Vancouver. In den nächsten Tagen wird Johan Manzambi viel Zeit haben, an den traumhaften Sandstränden von San Diego zur Ruhe zu kommen. Während das bei der Fußball-WM aufblühende Juwel und seine Schweizer über eine Woche Spielpause bis zum Sechzehntelfinale haben, werden Wert und Nachfrage bei Manzambi weiter nach oben schießen. Und beim SC Freiburg müssen sie sich schon in diesem Sommer fragen: behalten oder für eine gewaltige Millionensumme verkaufen?
Vier Scorerpunkte - und nicht mehr Joker
Der 20-Jährige spielt in den USA und Kanada bislang grandios. Die Statistiken verzeichnen für Manzambi bereits drei Tore und einen Assist. Und das, obwohl Trainer Murat Yakin ihn in zwei von drei Gruppenspielen nur als Joker ins Spiel brachte. Beim umkämpften 2:1 (0:0) gegen Co-Gastgeber Kanada, das den Schweizer Gruppensieg perfekt machte, war der Jungstar erstmals von Beginn an auf dem Rasen - und wurde wie gegen Bosnien-Herzegowina zum Matchwinner.
«Johan ist in einer hervorragenden Form. Er ist topfit. Ich kann ihn auf verschiedenen Positionen einsetzen», sagte Yakin über seinen Leistungsträger, der wohl nur für eine Rolle bei dieser WM nicht mehr infrage kommt: die des Jokers. Zu dynamisch und zu prägend wirkt Manzambi auf das Spiel der Eidgenossen, das abseits von ihm in der Kreativabteilung mit den Routiniers Granit Xhaka (33) und Remo Freuler (34) nicht gerade von jugendlicher Athletik geprägt ist.
Manzambi, der in der Interviewzone fließend Deutsch und Französisch sprach, wirkte völlig überwältigt. «Ich habe keine Worte für das, was da gerade passiert. Vor vier Jahren war ich noch zu Hause WM-Fan und habe gehofft, dass die Schweiz gewinnt», sagte er. Damals war Manzambi 16.

Schweizer Reise: Vancouver - San Diego - Vancouver
Bis zum Sechzehntelfinale am 3. Juli (5.00 Uhr/MESZ) erneut in Vancouver - und gegen einen Gruppendritten - vergeht viel Zeit. Die Schweizer reisen von der kanadischen Metropole zurück in ihr Trainingscamp in San Diego und haben in ihrem paradiesischen Ort an Kaliforniens Küste Zeit zur Regeneration. Wird Manzambi in dieser Zeit verfolgen, wie sich europäische Topclubs um ihn, der in Freiburg einen Vertrag bis Sommer 2030 hat, reißen?
Nein. Er stellte klar, dass sein Berater aktuell Informationen nur an seinen Bruder herantrage. Das Thema Zukunft stellt Manzambi demnach hinten an, bis die WM vorbei ist. Nach dem verdienten Gruppensieg über Kanada, Bosnien-Herzegowina und Katar wirkt der Weg für die Eidgenossen geebnet, erstmals seit der Heim-WM 1954 wieder ein Viertelfinale bei einer WM zu erreichen. Dazu wären zwei weitere Siege in Vancouver nötig.
Yakin: «Sehr demütiger Mensch»
Was Manzambi jetzt schon ist, ist ein auffälliger Kontrast zu vielen älteren Stars, die in Amerika noch einmal bei der WM ihre Teams anführen: Weltmeister Argentinien mit Lionel Messi (39 Jahre), Portugal mit Cristiano Ronaldo (41) und Kroatien mit Luka Modrić (40). Rein alterstechnisch könnten diese Superstars die Väter von Manzambi sein.

Doch das Juwel kommt nicht nur fußballerisch in der Nati gut zurecht. «Was seine Arbeitsweise angeht, ist er ein sehr bescheidener, sehr demütiger Mensch. Ich freue mich einfach sehr für ihn und für unsere gesamte Mannschaft», lobte Cheftrainer Yakin. Sechs Tore in den ersten 15 Einsätzen im Nationaltrikot sind für einen Mittelfeldspieler eine starke Bilanz.
Marktwert derzeit bei 50 Millionen Euro
Wie Manzambi heraussticht, zeigte auch eine Szene in der Interviewzone, als Manuel Akanji sprach. Der frühere BVB-Verteidiger sollte auf Deutsch über die Stärken seines jungen Mitspielers referieren - und bekam zehn Sekunden später exakt die gleiche Frage auf Englisch gestellt. Es drehte sich beinahe alles um Manzambi, der vor seinem eigenen Treffer auch das wichtige 1:0 von Rubén Vargas aufgelegt hatte.
Was könnte Manzambi dem SC Freiburg bei einem Transfer im Sommer einbringen? Beim Fachportal Transfermarkt wird sein Wert aktuell auf 50 Millionen Euro geschätzt - Tendenz steigend. Das dürfte als Ablösesumme bei vier Jahren Vertragslaufzeit nicht genügen. Manzambis Wert hat sich seit vergangenem Sommer mehr als verfünffacht.
Der Jungstar zog in dieser Zeit mit Freiburg unerwartet ins Europa-League-Finale ein und wurde zu einer festen Größe in der Nati von Trainer Yakin. Für die soll er im weiteren WM-Verlauf eine Hauptrolle spielen.
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