Forbach. Im Südwesten streunt im Nordschwarzwald seit neuestem ein Wolfspaar herum - Experten können den Tieren aber frühestens im Sommer mit zusätzlichen Fotofallen näherkommen, um Hinweise zu möglichem Nachwuchs zu bekommen. Vorher sei das wenig sinnvoll, sagte der Wolfexperte Micha Herdtfelder von der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) in Freiburg. Niemand wisse ja, ob und wo die seit kurzem erst sesshafte Wölfin Welpen zur Welt bringen werde.
Doch sei es sehr wahrscheinlich, dass sie bereits Nachwuchs vom schon lange in der Region ansässigen Rüden GW852m erwarte. «Wildbiologisch gesehen klappt eine Verpaarung zwischen Wölfen meistens», sagte Herdtfelder.
Welpen könnten im Sommer gesichtet werden
Sollte dem so sein, müssen sich Beobachter des streng geschützten Tieres jedoch noch bis Juni oder Juli gedulden - nach Verlassen des Baus steigt dann die Chance, dass die Welpen gesichtet oder von Fotofallen abgelichtet werden. «Wir warten ab, bis uns eine Beobachtung gemeldet wird», sagte Herdtfelder. Erst dann würden an diesen Stellen, auch «Rendezvous-Plätze» genannt, in Absprache mit den Jagdpächtern zusätzlich Fotofallen installiert, um die Wolfbabies besser im Blick zu behalten.
Ein Wurf besteht meistens aus vier bis sechs Welpen. Die Fähe ist vermutlich im Februar oder März trächtig geworden, die Tragezeit beträgt um die 60 Tage. Kurze Zeit nach Geburt wagen sich die Welpen in der Regel aus dem Bau und spielen in kleinem Radius - auch ohne Aufsicht der Eltern.
Viele Jungtiere sterben
Rund zwei Drittel der Jungtiere sterben aber in den ersten zwei Lebensjahren. Fressfeinde wie Eule, Fuchs oder auch Luchs können ihnen Herdtfelders Angaben zufolge zum Verhängnis werden - später vor allem Hunger, Krankheiten oder der Autoverkehr.
Die Fähe mit der wissenschaftlichen Kennung GW4816f ist im Vergleich zu ihrem Partner noch recht jung: Sie wurde zwischen 2022 und 2024 geboren, der Rüde kam schon 2017 zur Welt. «Der Altersunterschied ist also beträchtlich», sagte Herdtfelder.
Rüde GW852m ist der am längsten im Südwesten sesshafte Wolf und hat die durchschnittliche Lebenserwartung eines Wolfes schon fast erreicht. Sollte er sterben, wird die Fähe aber nicht lange alleine bleiben, so Herdtfelder. «Andere Wölfe bekommen das mit.»
Erst kürzlich hatte sich nach vier männlichen Wölfen wieder eine Wölfin im Südwesten niedergelassen. Damit sind nun fünf Exemplare dieser streng geschützten Tiere in Baden-Württemberg sesshaft und eine Rudelbildung wahrscheinlich.
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