkraften sein. Biden hatte Anfang Februar 2022 angesichts des russischen Truppenaufmarschs an der ukrainischen Grenze - noch vor der Invasion - die Truppenstärke in Europa erhöht. Damals schickte er 2.000 zusätzlich Soldaten nach Deutschland und Polen und verlagerte 1.000 Soldaten von Deutschland nach Rumänien. 

Jetzt wird das Rad wieder zurückgedreht. Überraschend kommt das nicht, da die Trump-Regierung die Europäer schon seit längerer Zeit dazu drängt, selbst für ihre Sicherheit zu sorgen. Die drastische Erhöhung der Verteidigungsausgaben der Nato-Bündnispartner ist das Ergebnis.

Gravierender wäre ein Verzicht auf die Stationierung der Mittelstreckenraketen, mit der die Bundesregierung fest gerechnet hatte. Dafür müsste ein Plan B gefunden werden. 

Welche Standorte sind betroffen?

Das ist noch unklar. Die Verringerung der Kampftruppen könnte am ehesten die Standorte in Bayern treffen, also Grafenwöhr, Vilseck und Hohenfels. Aber konkrete Pläne sind nicht bekannt. Auf die Schließung ganzer US-Standorte gibt es bisher keine Hinweise. 

Was bedeutet die Entscheidung für das deutsch-amerikanische Verhältnis?

Nach dem «Traumstart» im Weißen Haus vergangenen Juni haben sich die Beziehungen zwischen Trump und Merz im Zuge des Iran-Kriegs dramatisch verschlechtert - und das binnen weniger Tage. Ausgangspunkt war offenbar Merz' scharfe Kritik am Montag am Vorgehen der USA im Iran-Krieg. Der US-Präsident feuerte daraufhin heftig zurück: Merz habe keine Ahnung, wovon er rede, und sei mit Blick auf den Ukraine-Krieg «völlig wirkungslos geblieben», sagte Trump. «Ich meine, er hat einen schrecklichen Job gemacht.»

Am Freitag kündigte Trump dann gleich zwei Maßnahmen an, die Deutschland treffen: den Abzug der Soldaten, die mit ihrer Präsenz nicht nur ein Wirtschafts-, sondern auch ein Sicherheitsfaktor für Deutschland sind, und die erhöhten Zölle auf Autos und Lastwagen aus der EU - die den mit Abstand größten Autobauer Europas, Deutschland, besonders treffen dürften.

Wie reagiert die Bundesregierung?

Die Bundesregierung versucht, wie man so schön sagt, den Ball flach zu halten. Sie will den Konflikt mit Trump auf keinen Fall weiter eskalieren. Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) machte deutlich, dass die Entscheidung nicht unerwartet kommt. Dass die USA Truppen aus Europa und auch aus Deutschland abziehen würden, «war absehbar», sagte er.

Er betonte, dass die US-Truppenpräsenz in Deutschland auch im amerikanischen Interesse sei. «Mit den Amerikanern arbeiten wir eng zusammen, in Ramstein, in Grafenwöhr, in Frankfurt und anderswo, für Frieden und Sicherheit in Europa, für die Ukraine und zur gemeinsamen Abschreckung.» 

Kommt es wirklich zu dem Abzug?

Das lässt sich kaum sagen. Theoretisch ist es möglich, dass die US-Regierung die Ankündigung nur als Druckmittel einsetzt - und dann wieder einlenkt. Darauf deutet zurzeit aber nichts hin. 

Grundsätzlich gibt es für den Abzug von US-Truppen aus Europa gesetzliche Hürden. Der US-Kongress hatte vergangenes Jahr einen Sicherheitsmechanismus beschlossen: Die Gesamtzahl der Streitkräfte, die dauerhaft im Zuständigkeitsbereich des Europa-Kommandos sind, darf nicht länger als 45 Tage unter 76.000 liegen.

Mit einer Reduzierung um 5.000 Soldaten würden die USA diese Mindestanzahl nicht unterschreiten. Allerdings hatte Trump zuletzt auch einen Teilabzug in Italien und Spanien ins Spiel gebracht. 

Trump hatte bereits in seiner ersten Amtszeit angekündigt, er wolle 12.000 der damals rund 35.000 US-Soldaten aus Deutschland abziehen. Er beschrieb das Vorhaben damals als Strafaktion für die aus seiner Sicht mangelnden deutschen Militärausgaben. Doch sein Nachfolger Joe Biden stoppte die Pläne. 

Welche Bedeutung haben die Stützpunkte für das US-Militär?

Die USA verfügen über mehrere Stützpunkte in der Bundesrepublik, viele davon im Südwesten und Süden. Zu den militärisch bedeutsamsten gehört die Ramstein Air Base (Rheinland-Pfalz). Für die USA ist sie die zentrale Luftdrehscheibe für Europa und den Nahen Osten.

Das größte US-Militärkrankenhaus im Ausland befindet sich im rheinland-pfälzischen Landstuhl. US-Soldaten, die in Auslandseinsätzen verwundet werden, müssen für eine schnelle und hochwertige Behandlung also nicht den weiten Weg bis in die USA gebracht werden.

Der größte US-Truppenübungsplatz außerhalb der USA liegt nahe Grafenwöhr in Bayern. In Stuttgart befinden zudem sich die Hauptquartiere des Europa-Kommandos (Eucom) und des Afrika-Kommandos (Africom) der US-Streitkräfte, in Wiesbaden die Zentrale des US-Heeres in Europa.

Welche Rolle spielen die Stützpunkte für die betroffenen Regionen?

Neben sicherheitspolitischen Aspekten sind die Standorte ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für die jeweilige Region, etwa durch die Beschäftigung Deutscher oder den Konsum durch US-Streitkräfte. Beispiel Ramstein in der Pfalz: «Die Wirtschaftskraft der US-Militärpräsenz lässt sich pro Fiskaljahr auf mehr als zwei Milliarden US-Dollar beziffern», sagt Ralf Hechler (CDU), Bürgermeister der Gemeinde Ramstein nahe dem riesigen US-Stützpunkt. Inbegriffen sind etwa Löhne, Mieten und Aufträge für lokale Firmen.

Hechler sagte vor der Ankündigung zum Truppenabzug, Trump könne als Oberbefehlshaber Verlagerungen temporär rasch umsetzen. «Ob er dies dauerhaft ohne den US-Kongress machen kann, wage ich zu bezweifeln. Aber die Auswirkungen wären direkt spürbar für uns.» Neben dem wirtschaftlichen Aspekt gehe es auch um US-Amerikaner als Nachbarn und oft Freunde.

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