Stuttgart. Baden-Württembergs Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) sieht im EU-Freihandelsabkommen mit Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay enorme Chancen für die Kernbranchen Automobil, Maschinenbau und Chemie im Land. Wenn Mercosur Zölle auf über 91 Prozent der EU-Warenausfuhren schrittweise abbaue, öffnet das gerade für den exportorientierten Mittelstand neue finanzielle Spielräume, sagte die CDU-Politikerin in Stuttgart. Baden-Württemberg exportiert schon heute Waren im Wert von rund 2,2 Milliarden Euro in die vier Staaten.
Vor dem Hintergrund der gestiegenen Unsicherheiten durch die US-Handelspolitik und der Abhängigkeit von China bei kritischen Rohstoffen müsse man Europas wirtschaftliche Souveränität stärken. Der Weg für die riesige EU-Freihandelszone mit den südamerikanischen Staaten ist mehr als ein Vierteljahrhundert nach Verhandlungsbeginn frei. Bei einer Sitzung von Vertretern der 27 EU-Länder stimmten in Brüssel ausreichend viele Teilnehmer dem Abschluss der Vereinbarung zu. Die Unterzeichnung soll bereits nächste Woche in Paraguay erfolgen.
Landwirte fürchten um ihre Existenz
Die neue Freihandelszone mit mehr als 700 Millionen Einwohnern wird nach Angaben der EU-Kommission die weltweit größte dieser Art sein. Ermöglicht wurde die Einigung auf das umstrittene Abkommen durch weitere Zugeständnisse an die Agrarlobby. Diese sieht die Konkurrenz aus den Mercosur-Staaten als Existenzbedrohung für die europäische Landwirtschaft. In Südamerika können etwa Agrarprodukte wie Rindfleisch günstiger produziert werden als in Europa.
Der Präsident der Unternehmer Baden-Württemberg (UBW), Thomas Bürkle, sagte, für das exportstarke Baden-Württemberg sei das Abkommen von herausragender Bedeutung. Durch den Abbau von Zöllen und Handelsbarrieren entstehe ein großer, verlässlicher Wirtschaftsraum, der rund 20 Prozent der Weltwirtschaft und mehr als 30 Prozent der globalen Exporte abdeckt. Davon dürften besonders die Schlüsselbranchen wie Maschinenbau, Automobilindustrie, Chemie und Elektrotechnik profitieren. In den Mercosur-Staaten bestehe ein erheblicher Modernisierungsbedarf.
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