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Stadtwahrzeichen
Hier wird ein Schloss aus rund 250.000 Steinen nachgebaut

Das Karlsruher Schloss aus Klemmbausteinen
Beim Bau ist Präzision gefragt. Foto: Uli Deck
Das Karlsruher Schloss aus Klemmbausteinen
Produktdesigner Michel Henning (r) zeigt Projektleiter Marvin Gedigk fertige Teile des «Klötzle-Schlosses». Foto: Uli Deck
Das Karlsruher Schloss aus Klemmbausteinen
Das Miniatur-Schloss zeigt das Original im Maßstab 1:34. Foto: Uli Deck
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Das Original ist wegen einer Sanierung über Jahre geschlossen. (Archivbild) Foto: Uli Deck
Hunderte Arbeitsstunden, kreative Kniffe und ein einzigartiger Blick ins Innere: Was das «Klötzle-Schloss» so besonders macht, wann man es sehen kann - und warum jeder mitwirken darf.

Karlsruhe. Im Maßstab 1:34, in mühevoller Kleinarbeit und mit viel Liebe zum Detail baut ein Team gerade das Karlsruher Schloss aus Klemmbausteinen nach - während das Original zwecks Sanierung über Jahre geschlossen ist. Das Ergebnis soll ab 8. Mai im Museum beim Markt zu sehen sein, ohne Eintritt zu zahlen. Und das «Klötzle-Schloss» verspricht einen Clou.

Mitmach-Aktionen geplant

Während der Miniatur-Nachbau von vorne möglichst originalgetreu aussehen soll, fehlt die hintere Seite. So kann man wie bei einer Puppenstube jederzeit in die Inneneinrichtung eingreifen und diese verändern, wie Projektleiter Marvin Gedigk vom Badischen Landesmuseum erklärt, das im (echten) Schloss zu Hause ist. «Was dort zu sehen ist, wird sich also immer wieder verändern.» 

Das Karlsruher Schloss aus Klemmbausteinen
Das «Klötzle-Schloss» ist fast fünf Meter breit. Foto: Uli Deck

Frühere Sonderausstellungen sollen demzufolge nachgebaut und Fortschritte bei der Sanierung veranschaulicht werden. Auch Gäste können bei speziellen Veranstaltungen eigene Vorschläge für das Innenleben gestalten.

Wahrzeichen aus rund 250.000 Einzelteilen

Mit dem Bau beauftragt ist die Karlsruher Firma Stone Heap, die sich auf Modellbau aus Noppensteinen konzentriert. «So ein großes Projekt in unserer Heimatstadt ist natürlich etwas Besonderes», sagt Geschäftsführer Marvin Lichtenfels. Mit freiwilligen Helfern werden sie am Ende rund 250.000 Steine verbaut haben. Hunderte Arbeitsstunden fließen in das Projekt. Seit November sind die ersten am Werk, im März ging es mit den großen Gebäudeteilen los.

Das Karlsruher Schloss aus Klemmbausteinen
Rund 250.000 Steine dürften am Ende verbaut sein. Foto: Uli Deck

Nicht alles ist dabei vorher am Computer entworfen, wie Produktdesigner Michel Henning erklärt. «Es gibt ganz individuelle Ecken. Da kann man am besten vor Ort gucken, wie man das zusammensetzt.» Wo nötig, werde an den Bausteinen auch mal geschnitten und gekürzt, damit alles passt. Laut Gedigk liegen die Kosten für das Projekt im «guten fünfstelligen Bereich». 

Globale Herausforderungen beim Bau 

Am Ende wird das «Klötzle-Schloss» fast fünf Meter breit und der Turm weit über einen Meter hoch sein. Der hellgelbe Farbton der Fassade ist ziemlich gut getroffen. Einige Details wie Kunstwerke im Museum werden mit Hilfe klebender Folien nachgebildet. Bei Skulpturen auf dem Schlossdach hingegen arbeiten die Bastler rein mit den vorhandenen Steinen, wie Henning sagt. Es gehe vor allem darum, sich an das Original anzunähern. «Da ist Kreativität gefragt.» 

Das Karlsruher Schloss aus Klemmbausteinen
Manche Teile sind am Computer entworfen. Foto: Uli Deck

Fast 1.000 verschiedene Arten von Spritzguss-Bausteine werden gebraucht, wie Geschäftsführer Lichtenfels sagt. Große Herausforderungen seien Verzögerungen bei den Lieferungen aus China - mal, weil dort wegen des Neujahrsfestes nicht gearbeitet werde, aber auch weil Schiffe den Suezkanal umfahren müssten. Und nicht zuletzt sei die Nachfrage nach Klemmbausteinen aller Art seit der Corona-Pandemie auch bei Erwachsenen gestiegen, die Produktion oft ausgelastet.

Wer das Karlsruher Schloss selbst nachbauen will, soll ab August im Museumsshop fündig werden: Dort wird laut Gedigk eine mit rund 350 Einzelteilen deutlich platzsparendere Variante für 14,95 Euro angeboten.

© dpa-infocom, dpa:260423-930-981188/1