Weinheim. Die Einstellung des Geschäfts mit Brennstoffzellensystemen hat den Gewinn des Mischkonzerns Freudenberg im vergangenen Jahr deutlich gedrückt. 2025 lag das Konzernergebnis bei 361,9 Millionen Euro - nach 724,8 Millionen Euro ein Jahr zuvor, wie aus dem Geschäftsbericht des Unternehmens aus Weinheim hervorgeht. Der Umsatz lag bei gut 11,7 Milliarden Euro - und damit leicht unter dem Vorjahreswert. Konsumenten ist Freudenberg vor allem durch die Haushaltsmarke Vileda bekannt.
Freudenberg hatte entschieden, das Geschäft mit Batteriezellen, -modulen und -systemen sowie das Brennstoffzellensystemgeschäft nicht fortzuführen. Die Kosten für den Umbau sind einem Sprecher zufolge der Hauptgrund für den halbierten Nettogewinn. Das um derartige Sondereffekte bereinigte Vorsteuerergebnis lag bei rund 1,1 Milliarden Euro (minus 3,5 Prozent).
Generell hätten 2025 die positiven Effekte durch Zukäufe und Preiserhöhungen die Belastungen durch Wechselkurseffekte und eine schwächere Nachfrage in wichtigen Märkten – vor allem im Autosektor – nicht kompensieren können.
Konzernchef: Restrukturierungen gehören dazu
«Wir haben vor mehr als sechs Jahren einen mutigen Schritt gemacht und sind beim Wasserstoff, neben der Herstellung von Komponenten, in die Modul- und Systemintegration eingestiegen», sagte Freudenberg-Chef Claus Möhlenkamp dem «Handelsblatt». Zum Beispiel für Kreuzfahrtschiffe habe man komplette Module entwickelt und die Chance gesehen, die Transformation mitzugestalten.
Am Ende hätten sich alle Faktoren gegen die Wasserstoff-Systemtechnik gedreht: Die Regierung habe sich zurückgezogen, «große Kunden haben Projekte verschoben oder komplett gestrichen. Die Infrastruktur hat nicht mitgezogen», sagte Möhlenkamp. Diese Faktoren habe man berücksichtigen müssen - und das Geschäft eingestellt. Weiterverfolgen wolle man den Bau von Komponenten für die Wasserstofferzeugung: «Solche Restrukturierungen gehören dazu.»
Stellenabbau durch Unterlehmessumbau
Ende 2026 beschäftigte die Gruppe fast 51.000 Menschen in rund 60 Ländern. Das sind rund 1.100 weniger als ein Jahr zuvor. Der Konzern hat Möhlenkamp zufolge rund 2.000 Stellen abgebaut, vor allem im Zuge des Umbaus. Durch Übernahmen in den Bereichen Medizintechnik und Lebensmittelindustrie seien aber auch 1.000 Stellen hinzugekommen.

Freudenberg wurde 1849 als Gerberei gegründet und hat sich seitdem zu einem international tätigen Technologiekonzern entwickelt. Das Familienunternehmen ist in verschiedenen Geschäftsbereichen tätig. Dazu gehören unter anderem Dichtungstechnik, Filtration, technische Textilien und Haushaltsprodukte. Freudenberg liefert seine Produkte beispielsweise an die Autoindustrie, den Maschinenbau, die Medizintechnik und andere Industriezweige.
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