1. Startseite
  2. Überregionales
  3. Stuttgart & Südwest
Logo

Landtagswahl
«Herablassende Arroganz»: CDU greift Özdemir frontal an

CDU-Landesparteitag Baden-Württemberg
Die Stimmung für Koalitionsgespräche ist denkbar schlecht. Foto: Bernd Weißbrod
Landtagswahl in Baden-Württemberg
Manuel Hagel landete mit seiner CDU bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg hauchdünn hinter den Grünen von Cem Özdemir. Foto: Markus Lenhardt
Bereits vor der Wahl waren die Fronten stark verhärtet, am Tag danach eskaliert der Streit zwischen Grünen und CDU öffentlich - wie sollen diese beiden Parteien nur eine Regierung bilden?

Berlin/Stuttgart. Eigentlich müssen Grüne und CDU in Baden-Württemberg zu einer Regierung zusammenfinden, aber die Stimmung zwischen den Parteien könnte derzeit nicht feindseliger sein: Nach dem sehr knappen Wahlausgang und Diskussionen über eine Teilung der Amtszeit des Regierungschefs greift die Südwest-CDU den Wahlsieger Cem Özdemir (Grüne) nun frontal und persönlich an.

«Diese herablassende Arroganz der Äußerungen von Özdemir verwundert uns doch sehr», teilte CDU-Landesgeneralsekretär Tobias Vogt der Deutschen Presse-Agentur am Abend mit. «Im Grunde ist es exakt die Verlängerung des fragwürdigen Stils der Grünen im Wahlkampf. Das ist Ampel-Sprech.»

Özdemir: «Zu ernst für Quatsch»

Zuvor hatte Özdemir den Regierungsanspruch der Grünen unterstrichen - und Vorschläge aus der CDU zu einer Teilung der Macht scharf zurückgewiesen. Auch wenn es nur eine Stimme mehr gäbe, wäre klar, wer den Ministerpräsidenten stelle, hatte Özdemir in Stuttgart gesagt. Das sei Tradition. Man werde auch keine Doppelspitze bilden. «Wir machen erwachsene Politik, die Situation ist einfach zu ernst für Quatsch aller Art.»

CDU-Generalsekretär Vogt entgegnete, dass Özdemir damit der eigenen grünen Geschichte widerspreche. «2011 haben sie als kleinere Partei, auf dem zweiten Platz, den Ministerpräsidenten gestellt», betonte Vogt. «Soviel zur Tradition des Herrn Özdemir.»

CDU: «Entspringt der Fantasie des grünen Spitzenkandidaten» 

Zugleich bestreitet die CDU, dass es bereits Gespräche mit den Grünen gegeben habe. «Jetzt lesen wir in der Presse, wir seien bereits im Austausch – davon wissen wir nichts, es entspringt der Fantasie des grünen Spitzenkandidaten.» Özdemir hatte zuvor gesagt, man sei bereits im Austausch und werde absprechen, wann man wie welche Erörterungen führen werde.

Bei der Wahl am Sonntag hatten die Grünen mit 30,2 Prozent knapp Platz eins vor der CDU mit 29,7 Prozent erreicht. Im neuen Landtag kommen aber beide Fraktionen auf jeweils 56 Mandate. Die SPD war auf 5,5 Prozent abgesackt. Eine Fortführung der Koalition aus Grünen und CDU ist derzeit die einzig realistische Regierungsoption.

© dpa-infocom, dpa:260309-930-792799/1