Stuttgart. Über Baden-Württemberg ziehen weitere schwere Unwetter, diesmal mit Orkanböen, Hagel und heftigem Starkregen. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) gab eine Unwetterwarnung heraus, die für das ganze Land bis 23.00 Uhr gilt.
Schwerpunkt des Unwetters in der Südhälfte Baden-Württembergs
Laut dem DWD könnten Gewitter mit Starkregen um 20 Liter pro Quadratmeter in kurzer Zeit auftreten - lokal auch mit bis zu 40 Liter pro Quadratmeter und Hagel um drei Zentimeter und schweren Sturmböen bis zu 100 Kilometer pro Stunde. Südlich der Donau seien bis in die Nacht zu Donnerstag vereinzelt Hagel um fünf Zentimeter und Orkanböen bis 120 Kilometern pro Stunde nicht ausgeschlossen. Der DWD warnte vor einer extremen Gefahr durch Blitzschlag und Hagel. Mit örtlichen Überflutungen und erheblichen Verkehrsbehinderungen sei zu rechnen.
Hagelsturm trifft Reutlingen - 6.000 Haushalte ohne Strom
Bereits am Mittwochmorgen hatte ein Unwetter mit Hagel unter anderem in Reutlingen Straßen überflutet und einen stundenlangen Einsatz von Feuerwehr und Polizei ausgelöst. Zudem fiel in Teilen des Stadtgebiets vorübergehend der Strom aus, wie die Polizei mitteilte. Zahlreiche Abflussschächte verstopften und mehrere Straßenabschnitte wurden teilweise überflutet. Betroffene Bereiche mussten laut Mitteilung abgesperrt werden. Nach Einschätzung des DWD prasselten Hagelkörner mit einem Durchmesser von bis zu fünf Zentimetern vom Himmel.
Schwerpunkte der Einsätze waren laut Feuerwehr Verkehrsknotenpunkte in Senken. «Dort gab es Überflutungen. Der Verkehr ist teilweise zum Erliegen gekommen», sagte Feuerwehrkommandant Stefan Hermann. Verletzt worden sei niemand.
Ladengeschäft unter Wasser
Ahmet Yilik, dessen Ehefrau ein Juweliergeschäft in Reutlingen betreibt, war am Morgen fassungslos. Nach einem Anruf, dass es gehagelt habe, habe er sich gedacht, «wird schon nicht so schlimm sein». «Fast 40 bis 50 Zentimeter Schnee mitten im Sommer», sagt Yilik. Im Keller habe er dann den Schaden festgestellt, denn der war überschwemmt.

Laut des zuständigen Netzbetreibers, der Fairnetz GmbH, waren rund 6.000 Hausanschlüsse im Bereich der Kernstadt am Morgen für etwas mehr als eine Stunde ohne Strom. Ursache sei aller Voraussicht nach ein Blitzeinschlag im Zuge des Gewitters gewesen.
Oberschwaben hat es auch erwischt
Auch im Landkreis Ravensburg hielten schwere Gewitter Polizei und Feuerwehr auf Trab. Eine 43-jährige Frau wurde nach Polizeiangaben leicht verletzt. In Aitrach schlug ein Blitz ein, mehrere Stromkästen verschmorten. Teils wurden laut Polizei Stichflammen aus Steckdosen in den Häusern gemeldet. Die 43-Jährige hielt zu diesem Zeitpunkt ihr Smartphone, das zum Laden an der Steckdose angeschlossen war, in der Hand. Sie erhielt demnach einen Stromschlag und ging selbstständig in ein Krankenhaus.
In Schemmerhofen (Kreis Biberach) waren die Straßen ganz weiß und komplett von Hagel bedeckt. Feuerwehrleute schaufelten die zentimeterhohe Hagelschicht von der Straße und räumten die Schächte frei. Landwirte unterstützten sie mit ihren Traktorschaufeln, wie Kommandant Martin Musch mitteilte. Gebäudeschäden oder andere größere Schäden seien in Schemmerhofen aber nicht entstanden, sagte er.
Auch Bäume stürzten um. Ein Autofahrer kam auf der B30 von der nassen Fahrbahn ab, landete mit seinem Wagen im Graben und verletzte sich schwer. Zudem musste ein Teilstück der B30 kurzzeitig gesperrt und von herabgefallenen Ästen befreit werden.

In der Nacht zum Donnerstag sieht der DWD im äußersten Süden teils noch Wolken, örtlich fallen noch Schauer oder Gewitter. Hier gebe es in der zweiten Nachthälfte geringe Wahrscheinlichkeit für schwere Gewitter in Verbindung mit heftigem Starkregen, schweren Sturmböen und Hagel. Sonst rechnet der Deutsche Wetterdienst mit abklingenden Niederschlägen und geringer Bewölkung.
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